Lukas Kruse im Interview

»Man wird kritischer gesehen«

Lukas Kruse wurde beim SC Paderborn groß, spielte zuletzt beim BVB und sucht nun seine Chance in der 2. Liga beim FC Augsburg. Ein Torhüter aus der zweiten Reihe über Chancen im Heimatverein, Vertrauen und Teddy de Beer. Lukas Kruse im InterviewImago

Lukas Kruse, Sie sind kurz vor Ende der Transferperiode vom BVB zum FC Augsburg gewechselt. Ein kurzfristiger Wechsel oder von langer Hand geplant? Den Kontakt zum FCA gibt es ja schon länger...

Das stimmt, den Draht nach Augsburg habe ich schon länger, der Wechsel jetzt war aber sehr kurzfristig. Augsburgs Nummer zwei Vasili Khamutouski hat sich verletzt und der Klub suchte einen weiteren Keeper. Also hat Andreas Rettig meinen Berater angerufen. Ob Dortmund mich so kurzfristig würde ziehen lassen, musste zunächst noch geklärt werden. Hat aber im Endeffekt geklappt.

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Dortmund ist damit ein Risiko eingegangen.

Dass sie mich haben gehen lassen, rechne ich ihnen hoch an. Ich wollte unbedingt zu Augsburg, habe mit Jürgen Klopp und Michael Zorc gesprochen die beide alles unternommen haben, um mir diesen Schritt zu ermöglichen. Theoretisch bestand ein Risiko für den BVB, das ist richtig.

Ist Augsburg eine Chance?

Klar sehe ich das als Chance, zumal ich die Möglichkeit habe zwei Ligen höher zu spielen. Ich bin mir aber im Klaren darüber, dass ich mich hinter Sven Neuhaus anstellen muss. Der hat eine sehr starke Hinrunde gespielt (Neuhaus stand bislang in allen Spielen auf dem Platz, im ersten Saisonspiel musste er allerdings nach einer Verletzung in der 24. Minute ausgewechselt werden, Anm. d. A.) Aber jeder will spielen. Ich werde Gas geben, alles andere wird man sehen.

Was auffällt: Sue werden oft als Ersatz für einen verletzten Torwartkollegen verpflichtet. Steht man als Keeper unter besonderem Druck, weil man weiß: eine Verletzungspause und mein Stammplatz ist in Gefahr? Siehe das Beispiel Fernandez und Eilhoff in Bielefeld.

Schwierig zu sagen. Ich würde behaupten: man nimmt den Druck nicht so wirklich wahr. Man wünscht keinem Mitspieler eine Verletzung, aber wenn das passiert benötigt man Ersatz. So war es beim BVB, als Marcel Höttecke verletzt war, so war es in Paderborn, wo ich meine Chance bekommen habe, weil Stephan Loboué ausfiel.

Als Ersatz für Loboué haben Sie damals in Paderborn Ihre ersten Zweitligaeinsätze bestreiten können und haben gute Leistungen abgeliefert. Im Winter 2005/06 ist dann aber doch Tom Starke verpflichtet worden, Sie mussten wieder auf die Bank. Warum?

Ich denke, wenn man als Spieler aus der eigenen Jugend kommt, hat man es im Verein schwerer einen Stammplatz zu bekommen, bzw. zu halten.

Das müssen Sie uns erklären.

Du wirst kritischer gesehen. Ich habe seit 1995 in Paderborn gespielt, war ein Eigengewächs des Klubs. Da musst du dir alles hart erarbeiten. Wenn man von außen kommt, hat man gleich einen anderen Stellenwert.

Ist das speziell Ihr oder ein generelles Problem?

Das ist ein generelles Problem. Wenn man lange im Verein ist, aus der Jugend in den Herrenbereich wechselt, dann ist es schwerer dort Fuß zu fassen.

Man würde doch denken, dass ein Verein seine Spieler, die er selber ausgebildet hat, bevorzugt behandelt, wenn für die die Möglichkeit besteht in der ersten Mannschaft Fuß zu fassen...

Bei mir jedenfalls hat es lange gedauert, ehe man mir zugetraut hat Stammtorhüter zu sein. Richtig vertraut hat mir erst Holger Fach...

...der jetzt wieder Ihr Trainer ist.

Genau. Bei Paderborn hat er mich in der zweiten Liga zur Nummer eins gemacht. Vorher war es für mich immer ein hin und her. Ich habe sicherlich nicht schlecht gespielt, als Stephan verletzt war. Das waren immerhin 14 Spiele.. Aber dann wird halt Tom Starke geholt und mir vorgezogen. Dafür gab es eigentlich keinen Grund. Aber so ist das als Torhüter im Fußball – da kann nur einer spielen. Das ist nicht so tragisch.

Sie scheinen ein sehr ruhiger und gelassener Mensch zu sein. Muss man als Torhüter vielleicht lauter und schriller sein, um mehr auf sich aufmerksam zu machen?

Wichtig ist, dass man die Bälle hält. Ob man ein bunter Vogel ist, oder nicht, ist dann nicht so entscheidend. Ich habe aber gemerkt, dass mir der Wechsel nach Dortmund gut getan hat, weil ich mal aus meinem gewohnten Umfeld in Paderborn heraus gekommen bin. Das war auf jeden Fall der richtige Schritt und so entwickelt man seine Persönlichkeit auch weiter. Als Torhüter musst du etwas darstellen, eine gewisse Persönlichkeit besitzen. Das ist entscheidend.

Sie haben 34 Regionalliga- und 38 Zweitligaspiele bestritten, die breite Öffentlichkeit wird trotzdem nicht genau sagen können, was Ihre Stärken und Schwächen sind. Helfen Sie uns weiter.

(zögert) Tja, Stärken und Schwächen... Es ist immer schwierig über sich selbst zu urteilen. Ich denke, dass ich nicht ein reagierender, sondern agierender Spieler bin, also – in Anführungsstrichen – modern zu spielen, das Spiel nicht zu verlangsamen. Ich versuche auch als Torwart offensiv zu spielen, so möchte ich mein Torwartspiel interpretieren.

Sehr häufig haben Sie aber das Spiel von der Bank verfolgen müssen. In Dortmund hatten Sie mit Teddy de Beer einen Trainer, der in dieser Frage ein echter Experte sein dürfte. Was hat er Ihnen diesbezüglich mit auf den Weg geben können?

Das war eigentlich nie ein Thema zwischen uns. Zumal ich ja nicht wirklich auf der Bank saß, sondern in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga auf dem Platz stand. Natürlich habe ich versucht, auch in der ersten Mannschaft Fuß zu fassen, deshalb bin ich ja nach Dortmund gegangen. Das hat letztlich nicht geklappt, aber es war trotzdem die richtige Entscheidung zum BVB zu gehen.

Ihr langfristiges Ziel in Augsburg?

Auch wenn ich mich hinten anstellen muss: mein Ziel muss lauten Stammspieler in der zweiten Bundesliga zu werden. Ich will gerne wieder regelmäßig spielen.

Sie sind jetzt 25. Mit 29, sagt man, haben Feldspieler das beste Fußballeralter. Wo ist die Grenze bei Torhütern?

Das ist individuell so unterschiedlich, da kann man sich nicht einfach auf eine Zahl festlegen. Es gibt Spieler, die schaffen den Sprung in die Bundesliga mit 30, andere mit Anfang 20. Erfahrung sollte man nicht unterschätzen im Torwartspiel. Und auch das ist wieder unterschiedlich zu bewerten: einer hat die nötige Routine mit 35, der andere mit 30. Es gibt also keinen einheitlichen Wert.

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