21.04.2011

Lukas Podolski im 11FREUNDE-Interview (#2)

»Ich will ein guter Junge sein«

Im zweiten Teil des großen Interviews mit 11FREUNDE, spricht Lukas Podolski über sein Verhältnis zu Jürgen Klinsmann, seine Rückkehr nach Köln und seinen Hoffnungen für die Zukunft.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Lukas Podolski, stimmt es, dass Sie Trikots sammeln?

Lukas Podolski: Ich werde bei Spielen oft gefragt, ob ich tauschen möchte. Deswegen sammelt sich einiges an. Inzwischen habe ich so viele, dass ich schon den Überblick verliere.

Welche Jerseys haben bei Ihnen einen Ehrenplatz?

Lukas Podolski: Ein paar von der Euro 2008 und den Weltmeisterschaften habe ich aufgehängt, die anderen liegen im Schrank. Vielleicht gestalte ich mir mal ein komplettes Trikot-Zimmer, wenn ich die Karriere beendet habe.



Hätten Sie sich mit 18 träumen lassen, dass Sie mit 25 Jahren 84 Länderspiele auf dem Buckel haben würden?

Lukas Podolski: Ich habe mir meine Karriere nie richtig vorgestellt oder diese geplant, ich habe sie einfach laufen lassen. Natürlich hat man gewisse Ziele oder Vorstellungen, aber im Fußball ist man dafür nie alleine verantwortlich, dass man sie erreicht. Mein Leben passiert einfach. 

Felix Magath hat Bastian Schweinsteiger gegenüber in den ersten Tagen als Bayerntrainer so getan, als würde er ihn nicht kennen. Ist Ihnen das auch mal passiert?

Lukas Podolski: Nein. In Köln erkennt man die Spieler ja auch einfacher wieder, denn in München kommen ständig neue Stars dazu. 


Und wie war es in Ihrer Zeit bei den Bayern?

Lukas Podolski: So etwas habe ich nicht erlebt.


Dennoch hat Ihnen die Zeit in München nicht nur Spaß bereitet.

Lukas Podolski: Ich habe dort viele Erfahrungen gemacht und Titel gewonnen, aber man hat mir zu wenig Einsatzzeiten zugestanden. Stattdessen wurde um jeden Einsatz von zehn Minuten ein totaler Hype gemacht. Und wenn ich keinen Torschuss vorweisen konnte, hieß es gleich: »Der Lukas kann nichts.« Auf Dauer ist das schwierig für einen Spieler. Da vergeht einem auf Dauer der Spaß. Wenn ich die aktuelle Bayern-Mannschaft sehe, frage ich mich schon manchmal, ob ich da nicht gut reingepasst hätte. Aber das ist Vergangenheit.

War es das erste Mal, dass Sie über einen längeren Zeitraum unzufrieden mit Ihrem Beruf waren?

Lukas Podolski: Es war schon hart, wenn ich vor dem Spiel erfuhr, dass ich nicht in der ersten Elf stehe. Aber über die Woche beim Training war dieser Frust auch wieder weg. 


Rückblende: Wie fühlte es sich für den überzeugten  Kölner Podolski an, beim FC Bayern zu unterschreiben?

Lukas Podolski: Ich war stolz, den Schritt nach München zu gehen und so einen Vertrag zu bekommen. Wer in München unterschreibt, weiß, was das bedeutet. Es war ein schöner Tag und die Sonne hat geschienen. 

Wovor hatten Sie am meisten Respekt?

Lukas Podolski: In München ist immer Druck, aber ich wollte beweisen, dass ich mich dort durchsetzen kann. Nach der erfolgreichen WM 2006 war ich überzeugt, dass ich dazu in der Lage bin.

Was haben Uli Hoeneß und Felix Magath gesagt, um Ihnen die Sicherheit zu geben, dass es der richtige Schritt ist?

Lukas Podolski: Nichts Besonderes, an das ich mich erinnern kann. Bei Vertragsgesprächen gibt einem der Verein immer die Zuversicht.  


Bastian Schweinsteiger sagt, es wäre ein bisschen schade gewesen, dass Sie in Ihrer Münchner Zeit soweit außerhalb gewohnt hätten – am Pilsensee in Hechendorf.

Lukas Podolski: Das muss jeder selbst entscheiden, wo er leben will. Der Eine braucht einen Bauernhof draußen auf dem Land, der andere ein Hotel in der Stadt. 


Wo wohnen Sie jetzt?

Lukas Podolski: In Müngersdorf, einem Stadtteil von Köln.

Warum war Ihnen in München das Land so wichtig?

Lukas Podolski: Weil dort alles gepasst hat, das Haus, die Umgebung. Aber das hat kaum Einfluss darauf gehabt, wie ich dort spiele. In meiner Anfangszeit in Köln bin ich auch jeden Tag 35 Minuten zum Training gefahren – das hat nicht viel zu sagen. 


Die Frage bezog sich eher darauf, ob Sie neben dem Fußball zum Leben in München nicht so recht einen Bezug bekommen haben?

Lukas Podolski: Doch, wir haben uns sehr wohl gefühlt in München.

Hat Ihnen Trainerverpflichtung von Jürgen Klinsmann im dritten Jahr bei den Bayern Zuversicht gegeben?

Lukas Podolski: Am Anfang ja, später dann nicht mehr.  


Weil er Ihnen vor der Saison 2008/09 mitgeteilt hat, dass Sie hinter Miroslav Klose und Luca Toni nur als dritter Stürmer eingeplant sind.

Lukas Podolski: Er sagte es mir unmittelbar vor Beginn der Saison, ich kam gerade von einer erfolgreichen Euro zurück. Für mich wurde im Laufe der Zeit immer klarer, dass am Ende der Spielzeit ein Wechsel unumgänglich wird, da es keine Chancen mehr gab – so lange die anderen beiden gesund waren – mich auszuzeichnen. Und damit war das Kapitel Klinsmann für mich auch erledigt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden