21.01.2010

Lutz-Michael Fröhlich über den Fall Hoyzer

»Die Identifikation ist dahin«

Heute vor genau fünf Jahren legte Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer sein Amt nieder. Wir sprachen 2007 mit dem Unparteiischen Lutz-Michael Fröhlich, der mit einer Anzeige die organisierte Spielmanipulation ans Tageslicht brachte.

Interview: Christoph Ries Bild: imago
Lutz-Michael Fröhlich über den Fall Hoyzer
Ist die Einflussnahme der Fans auf das Spielgeschehen gesunken?

In Bezug auf die unmittelbaren Vorgänge auf dem Platz, und da schließe ich mal den Schiedsrichter mit ein, sicherlich.

Macht es die zunehmende Anonymisierung der Fanblöcke leichter, für Gewalttäter aktiv zu werden?


Unter Umständen ja. Ich bin der Meinung, jeder einzelne Stadionbesucher sollte mehr Aufmerksamkeit für Krawalltäter aufbringen. Wenn jemand neben mir verhaltensauffällig wird, kann ich mich nicht einfach zurücklehnen und sagen: »Das geht mich nichts an. Dafür sind schließlich die Ordnungsdienste zuständig.« Sogar die Spieler müssen in solchen Situationen Verantwortung übernehmen. Das verstehe ich unter Zivilcourage.

Am letzten Samstag brach ihr Kollege Herbert Fandel nach einer Fanattacke das EM-Qualifikationsspiel zwischen Schweden und Dänemark ab. Hätten Sie auch so entschieden?

In Kopenhagen hatte Herbert Fandel absolut keinen Spielraum mehr. Diskussionen, ob man ein Spiel in der 89. Minute denn abbrechen muss, man den Strafstoß hätte noch ausführen lassen sollen, berücksichtigen den Sachverhalt nicht. Der Schiedsrichter wurde angegriffen, geschlagen und es befanden sich Zuschauer auf dem Spielfeld. Da konnte es nur einen Spielabbruch geben.

Wird das Leben der Schiedsrichter immer gefährlicher?

Das könnte man aus den Geschehnissen in Kopenhagen schließen. Allerdings glaube ich nicht, dass der Job des Schiedsrichters tatsächlich gefährlicher geworden ist. Viele Angelegenheiten, vor allem in den unteren Ligen, wurden früher nicht so öffentlich diskutiert, weil die unteren Ligen nicht so stark im Fokus der Medien standen. Deren Entwicklung muss man in der Tat mit gewisser Sorge betrachten.

Wer muss handeln?

Eigentlich alle. Jeder der in diesem Bereich tätig ist. Insbesondere natürlich die Personen, die im Mittelpunkt stehen. Dazu gehören die Spieler, die selbst Gewaltfreiheit vorleben sollten. Andererseits die Medien, die den unzähligen Projekten zur Gewaltprävention in den Kreisligen noch zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Die Verbände benötigen bei ihren Projekten noch viel mehr Unterstützung, auch durch die Medien.

Empfanden Sie die Schmähgesänge der Fans als Ansporn?

Nicht unbedingt. Die Rufe aus dem Fanblock haben mich nicht motiviert. Die Situation vor dem Anpfiff schon eher: zwei Teams, zwei Interessen, beide wollen gewinnen - und mittendrin steht einer, der aufpassen muss, dass die Regeln eingehalten werden. Das ist die große Herausforderung eines Schiedsrichters. Die Fans spielen da eine eher untergeordnete Rolle.

Ärgert Sie die nicht klein zu kriegende Subjektivität der Fans manchmal?

Für die Fans habe ich noch am meisten Verständnis. Die definieren sich ja über die fast bedingungslose Interessenvertretung ihres Vereins. Wenn ein Spieler von Hertha BSC beispielsweise im Strafraum fällt, dann ist das für den Hertha-Fan ein klarer Elfmeter. Ich denke, dafür kann man sogar als Schiedsrichter Verständnis aufbringen. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Da kommen wir wieder zurück zum Thema Zivilcourage: Jeder Fan darf mal laut seinen Unmut kundtun – auch mal gegen den Schiedsrichter, aber es muss alles im Rahmen bleiben.

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