01.03.2013

Manuel Neuer über den BVB, Motivation und John McEnroe

»Fußball ist nie langweilig«

Manuel Neuer steht mit dem FC Bayern vor einer Rekordsaison. Doch wie langweilig ist einem Torwart mit nur acht Gegentreffern? Ein Gespräch über Konzentrationsmethoden, die Folgen des Traumas vom Finale dahoam und Tennistraining mit John McEnroe.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Manuel Neuer, wir machen uns ein bisschen Sorgen um Sie.
Das ist nicht notwendig. Mir geht es sehr gut.
 
Aber durch die herausragende Defensive des FC Bayern bekommen Sie in dieser Saison kaum etwas zu tun, trotzdem sind Sie immer so dünn angezogen. Haben Sie keine Angst vor einer Erkältung?
Keine Sorge. Auch wenn ich nicht allzu viel zu tun habe, bin ich während eines Spiels immer sehr gut beschäftigt. Das Torwartspiel erfordert heute ein bisschen mehr als nur das Abwehren von Torschüssen. Mir ist also immer ausreichend warm.
 
Wenn man so wenig auf sein Tor bekommt, ist es umso anstrengender, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Wie machen Sie das?
Ich bin immer in Bewegung und spreche sehr viel mit meinen Vorderleuten. Schließlich trage ich die Verantwortung dafür, dass wir defensiv gut stehen. Diese Kommunikation hält meine Konzentration hoch.
 
Man sah in dieser Saison bereits Bilder, auf denen Sie sich von Thomas Müller während des Spiels warmschießen ließen. Wird Ihnen manchmal langweilig?
Fußball ist nie langweilig. Aber wenn ich eine Zeit lang nichts auf mein Tor bekomme, brauche ich das Gefühl, einen Ball in der Hand zu halten. Das ist doch normal. Oder soll ich zwanzig Minuten ruhig stehen und wenn mir der Ball durch die Finger rutscht, sagen: »Sorry, aber ich war nicht warm«?
 
Manch einer hält das für respektlos, wenn einen die Kollegen während des Spiels warmschießen.
Das verstehe ich nicht. Ich finde es normal, mich bestmöglich auf meinen Job vorzubereiten. Und ob mir jetzt Thomas Müller oder ein Balljunge ein paar Bälle zuschießt, spielt doch keine Rolle.
 
In der Liga haben Sie erst acht Gegentore bekommen. Können Sie erklären, was die Bayern-Defensive so stark macht?
Es hat ein Umdenken bei unseren Offensivspielern stattgefunden. Nach Ballverlusten schalten wir sofort auf Balleroberung um. Und jeder hat jetzt verstanden, dass er seinen Teil zur Defensivarbeit beitragen muss. Das ist der große Unterschied zum vergangenen Jahr. Wobei man nicht vergessen darf, dass wir auch da nicht so viele Gegentore bekommen haben. Aber heute ist es eben so, dass sich nicht mehr nur die Defensivspieler über ein zu Null freuen. Auch Thomas Müller oder Arjen Robben und all die anderen Offensivspieler freuen sich. Das ist eine positive Entwicklung.
 
Führen Sie in der Kabine eine Strichliste mit allen Zu-Null-Spielen, um die Kollegen zu motivieren?
Nein, das macht keinen Sinn, weil jeder von uns weiß, dass Gegentore eben zum Spiel dazugehören können. Wir wissen, dass wir jetzt nicht jedes Spiel ohne Gegentore durchkommen. Ich erinnere nur an das Spiel gegen Leverkusen, bei dem wir zwei Tore bekommen haben, für die wir eigentlich nichts können. Trotzdem versuche ich vor jedem Spiel klar anzusprechen, dass die Defensivarbeit oberste Priorität hat. Vorne haben wir sowieso so viele Topleute, die jederzeit ein Tor machen können. Darum müssen wir uns keine Sorgen machen.
 
Tut ein Gegentreffer zum 1:6, wie zuletzt gegen Bremen, trotzdem weh?
Jedes Gegentor ist ärgerlich. Aber man kann es beim Stand von 5:0 besser verschmerzen als bei einem 0:0.
 
Sind Sie nach solchen Spielen eigentlich genauso kaputt wie an Tagen, an denen Sie 15 Torchancen entschärfen mussten?
Es ist eine andere Art der Belastung. Wenn man selber mehr in Action ist, geht es irgendwann an die Physis. Spiele mit wenig Beschäftigung sind vor allem psychisch anstrengend. Das sollte man nicht unterschätzen.

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