04.01.2013

Madness-Sänger Suggs über Chelsea, singende Fußballer und das Finale Dahoam

»Marko Marin? Nie gehört!«

»Suggs« McPherson ist Sänger der Ska-Band Madness und glühender Anhänger des FC Chelsea. Wir sprachen mit ihm über die philosophische Bedeutung von Gianluca Vialli, eine Beinahe-Schlägerei mit Roman Abramowitsch und schmutzige Witze von Dennis Wise

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Haben Sie heute noch Kontakt zu den alten Hooligan-Freunden?
Die heutige Stimmung im Stadion macht mich einfach traurig. Deswegen schaue ich trotz Jahreskarte mittlerweile viele Spiele im Pub. Am Tresen trifft man einige Jungs von damals wieder. Manche haben sich nicht verändert.

Die Headhunters sind heute noch aktiv?
Quatsch! Die meisten sind zahm. Aber als wir etwa 2012 den FC Barcelona zu Gast hatten, kamen plötzlich zwanzig Anzugträger die Straße vor unserem Pub runter. Ein Kumpel rief: »Barca-Snobs! Denen zeigen wir es!« Also sind alle raus, die Pints im Anschlag. Die Pinguine kamen näher und wir sahen 19 Typen mit beeindruckendem Kreuz. In ihrer Mitte stand Roman Abramowitsch. Er wollte wohl spazieren gehen.

Wie haben Sie reagiert?
Wir haben ihm natürlich freundlich zugewunken.


Dabei sehen nicht wenige Abramowitsch als Auslöser für viele negative Entwicklungen des modernen Fußballs.
Es ist eine schwierige Sache, aber für den FC Chelsea war er ein Segen. Er hat den Klub mit seinem Geld aus dem Dreck geholt. Wir sangen: »We are fucking loaded« (Wir sind stinkreich Anm. d. Red.) und wedelten mit Pfundnoten, weil wir alle so stolz waren, dass die größten Spieler der Welt im blauen Trikot an der Stamford Bridge aufliefen. Wir sammelten Titel um Titel, haben gelitten und schließlich 2012 die Champions League gewonnen. Wer da noch sagt, Abramowitsch hätte uns geschadet, ist ein Spinner!

Dennoch konnte man in den Jahren des Kaufrauschs auch mal den Überblick verlieren.
Natürlich. Einige Phasen waren ungesund und haben die Fans verschreckt. Als er für 50 Millionen Pfund diesen Russen geholt hat... Wie hieß der noch, Shet...

Sie meinen Andrij Schewtschenko. Er ist Ukrainer.
Genau der. Ich hatte den Namen noch nie zuvor gehört und als dieser alte Mann für eine Unsumme zu uns kam, habe ich gar nichts mehr verstanden. Das war ein Schock, weil jeder wusste, dass er nicht zu Chelsea passt. Aber Abramowitsch wollte ihn unbedingt, also kam er. Er kann nun mal tun, was er will, aber er trägt nicht die alleinige Schuld daran, dass es sich im englischen Fußball immer mehr ums Geld und immer weniger ums Spiel dreht.

Chelseas Neuverpflichtungen müssen zum Einstand auf einen Stuhl steigen und vor der gesamten Mannschaft singen. Hat Sie schon mal jemand nach dem Text von »Blue Day« gefragt?

Nein, aber ich habe gehört, dass Michael Ballack seinerzeit einen furchtbaren deutschen Song gesungen haben muss. Zudem ist mir ein noch seltsameres Ritual bekannt: Die Spieler ziehen einem Wischmop Frauenkleider an und ein Auserwählter muss mit diesem Mop tanzen und ihm am Ende einen Kuss aufdrücken. Ich glaube, Fußballer sind manchmal etwas seltsam.

Ist Ballacks Schlagerauftritt das, was von ihm in Erinnerung bleibt?
Nein, Ballack war ein großer Spieler, der eine Ära mitgeprägt hat. Er hat verstanden, wie englischer Fußball funktioniert, was die Fans sehen wollen. Aber als er zu uns kam, hatte er seine beste Phase bereits hinter sich. So lief es bei vielen dieser Jungs: George Weah, Juan Sebastian Veron – sie alle kamen, als sie ihren Zenit bereits überschritten hatten. Es war schön, sie im Chelsea-Trikot zu sehen, aber sie werden keine Legenden werden.

Auf Michael Ballacks Hochzeit spielte Elton John einen Song. Seit einiger Zeit ist Ballacks Ehe geschieden. Was können wir daraus lernen?
(lacht) Dass man ihn gleich für die Scheidungsparty mitbuchen sollte. Das ist mit Sicherheit auch etwas billiger.

Im Sommer holte Chelsea wieder einen Deutschen.
Wen?

Marko Marin.
Wo kam er her?

Werder Bremen.
Okay.

Sie haben noch nie von ihm gehört?
Nein. Noch nie. Wie teuer war er?

Angeblich acht Millionen Euro!
Ach, du Schande. Dann wird es Zeit, dass er mal ein bisschen spielt.

Es gibt ein sehr bizarres Ritual unter den Fans des FC Chelsea. Sie werfen Sellerie...
... und singen den wunderbaren »Celery Song« . Ich weiß nicht, wo das überhaupt herkommt. Bereits in den 1970er wurde es gesungen. Dann habe ich es sehr lange nicht mehr gehört. Und als wir nach dem Pokalsieg 1997 zurück an die Stamford Bridge kamen, grölte das ganze Stadion. Alle hatten Sellerie dabei. Es war unglaublich.

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