21.01.2010

Lutz-Michael Fröhlich über den Fall Hoyzer

»Die Identifikation ist dahin«

Heute vor genau fünf Jahren legte Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer sein Amt nieder. Wir sprachen 2007 mit dem Unparteiischen Lutz-Michael Fröhlich, der mit einer Anzeige die organisierte Spielmanipulation ans Tageslicht brachte.

Interview: Christoph Ries Bild: imago
Lutz-Michael Fröhlich über den Fall Hoyzer

Herr Fröhlich, Sie haben 2005 mit der Anzeige gegen Robert Hoyzer den Wettskandal aufgedeckt. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?

Das Thema ist für mich abgehakt. Die lückenlose Aufklärung des Skandals und der Prozess gegen Robert Hoyzer haben sicher einiges dazu beigetragen, dass der Wettskandal vollkommen aus meinem Kopf verschwunden ist. Wenn ich heute mit dem Thema in Berührung komme, dann ausschließlich über die Medien. Von Hoyzers Strafantritt habe ich beispielsweise erst aus der Zeitung erfahren. Ich sehe das Ganze mit einer großen Distanz.



Wurde der Ruf der Schiedsrichter wirklich in dem Maße beschädigt, wie einige Experten Anfang 2005 vermuteten?

Nein. Es stand ja keine kriminelle Organisation innerhalb der Schiedsrichter am Pranger. Die Manipulation war das Werk Einzelner. Außerdem durchlief der deutsche Fußball hinterher einen Selbstreinigungsprozess, der von den Schiedsrichtern selbst initiiert wurde. Daher blieb der Ruf der Unparteiischen ohne Schaden.

Haben Sie Mitleid mit Robert Hoyzer?

Mitleid ist es nicht. Ich sehe jedoch noch das Schiedsrichter-Talent Robert Hoyzer vor mir und frage mich: Was hätte der mit seinen 23 Jahren alles erreichen können? Jeder, der ihn damals hat pfeifen sehen, bescheinigte ihm eine große Karriere, und dann kommt er vom Gleis ab und bringt sich selbst zu Fall. Das ist bedauerlich, erzeugt aber kein Mitleid in mir. In seinem Alter muss man soviel Grips haben, um zu wissen, was man tut.

Der Radrennfahrer Erik Zabel hat auch betrogen und durfte weiterfahren. Hätte Robert Hoyzer eine zweite Chance verdient?

Wie soll das funktionieren? Als Schiedsrichter musst du eine weiße Weste haben, gerade was Neutralität und Unbestechlichkeit angeht. Wenn da ein Kratzer ist, zum Beispiel durch nachgewiesene Spielmanipulation, dann hast du von vorneherein keine Glaubwürdigkeit mehr. Stellen Sie sich vor, Robert Hoyzer müsste heute eine strittige Entscheidung fällen. Schon wäre das Thema wieder auf dem Tisch. Nein, das geht nicht!

Aber zumindest eine Bewährungsstrafe wäre doch möglich gewesen.

Es nur konsequent, dass hier eine Strafe ausgesprochen wurde. Der Job des Schiedsrichters trägt etwas ganz Besonderes in sich, da kannst du nicht mit Betrügereien und Manipulationen belastet sein. Mein über alles stehender Wunsch wäre gewesen, dass er vorher nachgedacht hätte, was er da tut. Dann wäre es wohl niemals dazu gekommen.

Der Zuschauerboom schien trotz des Skandals ungebrochen. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, die Fans haben die lückenlose Aufklärung honoriert. Das liegt auch am Wandel der Zeit: Wenn eine Sache erledigt ist, wird sie schnell vergessen, und das nächste Thema kommt auf den Tisch.

Anders gefragt: Ist der sportliche Aspekt vielleicht gar nicht mehr ausschlaggebend für die Attraktivität der Bundesliga?

Die Tendenz geht schon in Richtung Show und Vermarktung. Da kommt der Fußballsport tatsächlich etwas zu kurz. Ich bin häufig im Berliner Olympiastadion und beobachte das Wechselspiel zwischen den Fans und dem, was auf dem Platz geschieht. Am Anfang wird die Mannschaft noch angefeuert, aber im Laufe des Spiels entwickelt sich eine ganz diffuse Beziehung. Man hat das Gefühl, das Publikum nimmt das Spiel nur noch zur Kenntnis. Früher war das anders. Da stand hinter den Spielern noch eine geballte Macht. Im Stadion herrschte eine richtige Atmosphäre. Davon spüre ich heut nichts mehr. Die Identifikation ist dahin. Mir scheint jedoch, dass das ein exklusives Problem des Berliner Fußballs ist.

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