04.09.2008

Lukas Podolski im Interview

»Ich bin nicht schlecht drauf«

Manager Uli Hoeneß forderte Anfang der Woche von  Lukas Podolski, er solle aufhören, schlecht gelaunt zu sein. Der Angreifer über seine Stellung beim FC Bayern, die Ermahnungen von Uli Hoeneß und seine Liebe zu Köln.

Interview: Moritz Kielbassa und Christof Kneer Bild: Imago
Herr Podolski, normalerweise wohnt der DFB in schicken Stadthotels. In diesen Tagen wohnen Sie in der Sportschule Oberhaching. Enttäuscht?

Nö, überhaupt nicht. Ich war in der Jugend schon oft in Sportschule, ob das Duisburg, Hennef oder sonstwo war. Mir fehlt hier nichts.

Sie sind also gut drauf?

Ja klar, warum nicht?



Man hört und liest, Sie seien gerade so schlecht gelaunt. Bei Oliver Kahns Abschiedsspiel haben wir Sie jedoch ziemlich oft lachen sehen. Sie haben sogar gelacht, als Tim Wiese einen Schuss von Ihnen gehalten hat.

Ich hab' immer Spaß, wenn ich auf dem grünen Rasen stehe. Ich spiele halt gern, und das bring' ich dann auch zum Ausdruck.

Bayern-Manager Uli Hoeneß hat am Montagabend in einer Fernsehsendung gefordert, Sie sollten aufhören, schlecht gelaunt zu sein. Schlechte Laune kennt man von Ihnen gar nicht.

Das kenne ich von mir auch nicht. Aber natürlich ist meine Laune nicht super, wenn ich nur auf der Bank sitze. Ich kann mich doch zurzeit nicht hinstellen und sagen: Alles prima, ich bin zufrieden, wie's läuft. Privat geht es mir blendend, aber beruflich bin ich natürlich unzufrieden, weil ich nicht spiele. Ich will Spaß haben, und das kann ich zurzeit nicht.

Aber ist Ihre Laune auch im Training so schlecht, dass es ein Argument sein könnte, Sie nicht aufzustellen? Uli Hoeneß sagt, Sie sollten aufhören, in der Ecke zu stehen und zu jammern.


Ich stehe nicht in der Ecke. Ich versuche immer, im Training Gas zu geben, aber vielleicht hatte der Trainer einen anderen Eindruck. Vielleicht hat er die anderen beiden (Luca Toni und Miroslav Klose, Anm. d. Red.) im Training besser gesehen und sie deshalb spielen lassen.

Aber »jammern« ist doch ein recht heftiges Wort. Akzeptieren Sie das?

Nein, das akzeptiere ich nicht. Jammern lass' ich mir nicht nachsagen.

Das Transferfenster ist seit Montagnacht geschlossen. Traurig?

Nein. Mir war das ja von vorneherein klar. Ich hatte Gespräche mit Jürgen Klinsmann, da wurde mir signalisiert, dass er auf mich setzt und dass ich auf meine Einsätze kommen werde. Mir wurde vom Verein auch nie signalisiert, dass ich freigegeben werde. Von daher war ein Wechsel in den letzten Wochen nie wirklich ein Thema.

Hatten Sie nach den Gesprächen das Gefühl, dass Klinsmann Sie auf Augenhöhe mit den anderen beiden sieht?

Ja klar, und so sehe ich mich auch selbst. Ich sehe mich nicht als Stürmer Nummer eins oder als Nummer drei, sondern als einen von drei Stürmern.

Am vergangenen Sonntag hat Jürgen Klinsmann gesagt, Sie seien in der »Herausforderer-Rolle«. Das klingt eher nach Nummer drei - oder so, als müssten Sie nicht nur gleich gut, sondern besser sein als die anderen, um zu spielen.

Ja, aber man kann sich ja nur beweisen, wenn man auch spielt, wenn man sich jedes Wochenende mit den anderen Mannschaften messen darf. Nur dann kann man sich profilieren.

Das heißt: Es ist schwer, Herausforderer zu sein ohne Spielpraxis.

Ich versuche im Training immer mein Bestes zu geben, aber wenn man dann jede Woche doch nicht so zum Zug kommt und wieder nicht spielen darf, dann ist es irgendwann schwer zu sagen: Okay, jetzt trainierst du halt wieder eine Woche, um in die Elf zu kommen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man sich Gedanken macht.

Fühlen Sie sich bei Bayern ungerecht behandelt?

Nein, es ist ja nicht so, dass mir irgendwelche Spieler vorgezogen werden. Wir haben bei Bayern noch zwei andere Weltklasse-Stürmer, und da ist es schon klar, dass man nicht einfach an denen vorbeiziehen kann. Und ich bin mir sicher, dass Uli Hoeneß' Worte auch gut gemeint waren. Aber so richtig verstehen kann ich sie trotzdem nicht. Man kann sicher mal was bewirken, wenn man mal zehn oder 20 Minuten spielen darf, aber es ist einfach etwas ganz anderes, wenn man 90 Minuten spielt.

Was empfinden Sie, wenn Sie sehen, wie Jürgen Klinsmann versucht, Miroslav Klose in seiner Krise zu stärken?

Ich finde es gut, wenn man Stürmer starkmacht. Wenn auch ich meine Spiele bekommen würde, sagen wir mal: zehn Stück, dann bin ich überzeugt, dass ich meine Leistung bringen würde, dass ich Tore schieße und vorbereite.

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