09.01.2009

Mando Diao über Staubsauger, Drogen und Roxette

»Wir sind wie Manchester City«

Von Gustaf Norén und Samuel Giers, Sänger und Bassist der schwedischen Erfolgsband Mando Diao, heißt es, sie seien Fußballfans. Und tatsächlich, sie sind es. Ein Gespräch über Staubsaugervertreter, Drogen und Roxette.

Interview: Benjamin Apitius und Andreas Bock Bild: Erik Weiss
Mando Diao über Staubsauger, Drogen und Roxette
Was ist Euch lieber: Ein langweiliger 1:0-Sieg oder ein hochdramatisches 4:4?

Gustaf Norén: Brage braucht jeden Punkt, also ist mir jeder langweilige Sieg recht. (lacht)

Samuel Giers: Es gibt auch dramatische 1:0-Siege, wenn ich mich nur an die letzte Weltmeisterschaft erinnere. Ich wäre beim Spiel Paraguay gegen Schweden beinahe gestorben. Da sitzt du in diesem tollen Stadion mit all den Schweden – und nichts passiert. Und plötzlich fällt dann doch noch dieses Tor. Wahnsinn! Es war eines der größten Erlebnisse, an das ich mich beim Fußball erinnere.

Gustaf Norén: Das Spiel, an das ich mich am eindrücklichsten erinnere, ist das letzte Länderspiel von Tomas Brolin. Er schlug eine brillante Flanke auf Martin Dahlin, der den Ball mit dem Kopf ins Tor wuchtete. Die Spieler jubelten und stürzten sich auf den Torschützen, nur Brolin lag an der Außenlinie und schrie vor Schmerzen, er hatte sich bei der Flanke seinen Knöchel gebrochen. Es war seine letzte Aktion, dieser Pass, genau auf Dahlins Kopf. Er kam nach dieser Verletzung nie wieder zurück.

Tomas Brolin hat nun ein Restaurant in Schweden.

Gustaf Norén: Kurze Zeit war er auch einmal Staubsaugervertreter. (lacht) Seitdem er jetzt das Restaurant hat, ist er sehr, sehr dick geworden.

Aber trinken tut er nicht?

Gustaf Norén: Nein, er stand aber schon einmal mit einem Bein im Gefängnis, als er Probleme mit dem Finanzamt hatte.

Ist Brolin so etwas wie der George Best von Schweden?

Samuel Giers: Nein, nein, nein. (lacht) Du kannst Engländer niemals mit Schweden vergleichen. Schweden sind so freundlich. (schmunzelt) Bei uns nimmt niemand Drogen.

Gustaf Norén: Aber gibt es so einen Typen wie George Best nicht auch in Schweden, Samuel? (überlegt) Zlatan Ibrahimovic trinkt nicht einen Tropfen Alkohol.

Die Leute in Schweden lieben Ibrahimovic?

Samuel Giers: Oder sie hassen ihn. (lacht)

Gustaf Norén: Er ist eine Figur wie Maradona. Die Kinder lieben Zlatan, die Traditionalisten stehen vielleicht eher auf die schwedischen Verteidiger, die richtig zur Sache gehen. Mourinho sagte einmal über Zlatan, er könne nicht nur die schönen Tore schießen, er müsse auch die hässlichen machen. 

Samuel Giers: Er will alles schön machen, das ist genau sein Problem. In der Nationalmannschaft hat er nicht diese Weltklasse-Spieler um sich wie bei Inter, da geht es nicht nur schön.

Die Eltern von Ibrahimovic stammen aus Bosnien und Herzegowina. Gab es in Schweden jemals Diskussionen darüber, dass er kein »richtiger Schwede« sei – so wie es sie in Deutschland um die Herkunft von Lukas Podolski gab?

Gustaf Norén: Jeder zehnte Kommentar unter Ibrahimovics Toren bei Youtube ist: »He is not really swedish.«

Samuel Giers: Das ist wirklich dumm von den Leuten. Er wurde in Schweden geboren, also ist er auch schwedisch. Es gibt doch ganz klare Vorschriften und Gesetze.

Gustaf Norén: Die Leute haben Angst vor ihm. Die größte schwedische Tageszeitung schaltete einmal eine riesengroße Kontaktanzeige, von wegen Zlatan suche eine Beziehung. Seitdem lehnt er alle Anfragen dieser Zeitung ab, in Presskonferenzen ignoriert er die Redakteure dieses Blattes konsequent.

Könntet Ihr Euch vorstellen, mit Zlatan Ibrahimovic abends in eine Bar zu gehen?

Gustaf Norén: Zlatan trinkt nicht einen Schluck Alkohol. Ich habe gehört, Henrik Larsson sei ein richtiger Partylöwe, also würde ich natürlich mit dem gehen! (lacht)

Wisst Ihr von Spielern, die Eure Musik hören?

Gustaf Norén: Der einzige bekennende Fan ist – und das ist sehr cool – Hans Backe, der Co-Trainer von Sven-Göran Erkisson.

Samuel Giers: Als die beiden bei Manchester City anfingen, gab es ein großes Interview mit Hans Backe in einer Londoner Zeitung. Er sagte in dem Gespräch, er sei ein großer Verehrer unserer Musik…

Gustaf Norén: …und dass er versuchen würde, die ganze Mannschaft mit unserer Musik anzufreunden. (lacht) Für mich war das eine große Sache!

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