Mainz' Manager vor dem Spiel gegen den FC Bayern

Christian Heidel: »Thomas hat Ecken und Kanten«

Mainz' Manager vor dem Spiel gegen den FC BayernImago

Christian Heidel, mit nur vier Punkten aus fünf Spielen rangiert der FSV Mainz 05 in der fiktiven Rückrundentabelle auf Platz 15. Es gibt Leute, die sehen Ihre Mannschaft in einer Minikrise?

Christian Heidel: Das ist eine absolute Momentaufnahme. Und man muss sehen, wie sie zustande kommt. In der Rückrunde war von zehn Halbzeiten nur eine wirklich schlechte dabei, nämlich die am vergangenen Wochenende in Köln. Da verliert die Mannschaft mal 2:4 und schon wird von einem Debakel gesprochen. Aber was ist passiert? Wir sind Mainz 05, man darf uns nicht immer an den sieben Siegen zum Start messen. Es steht der Mannschaft zu, auch mal zu verlieren.

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Die Ausgangslage vor dem Spiel gegen den FC Bayern ist eine andere als beim 2:1-Erfolg in der Hinrunde. Ihr Team reiste damals als Tabellenführer mit fünf Siegen in Folge nach München.


Christian Heidel: Ich finde, es hat sich nicht viel geändert. Es tritt wieder der David gegen den Goliath an. Und der David hat seit dem Aufstieg immerhin zweimal den Goliath geschlagen.

Mainz kann mit einem neuerlichen Sieg an Bayern vorbeiziehen. Welche Bedeutung hätte das für Sie?

Christian Heidel: Überhaupt keine.

Und wenn sich Mainz 05 am Ende der Saison tatsächlich für die Europa-League qualifizieren sollte?

Christian Heidel: Dann ist es halt so. Aber das Thema spielt in unserer Planung absolut keine Rolle. Die Qualifikation für die Europa-League wäre gut für das Image und eine Auszeichnung. In wirtschaftlicher Hinsicht werden die Möglichkeiten einer  Europa-League-Teilnahme aber total überschätzt. Wenn es blöd läuft, kassiert man 250.000 Euro und das war’s dann.

Der Umzug ins neue Stadion, der im Sommer ansteht, dürfte deutlich mehr Geld bringen.

Christian Heidel: Wir werden dann wohl in der Lage sein, unseren Etat um zehn Millionen Euro zu erhöhen. Wir zählen dann immer noch zu den kleinen Klubs in der Bundesliga.

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Haben Sie keine Angst, durch den Umzug könnte auf der emotionalen Ebene etwas verloren gehen?

Christian Heidel: Nein. Alle lieben zwar diese kuriose Blechdose Bruchwegstadion. Aber die neue Coface-Arena entstand in enger Zusammenarbeit mit den Fans und ist zu 100 Prozent auf Fußball ausgelegt. Ich bin mir sicher, dass die Leute das neue Stadion annehmen werden. Bereits knapp 25.000 verkaufte Dauerkarten unterstreichen das.

Wie lautet das mittelfristige Ziel in sportlicher Hinsicht?

Christian Heidel: Sich in der Bundesliga zu etablieren. Mit unseren Möglichkeiten, können wir nicht den Anspruch haben, oben mitzuspielen. Ich habe immer gesagt, dass wir eines auf keinen Fall tun dürfen: nämlich kurzfristig zu denken und dem schnellen Erfolg alles unterzuordnen. Das wäre das Ende. Schauen Sie sich den SSV Ulm an. Der Klub ist in kurzer Zeit nach oben geschossen, spielt heute in der Regionalliga und hat wieder mal finanzielle Probleme. Ich bin jetzt seit 20 Jahren im Verein. Ziel war es immer, den Klub in jeder Saison um fünf Prozent nach oben zu bringen.

Wie viel Luft nach oben sehen Sie denn noch?

Christian Heidel: (Lacht) Eine Steigerung wird schwierig werden.

Der FSV Mainz ist immer noch ein ganz normaler eingetragener Verein ohne ausgegliederte Profiabteilung, was im modernen Fußball-Geschäft sehr ungewöhnlich ist.


Christian Heidel: Mir hat noch keiner erklären können, was uns die Ausgliederung für Vorteile bringen würde. In Mainz zählt ein Verein noch etwas. Wir wollen die Nähe zu den Leuten und den Fans nicht verlieren. Der Vorteil bei Mainz 05 ist auch: bei uns müssen keine 24 Gremien etwas abnicken, wir sind in der Lage sehr kurzfristig Entscheidungen zu treffen.

Zum Beispiel fünf Tage vor dem Saisonstart den bisherigen Trainer Jörn Andersen zu entlassen und A-Jugendtrainer Thomas Tuchel zum Chefcoach zu befördern.

Christian Heidel: Zum Beispiel. Das geht nur, wenn im Vorstand großes gegenseitiges Vertrauen herrscht. Ich habe Thomas ein Jahr lang sehr genau beobachtet, wie er arbeitet, wie er mit den Spielern umgeht. Und ich habe sehr früh gemerkt, dass er ein Trainer ist, der so arbeitet, wie wir im Verein uns das vorstellen. Das war keine 50:50 Entscheidung, ich war zu 100 Prozent von Thomas überzeugt. Es gibt Ähnlichkeiten zu Jürgen Klopp. Beide sind absolut authentisch und haben Ecken und Kanten, was auch mal zu Dissonanzen mit den Medien führen kann. Und beide sind absolut fußballverrückt.

Anders als Jürgen Klopp, steht Thomas Tuchel nicht gerne im medialen Rampenlicht.


Christian Heidel: Beide machen einen super Job. Nur das zählt.

Müssen Sie nicht Angst haben, dass Ihnen zahlungskräftigere Klubs Thomas Tuchel wegschnappen?

Christian Heidel: Ich glaube, ich kann den Menschen Thomas Tuchel ganz gut einschätzen. Er weiß, was er an uns hat. Thomas kann sich bei uns optimal entwickeln, wir geben ihm alle Freiheiten. Ich denke, das weiß er zu schätzen. Und Thomas ist alles andere als ein Profilneurotiker, der könnte auch wieder eine A-Jugend trainieren und glücklich sein

Hätte Jürgen Klopp zum FC Bayern München gepasst? Uli Hoeneß hat ja unlängst ausgeplaudert, dass er Klopp von Mainz nach München lotsen wollte.

Christian Heidel: Es ist wohl überspitzt, wenn gesagt wird, man sei sich schon einig gewesen. Ganz so weit war das nicht. Kloppo ist mein Freund. Ich war mehr in die Gespräche involviert, als manche vielleicht denken. Uli Hoeneß hat angerufen. Aber am Ende haben sich die Bayern noch nicht getraut, Kloppo zu engagieren.

Weil er unrasiert ist und an der Seitenlinie wie ein Wilder herumhüpft?

Christian Heidel: Keine Ahnung. Jürgen Klopp wird immer ein sehr emotionaler Typ bleiben und das ist gut so. Hätte man beim FC Bayern München versucht, ihn zu verbiegen, dann wäre es nicht gut gegangen. Aber das hätte die Bayern-Führung schon gemerkt.

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