25.01.2010

Manni Breuckmann über das Revierderby

»Es brodelte in mir«

Für viele ist er »die Stimme des Ruhrgebiets«, wohl keiner hat für den Hörfunk öfter das Revierderby moderiert als er: Manni Breuckmann. Im Interview spricht er über sein schönstes Derby, die Ultras und Farfans Schuhe.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago

In der jüngeren Vergangenheit stachen zwei Derbys hervor: Das 1:0 für Schalke durch ein Tor in der letzten Minute von Ebbe Sand 2004  und das 2:0 im Jahr 2007 für die Dortmunder, das Schalke die Meisterschaft verbaute. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Spiele?

2004 habe ich mit Sicherheit übertragen, aber bis auf den Paukenschlag in der letzten Minute nicht mehr so in Erinnerung. Aber an das Spiel aus dem Jahr 2007 kann ich mich noch sehr gut erinnern. Das fiel nicht nur wegen der Konstellation aus dem Rahmen, sondern weil es eine unglaubliche Gehässigkeit gab. Und diese mehr auf Seiten der Dortmunder. Schalke hatte ja die Phantasie, Meister zu werden und gleichzeitig Dortmund in die zweite Liga zu schießen. Dazu kam es nicht. Aber selbst nach dem Spiel hatten sich die Dortmunder immer noch nicht beruhigt. Das führte soweit, dass über dem Schalker Vorsitzenden Gerd Rehberg Bierbecher entleert wurden. Das war ein absoluter Hass, auch auf den besseren Plätzen.

Hatten Sie das in dieser Form bei vorherigen Derbys schon einmal erlebt?


Es fiel aus dem Rahmen. Zehn Jahre vorher hatte man sich in den Armen gelegen, als Schalke und Dortmund innerhalb von 14 Tagen beide Europapokalsieger wurden. Da wurde „Ruhrpott“ skandiert und es gab einen  Schulterschluss. Dieser Schulterschluss war mir schon fast zu viel. Es geht bei diesen Derbys immer darum, eine Balance zu finden zwischen Gehässigkeit und Rivalität. Wenn man es richtig ernst nimmt, wird es gefährlich. Einige aus der Ultra-Szene nehmen es als Aufhänger, gewalttätig zu werden.

1992 wurde ein Fan beim Derby erstochen, in den Achtzigern kam es zu Auseinandersetzungen. Ende der Neunziger entwickelten die Städte im Ruhrpott dann eine gemeinsame Identität und in den letzten Jahren verschärft sich die Rivalität wieder. Hängt diese Aufnahme des Derbys dann auch immer mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen?


Das in Beziehung zu setzen zu allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen geht mir in den meisten Fällen zu weit. Es hat zum Ende der Neunziger eine ziemlich hohe Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet gegeben. Da gab es auch ziemlich hohe soziale Konflikte und es hat sich nicht auf den Fußball übertragen. Ich habe jetzt im Jahr 2008 beim Derby Ultras gesehen, die mit Steinen auf einen Bus mit friedlichen anderen Fans geworfen haben. Das sind gewaltbereite Fans, da sehe ich keine Parallele zu dem, was sich in der Gesellschaft abspielt. Die Fanszene hat sich entwickelt hin zu diesen heterogenen Ultras, die sich erstrecken vom friedlichen Fan, der Choreografien macht, bis hin zum „schwarzen Block“. Da gilt es, die Öffentlichkeit aufzuklären, dass ein Ultra nicht gleich Hooligan ist.

Wird da aus Ihrer Sicht zu sehr pauschalisiert?


Absolut. Bei Hooligans wusste man immer: Die sind gewaltbereit. Allerdings hatte ich einmal ein Gespräch mit jemandem vom Fanprojekt des BVB; dort wurde mir erzählt, dass bei Dortmunds verpasster Meisterschaft 1992 die härtesten Hools am lautesten geheult hätten. Da gab es welche, die dem Fußball verbunden waren, aber trotzdem draufgehauen haben. Bei den Ultras muss man aufpassen, dass man nicht alle über einen Kamm schert. Diese ganze Entwicklung lässt sich gerade bei den Derbys immer ganz gut ablesen. Meine Wunschvorstellung ist wirklich, dass es eine gesunde Rivalität gibt. Man kann dem anderen ruhig das Schwarze unterm Fingernagel missgönnen, aber man sollte an einem Punkt Halt machen, an dem das Ganze in Gewalt ausartet.

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