12.10.2007

Manni Breuckmann im Interview

„Dollarzeichen in den Augen“

Die DFL gibt die Inlands-TV-Rechte ab 2009 zur Vermarktung an Leo Kirch. Viele Fans sind in Sorge: Müssen sie nun noch mehr zahlen? Ist die objektive Berichterstattung in Gefahr? Wir sprachen mit dem Journalisten Manni Breuckmann.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Breuckmann, was schoss Ihnen bei der Nachricht von dem neuen Vermarktungsmodell, für das Leo Kirch verantwortlich zeichnen soll, durch den Kopf?

Mein erster Gedanke war: Das ist eine Falschmeldung! Haben wir den ersten April? Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben, dass ausgerechnet Leo Kirch wieder ins Boot geholt wird.



War Kirchs Rückkehr wirklich so überraschend?

Ich bin kein Insider und habe auch kein Gerücht gehört. Das ging so rattenhaft schnell über die Bühne, das hat ja auch Wolfgang Holzhäuser (Mitglied des Aufsichtsrates der DFL, Anm der Red.) moniert und sich deswegen bei der Abstimmung enthalten.

Hat Kirch überhaupt das Vertrauen verdient, nachdem er vor fünf Jahren die ganze Sache schon einmal gegen die Wand gefahren hat?


Man sollte sich davor hüten, immer nur zu moralisieren. Aber wenn der Kirch da eine Insolvenz hinlegt und der Liga noch 350 Millionen Euro schuldig ist, dann weiß ich nicht, ob es irgend eine Zwangsläufigkeit gibt, die dazu führt, dass ausgerechnet der nun das Geschäft wieder machen soll. Er wird ja als Zwischenhändler tätig sein. Ich frage mich auch, warum die DFL das nicht selber kann. Offensichtlich haben sie die Dollarzeichen in den Augen gehabt. Sie verdienen ja jetzt deutlich über 500 Millionen inklusive der Auslandsvermarktung. Als sie diese Zahl im Vergleich zu den aktuellen 430 Millionen gehört haben, sind da wohl einige sofort drauf losgestürzt.

Die DFL hat bisher immer auf eine zeitnahe Berichterstattung im Free-TV gesetzt. Jetzt entscheidet ab 2009 ausschließlich der gebotene Preis. Wie kam es zu diesem Bewusstseinswandel?

Es zählen nur noch ökonomische Argumente, daran muss man sich gewöhnen. Andere Dinge sind nicht mehr relevant. Das Recht der Öffentlichkeit, zeitnah im Free-TV informiert zu werden, führt allenfalls noch ein paar Politiker auf den Plan. Es wird nur noch darum gehen, ob die Bundesligavereine Einbußen im Marketing haben. Premiere und alle anderen Pay-TV-Anbieter wünschen eine große zeitliche Distanz zwischen ihrer Darbietung und der Sportschau. Doch vielleicht fürchten die Bundesligavereine bei einer Sendezeit nach 22 Uhr zu sehr um Marketingeinkünfte.

Ligapräsident Rauball hat gesagt, für den deutschen Fußball sei diese neue Vermarktung ein großer Schritt in die Zukunft. Meint er das sportlich oder wirtschaftlich?

In erster Linie ist das eine wirtschaftliche Betrachtungsweise, die aber über das mehr zur Verfügung stehende Geld ins Sportliche umschlagen kann. Fakt ist, dass die Liga über die Fernseheinnahmen nicht so viel erlöst wie andere Ligen in Europa. Und wenn man nicht so viel Geld zur Verfügung hat, kann man auch nicht die teuren Stars kaufen.

Also bedeutet mehr Geld besseren Fußball?

Machen wir es doch mal an den Spitzenspielern fest: Hat die Bundesliga Ronaldinho? Hat die Bundesliga Messi? Kann sie die bezahlen? Nein, kann sie natürlich nicht. Und wenn sie viel Geld hat, um diese Leute zu bezahlen, dann wird es auch besseren Fußball geben. Also irgendwie hat das schon etwas mit Geld zu tun. Zwar nicht nur, aber es hängt damit zusammen.

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