09.03.2010

Manfred Manglitz wird 70

»Butt hat mich kopiert«

Seine Aussagen brachten den Bundesligaskandal in den 70er Jahren ins Rollen, er war der erste Torwart der Bundesliga, dem ein Tor gelang, und er war ein »Lautsprecher« der Liga: Manfred Manglitz. Heute wird er 70. Ein Interview.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago

Herr Manglitz, heute werden Sie 70. Wie feiern Sie?

Ich feier im kleinen Kreis mit meiner Familie. Wir leben in Spanien, und es ist unglaublich schwer, hier an einem Montagabend einen Tisch im Restaurant zu bekommen. Aber wir werden das schon hinkriegen, und es wird eine schöne Feier.



Haben Sie nicht noch selbst ein Lokal in Spanien?

Nein, das ist nicht mehr so. Ich habe sehr viel hier gemacht, war Tennislehrer usw. Aber jetzt gönne ich mir ein bisschen Ruhe.

Wenn Sie auf Ihre Fußballkarriere zurückblicken, kommt Ihnen da ein besonderer Moment in den Kopf?

Mein erstes Länderspiel 1965. Ich wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt, weil Hans Tilkowski sich verletzt hatte. Da wurde ich noch ad hoc von Dettmar Cramer warm geschossen. Da auf dem Platz zu stehen, das war schon ein schönes Erlebnis.

Insgesamt kamen Sie jedoch nur auf vier Länderspiele. Woran lag es?

Ich war immer jemand, der frank und frei seine Meinung gesagt hat. Immer ehrlich, aber auch an Stellen, an denen andere den Mund gehalten haben. Meine Art hat einigen nicht gepasst. Helmut Schön, der damalige Bundestrainer, war ein Sachse und ich ein waschechter Kölner – das konnte nicht gut gehen.

Bereuen Sie denn, manchmal so nach vorne geprescht zu sein?

Nein, ich habe nie gelogen und mir nichts vorzuwerfen. Andere haben sich zurückgehalten, in Köln nennen wir diese Leute »Radfahrer«. Klar, die haben 20 Länderspiele gemacht. Doch ich kann in den Spiegel schauen und bin glücklich mit meiner Karriere.

Aufgrund Ihrer selbstbewussten Art hat man Ihnen schnell den Spitznamen »Cassius« verpasst in Anlehnung an Mohamed Ali alias Cassius Clay. Wann war das?

Kurz nachdem ich nach Duisburg gewechselt bin. Als Rheinländer im beschaulichen Duisburg fällt man mit einer großen Klappe nun einmal auf. In Duisburg waren sie alle bodenständig, die Jungs gingen noch auf die Hütte: Von 6 bis um 15 Uhr, danach war Training. Da kam ich mit meiner lustigen Art um die Ecke, also war schnell der Spitzname geboren.

Können Sie gut mit dem Spitznamen leben?

Ja, ich hatte damit keine Probleme. Viele große Spieler aus der damaligen Zeit haben Spitznamen verpasst bekommen: »Bomber« Müller, »Kaiser« Franz, »Ente« Lippens; das gehörte einfach dazu. Und wenn ich irgendwo in Deutschland ins Stadion kam, riefen die Leute halt »Cassius«. Da war ich schon stolz drauf.

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