20.04.2011

Lukas Podolski im 11FREUNDE-Interview (#1)

»Mich musste niemand in den Arm nehmen«

Lukas Podolski ist eine lebende Kölner Fußball-Legende. Für die aktuelle Titelgeschichte »Uns Poldi – Ein Heimatroma«, sprach 11FREUNDE-Redakteur Tim Jürgens ausführlich mit dem Prinzen vom FC.

Interview: Tim Jürgens Bild: Sebastian van den Akker
Lukas Podolski, wie sehr reibt Sie als Nationalspieler eigentlich dieser ständige Abstiegskampf auf?

Lukas Podolski: Ich war bei meiner Rückkehr nach Köln darauf vorbereitet, dass es in den ersten beiden Jahren nicht einfach wird. Im Winter haben wir drei Spieler geholt, die das Niveau steigern, im Sommer sollten wir dann auf drei, vier Positionen nachlegen. Dann sind wir auch nicht schlechter aufgestellt als Hannover 96 – und die spielen um die Champions League. 




Auch in Hannover arbeitet ein Trainer, der den Klub schon relativ lange kennt.

Lukas Podolski: Frank Schaefer ist Kölner, so wie Dirk Lottner. Allein ihre Herkunft sorgt dafür, dass sie alles für den Verein tun. Ich finde es die richtige Herangehensweise, nicht mehr Trainer aus dem Ausland zu holen, die den FC nicht als Zuhause, sondern zuerst als Sprungbrett verstehen.

Hat die FC-Geschäftsführung in dieser Hinsicht in der Vergangenheit zu groß gedacht?

Lukas Podolski: Nein, eher zu klein.


Bezüglich der Trainerverpflichtungen, meinen wir?

Lukas Podolski: Was soll ich dazu sagen? Ich schaue ungern zurück. Gerade läuft es gut. Es ist nicht mehr wichtig wie es unter den Trainern Soldo, Latour oder Rapolder gelaufen ist. Das ist vorbei.


Ende 2009 wurde Milivoje Novakovic als Kapitän des 1. FC Köln abgesetzt. Statt Sie als Führungsspieler mit diesem Amt zu betrauen, entschied sich Coach Zvonimir Soldo allerdings für Youssef Mohamad als Kapitän. Sie müssen ziemlich enttäuscht gewesen sein.

Lukas Podolski: Ich habe kein Problem damit, dass ein anderer Kapitän wird, aber es wäre fair gewesen, wenn mir jemand vorab die Gründe für so einen Schritt erklärt hätte. Ich fand es schade, dass niemand mit mir darüber gesprochen hat. 


Seit Beginn des Jahres sind Sie wieder Kapitän. Was bedeutet Ihnen das Amt?

Lukas Podolski: Es fühlt sich gut an, im ständigen Dialog mit dem Trainer zu sein und mehr Verantwortung zu tragen. 


Welche Aufgaben fallen Ihnen als Kapitän konkret zu?

Lukas Podolski: Ich habe über die Jahre eine enge Beziehung zu den handelnden Personen aufgebaut. Zu den Transfers von Slawo Peszko und Michael Rensing habe ich der sportlichen Führung im Vorfeld auch meine Meinung geäußert, schließlich kenne ich die beiden ganz gut.

Inwieweit muss ein Kapitän auch der Chef sein?

Lukas Podolski: Wenn man das Vertrauen des Trainers bekommt, muss man in der Lage sein, Dinge konkret anzusprechen.


Kuschen denn alle im Team?

Lukas Podolski: Momentan machen alle mit, ja. (lacht)

Was macht Frank Schaefer besser als Soldo?

Lukas Podolski: Es ist bei Erfolg immer einfach, alles auf den neuen Trainer zu schieben. Aber es sind viele Faktoren, die dafür sorgen, dass es jetzt besser läuft.


Zum Beispiel?

Lukas Podolski: Wir haben uns in der Winterpause zielgerichtet verstärkt. Wir trainieren anders, der Trainer hat am ersten Tag das neue 4-2-3-1-System verkündet, das wir seitdem recht erfolgreich umsetzen.


Und Sie haben als Kapitän auch neues Selbstbewusstsein geschöpft?

Lukas Podolski: Es hat mir einen Schub gegeben. Es ist ein großartiges Gefühl, am Spieltag als Anführer der FC-Elf die Treppe aus den Katakomben hochzugehen und ins Stadion zu kommen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden