04.01.2013

Madness-Sänger Suggs über Chelsea, singende Fußballer und das Finale Dahoam

»Marko Marin? Nie gehört!«

»Suggs« McPherson ist Sänger der Ska-Band Madness und glühender Anhänger des FC Chelsea. Wir sprachen mit ihm über die philosophische Bedeutung von Gianluca Vialli, eine Beinahe-Schlägerei mit Roman Abramowitsch und schmutzige Witze von Dennis Wise

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Suggs, was war beeindruckender: Zum Thronjubiläum der Queen auf dem Dach des Buckingham Palace zu spielen, eine Platte mit seinen Fußballidolen aufzunehmen oder der Gewinn der Champions League mit dem FC Chelsea?
Eine verdammt schwierige Frage, denn jeder dieser Momente bescherte mir innere Befriedigung. Auf den Champions-League-Titel war ich aber wohl am wenigsten vorbereitet.

Wo wurden Sie überrascht?
Meine Frau hatte einen Urlaub für Ende Mai gebucht. Ich habe blind zugesagt. Man trägt sich das Champions-League-Finale ja nicht in den Terminkalender ein.

Und nachdem die Finalteilnahme des FC Chelsea feststand, haben Sie versucht, den Urlaub abzublasen.
Meine Frau hätte mich umgebracht! Wir sind nach Cádiz gereist, und ich saß am Finalabend mit ein paar spanischen Opas in einer Kneipe. Vor dem Elfmeterschießen habe ich mir einen Drink bestellt und mich zum wiederholten Male von einem großen Traum verabschiedet. Ich war bereit zu trauern.

Aber dann kam Bastian Schweinsteiger ...
... und versagte. Ich spendierte drei Lokalrunden nacheinander und rannte schreiend durch die Straßen. Dann rief ich meinen Freund an, der in München im Stadion war. Er brüllte: »Sie spielen 'Blue Day' und 'One step beyond', aber ich schrie: »Halt die Klappe. Ich will nur dabei sein!«

Ihr größter Moment als Chelsea-Fan?
Es war groß, aber nichts war magischer als mein erster Besuch an der Stamford Bridge. Ich bin in der Nähe des Stadions aufgewachsen. Für mein erstes Spiel der Blues habe ich sogar schulfrei bekommen.

Wie bitte?
Bei einem Europapokalspiel 1970 war die Flutlichtanlage ausgefallen, und das Spiel musste am nächsten Morgen wiederholt werden. Also haben viele Schulen in der Umgebung den Unterricht ausfallen lassen. Das Stadion war voller Kinder. Alle kreischten und sangen die Lieder der Erwachsenen. Eine bizarre Kulisse.

27 Jahre nach Ihrem ersten Besuch beim FC Chelsea standen Sie mit der Mannschaft der Blues im Tonstudio und nahmen die Single »Blue Day« auf. Für manche ist das der beste Fußballsong überhaupt.
Danke für die Blumen, aber bei der großen Anzahl an beschissenen Fußballliedern ist es nicht schwer, mit einem passablen Song herauszustechen.


Warum haben sich so viele Fußballer als Sänger versucht?
Kevin Keegan, Glenn Hoddle – die haben den größten Dreck aufgenommen, um im Musikbusiness mitzumischen. Früher hatten Musiker eben das Geld, die Autos und die Ladys. Fußballer hatten nur hässliche Frisuren und galten als dumme Proleten. Das hat sich heute geändert. Das Musikgeschäft liegt im Sterben. Plötzlich wollen alle lieber Fußballstars sein.

Welcher Chelsea-Spieler der 97er-Mannschaft hatte das Zeug zum Popstar?
Gianluca Vialli! Er kam ins Studio, setzte sich ans Klavier und spielte eine herrliche Sonate. Ich traute meinen Ohren nicht. Und dann sein gebrochenes Englisch. Alles was er sagte, klang irgendwie mystisch. Wir alle suchten einen tieferen Sinn in seinen Aussagen. Bullshit! Irgendwann erklärte uns ein Italiener das Geheimnis.

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