23.06.2010

Manuel Neuer über Trikots und Ghana

»Das war Deutschland-Gold!«

Wir er heute der entscheidende Mann? Vor dem »Endspiel« gegen Ghana sprachen wir mit Torwart Manuel Neuer über grüne Trikots, den Kahnschen Tunnelblick und die Motivation aus dem verlorenen Spiel gegen Serbien.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago
Manuel Neuer, wissen Sie schon, was Sie am Mittwoch gegen Ghana tragen werden?


Ja, das Standardoutfit.

Also nicht mehr das gelbe Torwarttrikot, das Sie gegen Serbien getragen haben.

Sie sagen es.

Das war ja Dortmund-Gelb, oder?

Deutschland-Gold, würde ich als Schalker sagen. Welche Farbe das Torwarttrikot hat, das entscheidet bei der WM am Ende immer die Fifa. Das grüne und das rote Trikot stehen mir deutlich besser.



Vermutlich würde es Ihnen noch besser stehen, wenn Sie sich im Tor schon hätten auszeichnen können.

Stimmt, es kamen noch nicht die richtig tollen Torschüsse, die ich hätte abwehren können. Für einen Torwart ist das nicht so schön, aber wichtiger ist das Ergebnis. Wir stehen ganz gut in der Verteidigung.

Leiden Sie unter der Unterforderung?

Leiden wäre falsch, aber es ist ärgerlich, wenn man sich gut vorbereitet hat. Im Training spiele ich auf hohem Niveau, nur kann ich es nicht zeigen. Mit diesem Konflikt muss ein Torwart leben. Im Prinzip will man ja nicht viel zu tun bekommen. Der Mannschaftsgedanke steht im Vordergrund. Je weniger ich aufs Tor bekomme, desto besser ist es für uns.

Das Spiel gegen Ghana hat Finalcharakter. Wäre es von daher nicht besser, wenn Sie als Torwart schon warm geschossen wären?

Schwierig zu beantworten, die Frage. Ein Torwart muss dann da sein, wenn es sein muss. Auch und gerade, wenn er vielleicht noch nicht so viel gefordert wurde. Das ist die Herausforderung.

Bei dieser WM gab es schon kuriose Torwartleistungen zu beobachten. Wie bewerten Sie das Spiel Ihrer Kollegen?

Also, ich habe auch sehr gute Leistungen gesehen. Ich möchte nichts über Kollegen sagen. Ich bin einfach noch nicht in der Position, über andere Torhüter zu urteilen. Ich konzentriere mich auf mich und unsere Mannschaft.
Der Australier Mark Schwarzer hat es sich nicht nehmen lassen. Er hat über die deutschen Torhüter gesagt, dass es keine Persönlichkeiten sind.
Jeder muss ja wissen, was er tut und sagt. Ich bin ganz ruhig geblieben.  Wissen Sie, auch Jens Lehmann hat ja vor der WM über mich geurteilt …

Er hatte gesagt: »Wenn man Weltmeister werden will, ist es schwierig mit Manuel Neuer als Nummer eins. Er hat immer wieder Fehler gemacht.«

Und schon dazu habe ich nichts gesagt. Ich kann das alles ganz gelassen sehen. Die beste Antwort kann man nur auf dem Platz geben. Ich denke, dass ich in unseren Spielen Präsenz gezeigt habe.

Was wird gegen Ghana auf Sie zukommen?

Ghana besitzt interessante Offensivspieler, sie haben von ihrer Veranlagung sehr viel Kraft. Man hat gesehen, dass die Jungs sehr selbstbewusst sind und gern auch aus der Distanz schießen. Damit rechne ich. Das bedeutet, dass wir mit der Abwehr nicht zu tief, also zu nah am eigenen Tor stehen. Wir wollen versuchen, möglichst wenig zuzulassen.

Das deutsche Team ist recht jung. Spüren Sie eine gewisse Anspannung?

Wir wissen doch, dass bei einer WM jedes Spiel zählt. In der Gruppenphase gibt es drei K.-o.-Spiele, nicht eins. Der Druck ist immer hoch.

Deutschland könnte ausscheiden.

Ja, der Druck ist jetzt sehr hoch, aber wir können damit umgehen und sind sicher, dass wir gegen Ghana gewinnen.

Alle Spieler äußern große Zuversicht. Wie viel davon redet man sich ein, und wie viel kommt von innen, aus tiefer Überzeugung?

Wir haben hier trotz der Niederlage gegen Serbien keine schlechte Leistung geboten. Im Gegenteil. Wir hatten ein bisschen Pech. Aber natürlich müssen wir auch an uns glauben. Und das können wir auch. Wir wissen, was wir draufhaben. Wir sind hungrig, wir sind motiviert. Daraus ziehen wir die Kraft und Überzeugung.

Bei den vorigen Turnieren standen in Kahn und Lehmann sehr erfahrene Profis im deutschen Tor. Sie sind deutlich jünger. Wie können Sie der Mannschaft Halt verleihen?

Ich denke schon, dass ich der Mannschaft Sicherheit verleihe. Meine Mitspieler wissen, dass sie mich in brenzligen Situationen immer anspielen können. Ich bin immer für sie da. Ich strahle Ruhe aus. Und außerdem: So alt waren die deutschen Torhüter auch nicht immer. Bodo Illgner ist mit 23 Jahren Weltmeister geworden. Warum soll es bei mir nicht mit 24 klappen?

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