19.12.2008

Manni Breuckmann blickt zurück

»Feierabend!«

36 Jahre lang kommentierte Manni Breuckmann die Fußball-Bundesliga. Doch nun ist Feierabend. Wir sprachen mit ihm über Bratwurst, Bier, einen ausrastenden Kaiser und sein Rentnerdasein auf Mallorca.

Interview: Alex Raack und Dominik Steinhoff Bild: imago

Muss man ihn noch vorstellen? Manni Breuckmann, 57, Rundfunklegende, die »Stimme des Westens«. Mehr als 30 Jahren begleitete sein markantes Organ die Fußballspiele der Bundesliga. Am letzten Spieltag der Hinrunde beendete er seine Karriere. Grund genug mit Ihm zu sprechen. Ein Anruf, Manni wartet auf seine Möbelpacker. Die lassen auf sich warten. Zum Glück. Jetzt hat er Zeit für Fragen.



Manni Breuckmann, stellen Sie sich vor, Sie hätten die freie Auswahl: Welches Spiel der Fußball-Geschichte würden Sie gerne noch einmal kommentieren?


Ich würde ein anderes Ergebnis auf einem anderen Platz kommentieren. Das wäre dann Schalke gegen Unterhaching 2001. Dann müsste gleichzeitig der HSV gegen Bayern München verlieren. Das würde ich brennend gerne noch einmal kommentieren.

Dieser letzte Spieltag, die Schalker Beinahe-Meisterschaft, hat sich dann doch in Ihr emotionales Gedächtnis eingebrannt…


Das ist ein Spiel gewesen, das mich doch überdurchschnittlich bewegt hat, normalerweise sehe ich solche Dinge eher cool und da muss schon viel passieren, bis mich etwas anfrisst. Gleiches gilt für 2007, als Schalke in Dortmund verloren hat und damit die Meisterschaft vergeigt hat. Das war auch nicht so schön.

Sind Sie Schalke-Fan, ohne fanatisch zu sein?
Auf jeden Fall ist eine Sympathie da. Wenn man nach mehr als drei Jahrzehnten Kommentierung noch fanatisch ist, dann muss irgendwie was schief gelaufen sein. Es ist eine Sympathie, die man aber eigentlich noch ausweiten kann: Ich habe eine generelle Sympathie für Vereine aus dem Ruhrgebiet. Da komm´ ich her, da bin ich verwurzelt.

Sie wohnen in Düsseldorf. Zählt die Fortuna da nicht auch zu Ihrem Favoritenkreis?


Nicht wirklich. Die haben sportlich und in der Vereinsführung so viel versaubeutelt. Ich wohne seit 1975 in Düsseldorf, eine enge emotionale Bindung zum Verein habe ich noch nicht feststellen können.

Aber zum VfB Marburg werden Sie doch noch eine gewisse Verbindung aufweisen können. Schließlich haben Sie von 1971-75 in Marburg Rechtswissenschaften studiert.

Auch nicht. Die hießen damals aber auch anders: VfL Marburg. Und die Sportfreunde gab es auch noch. Ich wohnte zu meiner Studentenzeit nur 300 Meter Luftlinie vom Großsportfeld entfernt, war quasi in Reichweite. Wie heißt das eigentlich jetzt?

Georg-Gassmann-Stadion, nach dem ehemaligen Bürgermeister.


Großsportfeld war auch ein ziemlich sperriger Name.

Ist der Gedanke nicht erschreckend, dass die eigene Stimme ein Fußballspiel in Millionen Wohnzimmer und Autoradios transportiert?


Ne. Das war vielleicht am Anfang so, ist aber lange lange nicht mehr der Fall. Diese Vorstellung habe ich nicht. Was ich merke: Wenn ich schlechtere und bessere Tage habe. Dann fehlt es an Formulierungskraft. Aber das ich mich erschrecke, dass meine Stimme aus Millionen Radios kommt? Nein, das nicht mehr.

Verraten Sie es uns: Was benötigt ein erfolgreicher Radiokommentator?


Er muss zunächst mal eine gute Auffassungsgabe haben, er muss relativ schnell reagieren können und in der Lage sein das, was er sieht, in Sprache umsetzen zu können. Ein gewisser Originalitätsgrad ist notwendig, er sollte nicht diese Standard-Floskeln absondern. Und er sollte sich trauen, auch drastische Urteile abzugeben, ohne dabei beleidigend zu sein. Aber er muss seine Meinung sagen zu dem Spiel, bloß nicht so angepasst reden und denken. Natürlich sollte ein erfolgreicher Kommentator, oder einer, der es werden will, eine gewisse Dynamik in der Stimme mitbringen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden