15.03.2011

Manfred Bockenfeld über Werder-Wunder

»Rehhagel tanzte schon«

Manfred Bockenfeld spielte fünf Jahre bei Werder Bremen und gewann neben Meisterschaft und Pokal auch den Europapokal der Pokalsieger. Diese triumphale Reise durch Europa endete schließlich mit einer Siegerzigarre auf Klaus Allofs` Balkon.

Interview: Christoph Zimmer Bild: imago
Manfred Bockenfeld über Werder-Wunder

Manni Bockenfeld, beinahe wären die Flutlichtmasten im Bremer Weserstadion den Umbauplänen zum Opfer gefallen. Wie viel Europapokal-Tradition hätte der SVW damit eingebüßt?

Die Tradition beruht ja in erster Linie auf dem Verein. Aber natürlich spielt und spielte das Weserstadion im Europapokal immer eine besondere Rolle. Die sogenannte „Werder-Stimmung“ kommt immer nur bei diesen Flutlichtspielen auf. Aber nichtsdestotrotz hätten sie in Zukunft ja auch nicht im Dunkeln gespielt.

In Ihrem ersten Bremer Jahr spielten Sie international im Europapokal der Landesmeister. Wie hat Otto Rehhagel Sie auf solche Partien vorbereitet?

Europapokal war zu meiner Zeit immer der Mittwochabend. Die eigentliche Vorbereitungsphase begann praktisch nach dem letzten Bundesligaspiel. Wir haben uns dann meist am Montagmorgen im Parkhotel getroffen und eine Videoanalyse von den letzten Spielen des jeweiligen Gegners gemacht.

Haben sich die Rehhagelschen Ausführungen von denen gegen Bayer Uerdingen und FC Homburg, gegen die es in der Bundesliga ging, unterschieden?

Die Spielvorbereitung war mit Ausnahme der Videoanalyse praktisch gleich. Man hat sich damals, und ich hoffe es ist heute auch noch so, immer nur mit dem nächsten Gegner beschäftigt.

Und wie intensiv?

Man wusste, wann sich der Gegner die Zähne putzt und wann er sein Bierchen trinkt. Das ist heute natürlich noch extremer als damals. Der Europapokal ist etwas Besonderes. Die Vorbereitungsphase auf die Partien lief aber grundsätzlich gleich akribisch ab. Motivieren musste uns der Otto gar nicht mehr - wer sich für ein Europapokalspiel motivieren muss, der hat den Beruf verfehlt!

Gegen den SSC Neapel ging es auch gegen Diego Maradona in seinen mutmaßlich besten Jahren. Gab es schlaflose Nächte vor dem Aufeinandertreffen?

(energisch) Nein!

Hat Otto Rehhagel gegen so einen herausragenden Könner besondere Maßnahmen ergriffen?

Auf solche individuellen Stärken musste man selbstverständlich reagieren. Wir haben quasi alle gegen ihn gespielt - wo er gerade rumgelaufen ist. Spieler dieser Extraklasse lassen sich niemals von einem einzelnen Spieler ausschalten. Von daher war so etwas immer eine Gemeinschaftsaufgabe.

Standen Sie Maradona ehrfürchtig oder routiniert gegenüber?

Routine war es mit Sicherheit nicht. Aber als die Partie lief, war er wie jeder andere Spieler auch. Man wollte den Zweikampf immer gewinnen - ob der Gegenüber Maradona oder Fritzchen Müller hieß.

Wem wurden Spieler wie Maradona anvertraut?

Maradona hat gegen Mirko Votava gespielt. In Barcelona hatte es Hristo Stoichkov mit Uli Borowka zu tun. Solche Spieler sind aber so stark, dass man auch als Mannschaft stark sein muss.

Die große Stärke des SV Werder.

Richtig. In diesen Situationen muss der eine dem anderen helfen. Und das hat uns damals, heute ist es ja zum Teil auch noch so, immer ausgezeichnet, dass die Mannschaft füreinander da ist. Wir sind damals nicht Meister geworden weil wir die besten Einzelspieler hatten, sondern weil wir die beste Mannschaft hatten.

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