Manuel Friedrich im Interview

„Ich werde durchhalten“

Für den Fall des Klassenerhalts hat Jürgen Klopp der Stadt Mainz eine Party versprochen, die sie noch nicht erlebt hat. Seinem Abwehrchef Manuel Friedrich gibt die Hoffnung auf diesen legendären Exzess Kraft für den Abstiegskampf. Imago
Heft #64 03 / 2007
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Manuel Friedrich, für den Fall, dass Sie die Klasse halten, hat Jürgen Klopp eine Party angekündigt, wie die Stadt sie noch nicht erlebt hat. Kein leichtes Unterfangen in einer Karnevalshochburg wie Mainz.

Wenn Kloppo etwas sagt, dann meint er das auch ernst. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass er es irgendwie organisiert bekommt, dass in der ganzen Stadt für drei Tage die Arbeit niederlegt wird, um mit uns feiern zu können. Da mache ich mir keine Sorgen. Aber bis zu diesem Fest ist es noch ein weiter Weg.

Und bis dahin ist der Gedanke an eine große Party ein psychologisches Hilfsmittel?

Es kann helfen, wenn man sich in der Kabine die Bilder einer möglichen Nichtabstiegsfeier vor das geistige Auge holt oder wie die Mannschaft nach einem erfolgreichen Spiel mit den Fans in der Kurve feiert. Mir geben Bilder einer möglichen Belohnung einen zusätzlichen Motivationsschub. Wenn sich diese positiven Bilder ins Unterbewusstsein gebrannt haben, kann das sogar in schwierigen Situationen während eines Spiels helfen.

Haben Sie auch noch die Bilder ihrer bislang besten Fußballfeier vor Augen?

Oh ja, das war ganz klar unsere Aufstiegsfeier 2004.

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Was hatte diese Feier, was andere nicht hatten?

Die Begeisterung der Leute natürlich. Ich weiß nicht, wie viele Menschen vor dem Rathaus standen, es müssen 20 000 oder 30 000 gewesen sein. Das war der reine Wahnsinn. Der Verein hatte über drei Jahre versucht aufzusteigen, doch immer wieder wurde am letzten Spieltag alles verspielt.

2004 war Mainz dann endlich dran.

Wir gewannen unser Spiel und warteten auf das Endergebnis aus Karlsruhe. Dann kam die Kunde, dass der KSC Aachen geschlagen hatte. In einem einzigen Moment verwandelte sich die gesamte Anspannung in unbeschreiblichen Jubel. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich muss gestehen, dass mir heute noch die Tränen kommen, wenn ich die Szenen von damals sehe, obwohl ich mir die Bilder schon mehrmals angesehen habe.

Sind Sie so nah am Wasser gebaut?

Nein, eigentlich nicht. Aber für einen Verein und eine Stadt wie Mainz sind solche Erfolgserlebnisse nicht so alltäglich wie vielleicht in München beim FC Bayern. Der Aufstieg und die dadurch freigewordenen Emotionen sowie die ganzen Feierlichkeiten waren einmalig.

Welche Spieler zeigten sich damals besonders Konditionsstark am Glas? Und wer hat durch erhöhten Apfelschorlekonsum enttäuscht?

Ich muss zugeben, dass ich mich an Einzelheiten des Abends nicht mehr erinnern kann (lacht).

Wenn das so ist, lieferten Sie am Ende vielleicht sogar die stärkste Leistung an der Bar ab?

Nein, das glaube ich nicht. Aber ich würde sagen, dass ich nicht durch unterdurchschnittlichen Getränkeverzehr auffällig wurde. Jeder hat sich damals nach Kräften beteiligt, schließlich hatten wir Durst (lacht).

Kann man Sie denn als Partylöwen bezeichnen?

Da gibt es sicher andere, auf die diese Bezeichnung besser passt. Ich bin eher der Typ, der sich abends einen Film ansieht. Wenn die Mannschaft feiern geht, bin ich aber der Letzte, der keine Lust auf solche Veranstaltungen hat. Und sollten wir am Ende der Saison nicht abgestiegen sein, werde ich auch drei Tage lang die Feierlichkeiten mit Freude durchhalten.

Bevor es soweit ist, müssen Sie als zentraler Abwehrspieler eine wichtige Rolle ausfüllen und Verantwortung übernehmen. Selbstbewusst genug dafür sollten Sie sein, denn das letzte Jahr lief für Sie persönlich durchaus positiv.

Ich versuche, Verantwortung für die Mannschaft zu übernehmen. Nach meiner Rückkehr aus Bremen machte mich Jürgen Klopp zum Co-Kapitän und hat mir Verantwortung aufgetragen - ob ich wollte oder nicht.

Er hat nicht gefragt, ob Sie dieses Amt überhaupt übernehmen wollen?

Doch, er hat kurz gefragt. Ich wollte wissen, was ich zu tun hätte, und er hat es mir erklärt. Dann habe ich zugestimmt. Ich wollte es versuchen, auch wenn ich nicht wusste, ob ich es gleich 1a hinbekommen würde.

Und?

Am Anfang hatte ich meine Probleme mit diesem Amt, weil ich mir zu viele Gedanken gemacht habe und mich dadurch zu verantwortlich für die Mannschaft fühlte.

Wollten Sie von ihrem Amt zurücktreten?


Nein, ich habe mich mit den Problemen, die ich mit dieser Rolle hatte, auseinandergesetzt und auch mit Jürgen Klopp gesprochen. Ich wollte wissen, was ich besser machen könnte. Mit der Zeit wuchs ich in dieses Amt hinein, inzwischen komme ich sehr gut damit zurecht und habe es, glaube ich, ganz gut ausgefüllt.

Jetzt sind wir neugierig, wie ein Co-Kapitän in Mainz Verantwortung übernimmt. Müssen Sie den Karnevalsabend der Mannschaft organisieren?

Nein. Ich versuche, eine Art Schlüsselspieler zu sein und auf dem Platz Präsenz zu zeigen. Ich werde mich öffentlich auch immer vor die Mannschaft stellen und sie verteidigen. Neben dem Platz kommt mir zu Gute, dass ich mich mit jedem Spieler gut verstehe. Meine Mitspieler können jederzeit zu mir kommen, wenn sie Probleme haben.



Wie schon zuvor gesagt, verlief das vergangene Jahr für Sie persönlich sehr positiv. Sie wurden zum Nationalspieler. Ist der berüchtigte Druck, von dem viele Spieler sprechen, für Sie merklich gestiegen?

Was sich wirklich verändert hat ist mein Bekanntheitsgrad. Das bemerke ich schon, wenn ich unterwegs bin. Jedoch hat niemand von Vereinsseite den Druck auf mich erhöht. Die wissen ja auch, dass ich durch ein paar Länderspiele nicht von einem Tag auf den anderen ein anderer Spieler geworden bin.

Dennoch baut sich großer sportlicher Alltagsstress auf. Was machen Sie zum Ausgleich, um zur Ruhe zu kommen?

Ich spiele seit fast vier Jahren sehr gerne Golf, wenn die Zeit es zulässt.

Wie oft stehen Sie auf dem Golfplatz?

Das ist von ein paar Faktoren abhängig. Zuerst einmal muss das Wetter passen. Wenn es regnet, bin ich nicht so gerne auf dem Golfplatz, und allein spiele ich auch ungern. Wenn das alles stimmt und keine englische Woche ansteht, versuche ich zweimal in der Woche Golf zu spielen.

Dann spazieren sie die 18 Löcher ab und lassen die Seele baumeln?


Meistens spiele ich nur neun Löcher, dass langt dann auch. Dann bin ich ungefähr zwei Stunden unterwegs, kann etwas abschalten und die Ruhe genießen.

Natürlich darf die Frage nach ihrem Handicap nicht fehlen.

Das hängt vom Platz ab. Auf einfacheren Plätzen liegt es ungefähr bei 15, sind die Platzverhältnisse anspruchsvoller, komme ich auf 20 Schläge über Paar.

Viele Ihrer Kollegen entspannen sich mittels Spielkonsolen.

Ich bin keiner, der stundenlang vor dem Bildschirm sitzt und spielt. Aber ich besitze eine Konsole, und ab und an benutze ich sie auch. Aber sehr unregelmäßig.

Spielen Sie auch so genannte Ego-Shooter?

Nein, hauptsächlich wird Fußball gespielt. Entweder kommen Freunde zu mir oder ich statte ihnen einen Besuch ab.

Manuel Friedrich wählt selbstverständlich immer Mainz 05 und steuert sich selbst.

Eigentlich mache ich das nicht. Aber natürlich wähle ich auch mal eine Mannschaft, in der ich im Kader stehe.

In der Nationalmannschaft gelten Poldi und Schweini als Konsolen-Könige. Haben Sie gegen einen der beiden schon eine vernichtende Niederlage erlitten?

Gegen die beiden habe ich noch nicht an der Konsole gezockt. Bei der Nationalmannschaft sind zwar immer Konsolen aufgebaut, die sind aber meist besetzt, so dass ich im Nationalmannschaftskreis noch nicht gespielt habe. Wenn ich die Jungs treffe, setze ich mich lieber mit ihnen hin, trinke einen Kaffee und plaudere mit ihnen. Das macht mir mehr Spaß.

Sie gelten als Spieler, der sich abseits des Platzes wenig für Fußball interessiert und sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt. Könnten sie sich vorstellen, dass Sie, ähnlich wie Sebastian Deisler, von einem Tag auf den anderen, ihre Karriere beenden? Sie scheinen zu wissen, dass das Leben mehr als nur Fußball zu bieten hat.

Auf keinen Fall! Fußball ist mein Leben, wenn mir einer von heute auf morgen den Ball wegnehmen würde, würde ich durchdrehen. Ich will spielen, bis ich auseinander falle.

Und danach wechseln Sie auf die Trainerbank oder ins Management eines Vereins.

Dass ich nach meiner Spielerkarriere noch etwas mit Fußball am Hut haben möchte bezweifle ich. Trainer zu werden kann ich mir nicht vorstellen. Man ist für alles verantwortlich und muss Zeitungen lesen, Fußball schauen, sich ständig informieren. Das ist ja nicht so mein Ding.

Was dann?


Nach meiner Karriere möchte ich Diplom-Golflehrer werden. Das stelle ich mir ganz lustig vor. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Dazu kann sich nur anmelden, wer zumindest eine Spielvorgabe von 6,4 über Paar nachweisen kann. Diese Leistung muss auch unter Beweis gestellt werden: Während der drei Jahre auf dem Weg zum Golflehrer-Diplom muss jeder angehende Golflehrer einen so genannten Playing Ability Test bestehen, um überhaupt zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Dabei gilt es, in zwei aufeinander folgenden Runden maximal 12 über Par zu spielen.

Hört sich knifflig an. Und danach ins sonnige Ausland, eine eigene Golfakademie eröffnen?

Das wäre natürlich super. Im Moment könnte ich mir das sehr gut vorstellen. Aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist.

Zum Abschluss eine langweilige Frage, weil wir die Antwort schon kennen. Wie verläuft die Mainzer Rückrunde?

Das ist mir egal, so lange wir nach dem 34. Spieltag in München die Klasse gehalten haben, kann von mir aus geschehen, was will.


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