28.06.2012
Lukas Podolski über das Halbfinale von Warschau
»Wir sind besser als Italien!«
Noch ist es nicht die EM von Lukas Podolski. Noch. Vor dem Halbfinale gegen Italien in Warschau sprachen wir mir ihm über das ungewohnte Gefühl, auf der Ersatzbank zu sitzen, seine neue Heimat London – und natürlich den Gegner aus Italien.
Bild: Imago
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Einhundert
Vielleicht wollte der Bundestrainer Sie auch bewusst ein bisschen kitzeln, um noch mehr aus Ihnen herauszuholen?
Das glaube ich nicht, sonst müsste man ja in jedem Spiel die Aufstellung ändern.
Wie gehen Sie mit dem Druck um, den die vielen jungen Spieler ausüben?
Ich war ja auch mal jung und habe darum gekämpft, in die Mannschaft zu kommen: Ich habe gut trainiert, gut gespielt. Dasselbe tun die Jungs auch. Man muss doch froh sein, dass jetzt wieder eine neue Generation kommt. Bei den Spaniern oder Italienern, da kommt ja nichts. Die haben keine 18-, 19- oder 20-Jährigen auf der Bank sitzen oder sogar in der Startformation stehen wie bei uns gegen Griechenland. Das ist doch gut.
Es ist einfach, den Konkurrenzkampf als leistungsfördernd zu beschreiben, wenn man selber spielt. Wie schwer fällt es, wenn man erstmals negativ davon betroffen ist?
Das ist für mich nichts Negatives. Natürlich will man als Fußballer immer spielen und der Mannschaft helfen. Aber das kann man auch von außen.
Welche Gefühle hat es in Ihnen ausgelöst, dass Sie gegen Griechenland nicht spielen durften: Trotz, Wut, Enttäuschung?
Mit Wut oder Frust an die Sache ranzugehen, wäre der größte Fehler, den man machen könnte. Man muss genauso positiv weitermachen wie bisher.
Und wenn Sie in Warschau nicht spielen?
Ich gehe davon aus, dass ich spielen und der Mannschaft helfen werde. Defensiv oder offensiv. Oder beides.
Ärgert es Sie, dass Sie bei diesem Turnier so stark in die Defensive eingebunden sind?
Wir müssen uns doch auch auf unsere Gegner einstellen. Portugal kommt mit Nani, Moutinho und Ronaldo. Das sind Offensivspieler mit Weltklasseformat. Da war es meine Aufgabe, die Defensive zu stärken, und diese Aufgabe habe ich erfüllt. Ich verstehe gar nicht, warum das immer so dramatisiert wird.
Aber Sie sind eher...
...ein offensiver Typ, klar. In Köln habe ich die letzten drei Jahre zentral offensiv gespielt. Da spiele ich am liebsten, da liegen auch meine Stärken, und die sind eindeutig besser als die in der Defensive. Das ist doch gar keine Frage. Aber wenn es der Mannschaft hilft, muss man seine eigene Stärke leider auch einmal zurückstellen.
Joachim Löw hat Sie einmal als gefühligen Menschen bezeichnet. Können Sie uns erklären, was er damit meint?
Das hätten Sie ihn fragen müssen. Ich weiß ja nicht, in welchem Zusammenhang er das gesagt hat.
Vielleicht meint er, dass Sie für äußere Reize besonders empfänglich sind, Vertrauen brauchen, eine vertraute Atmosphäre.
Jeder Spieler braucht Vertrauen und ein vertrautes Umfeld. Wenn man irgendwohin wechselt und nicht weiß, was man vorfindet und mit wem man es zu tun hat, stelle ich mir das schwierig vor. Es gibt natürlich auch Fußballer, die sagen: Mir ist alles egal, Hauptsache, ich habe einen guten Vertrag. Aber so ein Mensch bin ich nicht. Ich muss von der Sache überzeugt sein. So, wie ich es in Köln war und wie es demnächst in London sein wird.
Haben Sie sich schon mal angeschaut, wo Sie künftig leben und arbeiten werden?
Das nicht, aber ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer und anderen Leuten aus dem Klub. Arsenal ist ein sauber geführter Verein, toller Trainer, tolle Mannschaft, die einen tollen Fußball spielt. Das alles hat mich überzeugt.
Was versprechen Sie sich von dem Wechsel? Welchen Entwicklungsschritt wollen Sie bei Arsenal machen?
Ich habe mich, selbst wenn das ein bisschen blöd klingt, auch in Köln in den drei Jahren gesteigert. Aber London ist noch mal was anderes. Man trainiert Tag für Tag mit sehr guten Spielern zusammen, das ist eine geile Liga. Man wird immer gefordert, man spielt viele Spiele – darauf freue ich mich einfach. Seit dem ersten Kontakt empfinde ich Vorfreude. Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht.
Hat es eine Rolle gespielt, dass Per Mertesacker bei Arsenal spielt?
Ich habe meine Entscheidung nicht von Per abhängig gemacht. Natürlich ist es ein Vorteil, dass er da ist, genauso wie die beiden polnischen Torhüter. Das macht es für mich ein bisschen leichter.
Köln, London – und dann Zabrze: Gilt Ihr Versprechen noch, dass Sie Ihre Karriere bei Gornik Zabrze beenden?
Ein Versprechen war das nicht. Aber es ist denkbar. Gornik Zabrze ist mein Verein. Als Kind in Polen habe ich da immer auf dem Sportplatz gespielt. Sie bauen jetzt ein neues Stadion für 30 000 Zuschauer, und ein guter Freund von mir ist da Manager.
Besitzen Sie eigentlich noch die polnische Staatsangehörigkeit?
Ich habe nur den deutschen Pass.
Es war mal zu lesen, dass Sie zwar nur einen Pass haben, aber beide Staatsangehörigkeiten besitzen.
Ja? So genau weiß ich das gar nicht. Muss ich mal meine Eltern fragen.









