01.03.2013

Manuel Neuer über den BVB, Motivation und John McEnroe

»Fußball ist nie langweilig«

Manuel Neuer steht mit dem FC Bayern vor einer Rekordsaison. Doch wie langweilig ist einem Torwart mit nur acht Gegentreffern? Ein Gespräch über Konzentrationsmethoden, die Folgen des Traumas vom Finale dahoam und Tennistraining mit John McEnroe.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Im Champions League-Finale 2012 gegen Chelsea bekamen Sie eigentlich nur einen Schuss aufs Tor. Der Kopfball von Didier Drogba war dummerweise drin...
Ich sehe das anders. An diesem Tag habe ich sehr wohl etwas zu tun bekommen.
 
Was haben Sie aus diesem Spiel mitgenommen?
Wir alle haben aus diesem Abend gelernt. Man merkt der Mannschaft heute an, dass die Motivation in jedem Spiel sehr hoch bleibt. Wir wollen alle bis zur letzten Sekunde voll da sein. In jedem Spiel gewinnen. Egal, wer der Gegner ist. Dieser Anspruch entsteht auch aus solch schlimmen Niederlagen. Dasselbe haben wir auch in der Nationalmannschaft erlebt. Die Niederlage gegen Spanien 2010 und das Ausscheiden gegen Italien bei der EM haben weh getan, unsere Mannschaft aber auch stärker gemacht. Ich gehe davon aus, beim nächsten Mal werden wir in den richtigen Momenten da sein.
 
Hat das verlorene Finale dahoam die Bayern am Ende also besser gemacht?
Wir hatten da einen sehr unglücklichen Tag und dieses Spiel nagt an einem, keine Frage. Aber wir deutschen Nationalspieler beim FC Bayern haben im letzten Jahr alles verloren. Zweiter in der Meisterschaft, im Pokal, in der Champions League und dann das Halbfinal-Aus gegen Italien. Es ist das Gesamtpaket, was man aus diesem Jahr mitgenommen hat und das heute vielleicht die paar Extraprozente bei jedem einzelnen hervorkitzelt. Denn das ist klar: So etwas wollen wir alle nicht noch einmal erleben.
 
Manche sprechen davon, dass in der jetzigen Bayern-Mannschaft bereits der Geist der 1999er Mannschaft lebt. Kann Bayern schon in diesem Jahr nach dem Champions League-Titel greifen?
Vom Geist von 1999 höre ich jetzt zum ersten Mal. Ich kann das auch nicht beurteilen, da ich 1999 nicht dabei war. Das Thema ist so weit weg, dass wir darüber nicht nachdenken. Was wir wissen, ist, dass wir auch in diesem Jahr nichts geschenkt bekommen. Natürlich wollen wir so viele Titel wie möglich. Aber jeder von uns weiß jetzt, dass es selbst dann nicht ausreicht, wenn man in einem Champions-League-Finale die 100 Prozent bessere Mannschaft ist. Wenn du nur einen Moment nicht aufpasst, kann der Titel weg sein.
 
Wie wichtig war in der jetzigen Situation der Sieg gegen Borussia Dortmund?
Wir haben alle begriffen, dass das kein normales Spiel war. Es ging auch ein bisschen darum, wer die Vormachtstellung im deutschen Fußball hat. Wir waren, wie im letzten Jahr auch, die bessere Mannschaft. Mit dem Unterschied, dass wir endlich mal wieder ein wichtiges Pflichtspiel gegen den BVB gewonnen haben.
 
Sie sprechen sehr viel auf dem Platz. Hören Sie die Mitspieler eigentlich in einem vollen Stadion?
Ich versuche immer, mit meinem lauten Organ durchzudringen, weiß aber auch, dass das manchmal nicht einmal bis zu unseren Sechsern durchdringt. Zum Glück haben wir Automatismen entwickelt, sodass meine Körpersprache manchmal als Ausdrucksmittel ausreicht.
 
Ein strenger Blick und Arjen Robben weiß, dass er den Rückwärtsgang einzulegen hat?
Ich versuche es mit Handzeichen. Das ist bisher ganz wirksam.
 
Viele Experten waren überrascht, dass Sie bei Ihrem Wechsel zum FC Bayern Toni Tapalovic als Torwarttrainer mitgebracht haben. Warum war es Ihnen so wichtig, dass er Ihr Training leitet?
Zuallererst möchte ich betonen, dass ich Toni Tapalovic nicht beim FC Bayern untergebracht habe. Er hat bereits in der Jugend und bei den Amateuren beim FC Schalke hervorragende Arbeit geleistet. Außerdem hat er auch die Ausbildung bei Lothar Matuschak (Torwarttrainer der Jugendmannschaften bei Schalke, d. Red.) durchlaufen. Deswegen habe ich Tapalovic lediglich als einen von vielen Trainern vorgeschlagen.

Bayern wollte Sie unbedingt. Den Wunsch konnte Ihnen also keiner ausschlagen.
Jupp Heynckes hat sich mit Toni an einen Tisch gesetzt und sie haben sich unterhalten. Und der Trainer ist lang genug im Geschäft, um zu wissen, worauf es bei einem Torwarttrainer ankommt. Er hätte ihn sicher nicht geholt, wenn er dabei ein schlechtes Gefühl gehabt hätte.
 
Wann ist aus dem Trainer Tapalovic Ihr Kumpel Toni geworden?
Ich war damals gerade erster Torwart beim FC Schalke, Toni ist als Nummer zwei nachgerückt. Ralf Fährmann hatte sich verletzt. Eines Tages kam Toni zu mir und sagte, dass ich bei bestimmten Sachen noch mehr trainieren müsse. Das hat mir imponiert. In der Folge sind wir dann sehr oft länger draußen geblieben und haben Extraschichten geschoben. Er hat mich gepusht und gefördert. Natürlich schweißen diese gemeinsamen Trainingseinheiten auch zusammen.
 
Was für Ihr Vorbild Edwin van der Sar der Trainer Frans Hoek war, ist für Sie also Toni Tapalovic.
Der Torwart, der ich heute bin, bin ich auch dank Toni Tapalovic. Er hat mich mitentwickelt. Ganz nebenbei glaube ich aber nicht, dass Edwin van der Sar alles Frans Hoek zu verdanken hat. Van der Sar hat seinen größten Schritt mit dem Wechsel nach England gemacht.
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