19.12.2008

Manni Breuckmann blickt zurück

»Feierabend!«

36 Jahre lang kommentierte Manni Breuckmann die Fußball-Bundesliga. Doch nun ist Feierabend. Wir sprachen mit ihm über Bratwurst, Bier, einen ausrastenden Kaiser und sein Rentnerdasein auf Mallorca.

Interview: Alex Raack und Dominik Steinhoff Bild: imago

Wie war das ganz am Anfang Ihrer Karriere – sind Sie da die möglichen Spielszenen vorher in Gedanken durch gegangen? Ne. Ich habe mir immer eine Din A4-Seite ausgeschrieben, wenn ich die überhaupt voll bekommen habe. Da schreibt man sich auch während des Spiels die Torchancen auf, auch wenn das ziemlich nervig sein kann, wenn man alle Torraumszenen noch mal schildert, wenn man an der Reihe ist. Dann geht’s rein ins Spiel, wie ist der Verlauf bislang, wer ist stärker, wer ist schwächer. Es gibt ja nichts schlimmeres, als wenn 50.000 Menschen im Hintergrund aufschreien und er da am Mikro erzählt mir wat aus der 22. Minute! Ich muss am Ball bleiben, die Spielgeschehnisse schildern, das hat Vorrang.

Andere Zeiten, weniger Informationen.


Zur Weltmeisterschaft 1982 bin mit dem Kicker-Sonderheft gefahren, meine einzige Informationsquelle für das Turnier! Ich saß dann irgendwo in Galizien, Vigo und La Coruna. Es gab noch keine Mails oder so Scherze, noch nicht einmal Faxe konnte ich dort empfangen. Da musste ich aber dann plötzlich mal Peru gegen Italien kommentieren, 30 Minuten am Stück! Da drehste dann aber schnell am Rad und lernst die schöne Fähigkeit, aus Scheiße Gold zu machen, wenn es denn mal Gold war (lacht). Es hat sich also schon viel geändert, im Gegensatz zu früher.

Noch einmal zurück zu Ihrer Zeit in Marburg: Haben Sie an der Lahn auch selber aktiv Fußball gespielt? Heute gibt es hier die famose Bunte Liga mit mehr als 500 Bolzern…


Ich habe mal mitgespielt bei…, wie heißt das noch…, so ein lateinischer Name…

Sport-Dies?


Genau! Da habe ich mal mitgespielt in einer Mannschaft, die nannten sich »Die blutjungen Verführer«. Wir sind allerdings ziemlich früh ausgeschieden. Ansonsten war ich als begeisterter, wenn auch nicht begnadeter Spieler beim Hobby-Fußball zu Gange. Fünf gegen fünf auf kleine Tore auf den Lahnwiesen.

Ihr Wohnort soll auch eng mit der Anekdote um zwei Kühe verbunden gewesen sein…

Ach, ich habe in Ockershausen gewohnt, bei der Witwe Muth, ein ehemaliger Bauernhof, und aus dem Fenster konnte ich auf den weiterhin existierenden Misthaufen gucken. Einer Bekannten habe ich immer erzählt, ich müsste jeden Morgen die Kühe melken und dürfte deswegen für 50 Mark Miete wohnen. Das hat die auch voll geglaubt. Es gibt leichtgläubige Menschen. Allerdings: es kostete auch wirklich nur 50 D-Mark. Dafür stand weder eine Dusche, noch fließend warmes Wasser zur Verfügung. Warmwasser musste mit einem Tauchsieder erschaffen werden (lacht), letztlich war es grausam, aber damals war ich offenbar noch bescheiden.

In einem Gespräch mit dem WDR verriet ein alter Marburger Bekannter von Ihnen jüngst die Geschichte, wie Sie mit dem Mützen-Klau eines Verbindungsstudenten eine schöne Kneipenschlägerei provoziert hätten…

Das habe ich in meinem Buch geschrieben. Ist so aber nie passiert.

Schade.


Hätte ich aber gerne, is ja klar (lacht).

Obwohl Sie Jura studierten und sich ein Großteil der Rechtswissenschaften schon damals dem klassischen Klischee des Jura-Studenten unterworfen hatte?

Das Klima war damals sowieso anders. Der durchschnittliche Student war mindestens sozialliberal, schon eher links angehaucht. Nur bei den Juristen, den Medizinern und Volkswirten herrschte auch schon damals ein mehr konservatives Milieu vor. Ein paar Jungs sind gerne mal mit der Krawatte zur Vorlesung erschienen. Ich hatte nichts mit denen zu tun und war ganz klar auf der linken Seite. Bin ich immer noch.

Wie kommt man eigentlich als Jura-Student zum Fußball und zum Radio?

An irgendeinem Sonntag-Nachmittag 1970 gab es im WDR2 einen Aufruf, die suchten Nachwuchsreporter. Also habe ich mich beworben und bin eingeladen worden zu Probereportagen. Ich musste auf Band sprechen und der große Kurt Brumme hat sich das Ganze angehört. Und das musste so drei-, viermal machen, dann hatte ich mich zusammen mit zwei anderen gegen ungefähr hundert Mitbewerber durchgesetzt. Drei Reporter wurden letztlich ins Rennen geschickt und ich habe am Ende überlebt.

Mit der ersten Live-Reportage vom Regionalligaspiel Wattenscheid gegen Neuss als Höhepunkt…

Ganz genau. Vorher musste ich über zwei Jahre verteilt noch zwei Probereportagen machen, ehe ich auf den Sender gelassen wurde.

60 Zigaretten sollen Sie bei diesem ersten Auftritt gebraucht haben. 

Ja, da war ich noch voll drauf mit dem Rauchen.

Nicht die beste Pflege für Ihr Werkzeug, die Stimme. 


Ne, ich hatte Glück, es hat mir nicht geschadet. Manchmal ist sie mir aber auch weg geblieben. Das war ein Spiel von Fortuna Köln und plötzlich sackte mir die Stimme weg und war hinterher in den etwas lauteren Lagen nur noch piepsig. Bitter. Bei einem Tor kannst du nur still dasitzen und leise sagen: Tor. Mehr nicht. (lacht)

Was ist denn das schönste Gefühl bei einer Live-Reportage? Schon der Tooooor-Schrei, oder? 

Das Beste ist, wenn´s dramatisch wird und man live bei einem wichtigen oder sogar entscheidenden Tor dabei ist. Das ist das Beste. Wenn mir ein guter Satz zu einer bestimmten Situation einfällt, ist das schön, aber das Größte ist es tatsächlich, wenn man gerade drauf ist und das Tor fällt, man den Kollegen nicht unterbrechen muss. Außerdem sollte man die Szene, die zum Tor führt, auch klar sehen können und nicht irgendein Ding aus dem Gewühl heraus erahnen müssen.

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