22.02.2007

Manuel Friedrich im Interview

„Ich werde durchhalten“

Für den Fall des Klassenerhalts hat Jürgen Klopp der Stadt Mainz eine Party versprochen, die sie noch nicht erlebt hat. Seinem Abwehrchef Manuel Friedrich gibt die Hoffnung auf diesen legendären Exzess Kraft für den Abstiegskampf.

Interview: Robert Mucha Bild: Imago


Wie schon zuvor gesagt, verlief das vergangene Jahr für Sie persönlich sehr positiv. Sie wurden zum Nationalspieler. Ist der berüchtigte Druck, von dem viele Spieler sprechen, für Sie merklich gestiegen?

Was sich wirklich verändert hat ist mein Bekanntheitsgrad. Das bemerke ich schon, wenn ich unterwegs bin. Jedoch hat niemand von Vereinsseite den Druck auf mich erhöht. Die wissen ja auch, dass ich durch ein paar Länderspiele nicht von einem Tag auf den anderen ein anderer Spieler geworden bin.

Dennoch baut sich großer sportlicher Alltagsstress auf. Was machen Sie zum Ausgleich, um zur Ruhe zu kommen?

Ich spiele seit fast vier Jahren sehr gerne Golf, wenn die Zeit es zulässt.

Wie oft stehen Sie auf dem Golfplatz?

Das ist von ein paar Faktoren abhängig. Zuerst einmal muss das Wetter passen. Wenn es regnet, bin ich nicht so gerne auf dem Golfplatz, und allein spiele ich auch ungern. Wenn das alles stimmt und keine englische Woche ansteht, versuche ich zweimal in der Woche Golf zu spielen.

Dann spazieren sie die 18 Löcher ab und lassen die Seele baumeln?


Meistens spiele ich nur neun Löcher, dass langt dann auch. Dann bin ich ungefähr zwei Stunden unterwegs, kann etwas abschalten und die Ruhe genießen.

Natürlich darf die Frage nach ihrem Handicap nicht fehlen.

Das hängt vom Platz ab. Auf einfacheren Plätzen liegt es ungefähr bei 15, sind die Platzverhältnisse anspruchsvoller, komme ich auf 20 Schläge über Paar.

Viele Ihrer Kollegen entspannen sich mittels Spielkonsolen.

Ich bin keiner, der stundenlang vor dem Bildschirm sitzt und spielt. Aber ich besitze eine Konsole, und ab und an benutze ich sie auch. Aber sehr unregelmäßig.

Spielen Sie auch so genannte Ego-Shooter?

Nein, hauptsächlich wird Fußball gespielt. Entweder kommen Freunde zu mir oder ich statte ihnen einen Besuch ab.

Manuel Friedrich wählt selbstverständlich immer Mainz 05 und steuert sich selbst.

Eigentlich mache ich das nicht. Aber natürlich wähle ich auch mal eine Mannschaft, in der ich im Kader stehe.

In der Nationalmannschaft gelten Poldi und Schweini als Konsolen-Könige. Haben Sie gegen einen der beiden schon eine vernichtende Niederlage erlitten?

Gegen die beiden habe ich noch nicht an der Konsole gezockt. Bei der Nationalmannschaft sind zwar immer Konsolen aufgebaut, die sind aber meist besetzt, so dass ich im Nationalmannschaftskreis noch nicht gespielt habe. Wenn ich die Jungs treffe, setze ich mich lieber mit ihnen hin, trinke einen Kaffee und plaudere mit ihnen. Das macht mir mehr Spaß.

Sie gelten als Spieler, der sich abseits des Platzes wenig für Fußball interessiert und sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt. Könnten sie sich vorstellen, dass Sie, ähnlich wie Sebastian Deisler, von einem Tag auf den anderen, ihre Karriere beenden? Sie scheinen zu wissen, dass das Leben mehr als nur Fußball zu bieten hat.

Auf keinen Fall! Fußball ist mein Leben, wenn mir einer von heute auf morgen den Ball wegnehmen würde, würde ich durchdrehen. Ich will spielen, bis ich auseinander falle.

Und danach wechseln Sie auf die Trainerbank oder ins Management eines Vereins.

Dass ich nach meiner Spielerkarriere noch etwas mit Fußball am Hut haben möchte bezweifle ich. Trainer zu werden kann ich mir nicht vorstellen. Man ist für alles verantwortlich und muss Zeitungen lesen, Fußball schauen, sich ständig informieren. Das ist ja nicht so mein Ding.

Was dann?


Nach meiner Karriere möchte ich Diplom-Golflehrer werden. Das stelle ich mir ganz lustig vor. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Dazu kann sich nur anmelden, wer zumindest eine Spielvorgabe von 6,4 über Paar nachweisen kann. Diese Leistung muss auch unter Beweis gestellt werden: Während der drei Jahre auf dem Weg zum Golflehrer-Diplom muss jeder angehende Golflehrer einen so genannten Playing Ability Test bestehen, um überhaupt zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Dabei gilt es, in zwei aufeinander folgenden Runden maximal 12 über Par zu spielen.

Hört sich knifflig an. Und danach ins sonnige Ausland, eine eigene Golfakademie eröffnen?

Das wäre natürlich super. Im Moment könnte ich mir das sehr gut vorstellen. Aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist.

Zum Abschluss eine langweilige Frage, weil wir die Antwort schon kennen. Wie verläuft die Mainzer Rückrunde?

Das ist mir egal, so lange wir nach dem 34. Spieltag in München die Klasse gehalten haben, kann von mir aus geschehen, was will.


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