Manfred Feldmüller über den wundersamen SV Alsenborn

»Männer, wollt ihr aufsteigen?«

Manfred Feldmüller, Sie sind 1964 aus der Bundesliga vom 1. FC Kaiserlautern in die Regionalliga zum kleinen SV Alsenborn gewechselt. Warum?
Das ist eine etwas verworrene Geschichte. Ich spielte in der Jugend beim 1. FC Kaiserslautern im Tor und stand sogar in der Südwestauswahl. Die ersten Spiele bei den Senioren liefen nicht so erfolgreich und weil wir im Training stets vier Torleute waren, mussten einige im Feld spielen. So verließ ich das Tor und wechselte in den Sturm. Da bin ich auch geblieben. Ich hab sowohl im Tor als auch im Sturm in der Südwestauswahl gespielt. Das ist einmalig.

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Einmalig ist auch, dass Sie Ihren Profi-Vertrag beim 1. FCK 1964 zurückgegeben haben.
Das stimmt. Ich wurde damals sogar für 18 Monate gesperrt.

Warum sind Sie denn überhaupt gewechselt?

Ach, das lag an meinem Mitspieler Co Prins.

Jacobus »Co« Prins, der erste niederländische Profi in der Bundesliga, den alle in der Pfalz wegen seiner Lässigkeit mit den heruntergelassenen Stutzen bewunderten? Selbst der aus Lautern stammende TV-Kommentator Marcel Reif schwärmt davon in seiner Autobiografie.
Ja, aber auf dem Platz war das ein sehr autoritärer Knochen. Das mochte ich mir nicht mehr antun.

Was reizte Sie damals an Alsenborn?
Das war natürlich ein Name: Fritz Walter.

Nicht das Geld?
Da war gar nicht so viel mit Geld. Das mag man heute nicht glauben. Aber der Name Fritz Walter, der zog natürlich unwahrscheinlich. Und dann gab es dort die berufliche Perspektive. Ich hab mich später zum Bauingenieur weitergebildet.

Es war so etwas wie die Alsenborner Schule – Beruf und Fußball. Manche unkten gar, das Team wolle deshalb gar nicht in die Bundesliga aufsteigen.
Ja, das Gerücht gab es. Aber da war nichts dran. Beim ersten misslungenen Versuch in die Bundesliga aufzusteigen, 1968, wurde unser Torhüter Manfred Krei Vater. Der war unbekannt nervös damals. Und beim zweiten Mal, 1970, verhinderte fast eine Abstimmung unseren Aufstieg.

Eine Abstimmung?
Trainer Heiner Überle hatte in der Teamsitzung die Frage gestellt: »Männer, wollt ihr eigentlich aufsteigen?« Dann hat er Zettel ausgegeben. Und bis auf einen stimmten alle mit »Ja«.

Woran hat es in Alsenborn dann letztlich gefehlt für den ganz großen Sprung?
Wenn Sie mich so fragen – und das soll man jetzt nicht falsch verstehen – auch ein wenig an den Trainern. Wir hatten in all den Jahren keinen Coach, der uns wirklich bis an die Grenzen geführt hätte. Jenseits der Trainingslager haben wir ja bis zum Schluss nur zweimal in der Woche trainiert: dienstags und donnerstags.

Dafür ist das Team weitgekommen, manche sehen gar einen Vorläufer zum TSG Hoffenheim. Ist das Wunder von Alsenborn wiederholbar?
Alsenborn heute, das geht nicht. In Hoffenheim steht ja das Geld im Mittelpunkt, die holen Spieler, die schon fertig sind. In Alsenborn wurden stets Talente getestet. Der Klub hatte zwar einen Mäzen, Bauunternehmer Hannes Ruth, aber da war nicht viel mit Geld. Der Klub hat sich mit seiner geschickten Transferpolitik ja erst die eigene finanzielle Basis geschaffen.

Und woran ist er gescheitert?
Das Modell Alsenborn hätte nur in der Ersten Bundesliga funktioniert. Mit dem Spielort Ludwigshafen und den Zuschauern der Rhein-Neckar-Region. Pläne dazu gab es ja.

1974 verpasste der SV Alsenborn allerdings auch den Sprung in die zweite Liga.
Ganz ehrlich, der Klub kann froh sein, dass das damals nicht geklappt hat. Der Verein würde heute in dieser Art nicht mehr existieren.

Verfolgen Sie das Geschehen noch?
Ich war jetzt fünf Jahre beruflich in China, erst seit April 2010 bin ich wieder zurück, trainiere sogar wieder einen Verein, den TuS Landstuhl in der Kreisliga. Und sonntagabends ja, dann schaut man schon ein,al, wie der SV Alsenborn gespielt hat.


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Manfred »Maus« Feldmüller, 70, spielte von  1965 bis 1970 für den SV Alsenborn. Er startete seine Karriere in der Jugend des 1. FC Kaiserslautern als Torwart und brachte es auf dieser Position bis in die Südwestauswahl. Erst beim Übergang zu den Senioren wurde »Maus« Mittelstürmer. Auch als Feldspieler wurde in die Südwestauswahl berufen.

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