04.01.2013

Madness-Sänger Suggs über Chelsea, singende Fußballer und das Finale Dahoam

»Marko Marin? Nie gehört!«

»Suggs« McPherson ist Sänger der Ska-Band Madness und glühender Anhänger des FC Chelsea. Wir sprachen mit ihm über die philosophische Bedeutung von Gianluca Vialli, eine Beinahe-Schlägerei mit Roman Abramowitsch und schmutzige Witze von Dennis Wise

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Was war die Lösung?
Er sagte: »Gianluca Vialli hat rein gar nichts zu sagen. Er ist einfach nur ein dummer Idiot!«

Wie war der Tag mit den Profis im Studio?
Verrückt. Ich kannte die Jungs nur aus dem Stadion und plötzlich standen wir alle zusammen in der Gesangskabine. Dennis Wise verarschte die ganze Zeit seine ausländischen Mitspieler. Petrescu, Zola und all die anderen sprachen kaum Englisch, und Wise bot sich als Übersetzer an. Er beschimpfte sie aufs Übelste und grinste Ihnen dabei mitten ins Gesicht. Sie nickten nur. Wir lagen auf dem Boden.

Englische Fans gelten als stimmgewaltig. Wie stellten sich die Fußballer 1997 im Studio an?
Gut. Nur Mark Hughes schmollte in der Ecke.

Wieso?
Wir hatten vorher im Innenhof gekickt und dabei habe ich ihn getunnelt. Er hat sich tierisch aufgeregt und mit einem harten Tackling gerächt. Ein Freund hat diese Szene zufällig gefilmt. Noch heute zeige ich sie jedem, der mich besuchen kommt.

Die Mannschaft holte am Ende der Saison den ersten Titel nach einer 26-jährigen Durststrecke. Welchen Anteil hatte ihr Song?
Wir hatten im Vorjahr das Finale mit 0:4 gegen Manchester United verloren. Es war eine Demütigung. Als wir schließlich im Finale 1997 Middlesborough besiegt hatten, lief »Blue Day« direkt nach dem Abpfiff. Drei Mal hintereinander. Viele Fans sagen noch heute, dass ihnen die Tränen kommen, wenn sie daran denken. Ich war natürlich auch überwältigt, aber ich bin nicht so doof, zu glauben, dass »Blue Day« auch nur für ein kümmerliches Tor verantwortlich war. Es ist nur ein Song.

Die Gebrüder Gallagher pflegen engen Kontakt zu Ihrem Klub Manchester City. Es heißt sogar, dass Carlos Tevez und Lionel Messi gerne eine Oasis-Coverband gründen würden.

(lacht) Wirklich? (lacht noch lauter) Was ist das denn für eine Scheißidee?

Haben Sie jemals einen Profifußballer auf einem Madness-Konzert gesehen?
Stuart Pearce war früher oft auf unseren Konzerten. Ich habe ihn auch einmal bei einer Sex-Pistols-Show gesehen. Er trug eine Uniform der NVA! Wie bescheuert kann man eigentlich sein? Aber ich glaube, da war er schon etwas neben der Spur.

Können die aktuellen Spieler noch etwas mit Madness anfangen?
Wenn Chelsea ein großes Spiel gewinnt, spielen sie »One step beyond« an der Stamford Bridge. So etwas macht uns natürlich stolz. Ich meine, 40.000 Leute tanzen zu deinem Song! Das ist verwirrend und manchmal macht es einen auch echt sauer.

Wieso denn das?
Als Manchester City im vergangenen Jahr Chelsea geschlagen hat, dröhnte nicht »Blue Moon« oder irgendein Oasis-Song aus den Boxen des Ettihad, sondern »One step beyond«. Ich hätte dem Stadion-DJ am liebsten den Hals umgedreht. Also habe ich veranlasst, dass wir im Falle eines Sieges gegen City an der Stamford Bridge das ganze Oasis-Album hören werden, bis ihnen die Ohren bluten.

Dabei müssten Sie körperliche Härte gewohnt sein. Immerhin sollen Sie viele Freunde bei den berüchtigten »Chelsea Headhunters« gehabt haben.
Wir waren pubertierende Halbstarke, die Schlägereien provozierten und keine Gefangenen machten. Ich könnte sagen, dass ich das bereue, aber wissen Sie was: Es war einfach geil!

Welcher Headhunter ist Ihnen prägend in Erinnerung geblieben?
Ganz klar: Babs, einer aus der ersten Generation. Ein riesiger Dunkelhätiger mit nur einem Arm. Eine Legende. Diese Jungs waren mystische Figuren, die einen Stadionbesuch zu einer ungemütlichen Veranstaltung machten. Damals waren 20 Polizisten an der Stamford Brigde und alle Fans konnten ungehindert in alle Bereiche. Wenn dann West Ham kam, musste es knallen. Heute weiß ich, dass das nicht cool war. Aber als Kind spielten wir Cowboy und Indianer, als Teenager jagten wir uns eben durch das Stadion. Das war Teil der britischen Jugendkultur.

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