29.10.2012

Lothar Woelk über seine Zeit in Bochum und Hardrock

»In Haarlem spielt Deep Purple – da müssen wir hin!«

Rocker, Klopper, Langer: Lothar Woelk hat viele Spitznamen. Mit ihm wurden die Bochumer zu den »Unabsteigbaren«. Hier spricht er übers Trampen nach Holland, Deep Purple und Ellenbogenchecks

Interview: Ron Ulrich Bild: Volker Schramm

Sind Sie auch während ihrer Profizeit nach Holland getrampt?
Nein, und wenn dann nur zum Einkaufen. In meinem ersten Trainingslager beim VfL kamen die anderen Jungs an und fragten mich über meine Trips nach Holland aus. Irgendeiner meinte: »Kannst du nicht auch was besorgen? Du hast doch Kontakte.« Da habe ich nur gesagt: »Seid ihr bescheuert? Das ist mein erstes Trainingslager.«

Heinz Höher hat Sie zum VfL geholt. Stimmt es, dass er Sie in der Betriebsmannschaft von Opel entdeckt hat?
Nein, das wird immer erzählt, weil es wohl ganz gut reinpasst. Er war zwar bei diesem Spiel der Betriebsmannschaft vor Ort, kannte mich aber schon von den Auswahlmannschaften. Das Interessante ist, dass er mich damals als Stürmer verpflichtete. Erst später bin ich dann immer weiter nach hinten gerückt.

Und motiviert hat er Sie mit einer Botschaft am Spind.
Ja, er hat dort die Tage aufgelistet, wie lange mein Vertrag noch läuft und dann jeden Morgen einen weggestrichen. Heini Höher machte immer gern solche Spielchen. Zu einem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg blieb er einfach der Mannschaftssitzung fern. Sein Co-Trainer kam rein und meinte, wir sollten die Seiten auf dem Flip-Chart umblättern. Dort stand: »Nürnberg kommt, wird aufgefressen, hap hap. Aufstellung wie immer.« Da haben wir uns kaputt gelacht. Und danach Nürnberg mit 5:1 nach Hause geschickt.

Wie war Ihr Verhältnis zum späteren Trainer Rolf Schafstall?
Ich war sein spezieller Spezi. Aber ich muss sagen, dass ich von jedem Trainer viel gelernt habe.

Schafstall soll Sie einmal im Trainingslager zu einer Strafe verdonnert haben, weil Sie Whiskey getrunken haben.
Die anderen haben immer Bier getrunken, doch mir hat das damals nicht geschmeckt. Also habe ich mir im Trainingslager abends ein Glas Whiskey mit Cola als Schlaftrunk gemixt. Ich sagte zu meinem Zimmerkollegen Heinz Knüwe: »Gib mir mal den Whiskey rüber.« Wir hatten das Fenster offen und draußen patrouillierte gerade Schafstall mit seinem Co-Trainer. Es klopfte an der Tür und wir fragten: »Parole?« Da hörten wir nur: »Ich geb euch gleich Parole.« Später haben auch die anderen Whiskey-Cola getrunken. Wenn wir in unser Stammlokal kamen, bestellten wir fünf Cola. Die Kellner wussten Bescheid und haben gleich die Drinks gemixt.

Lameck, Gerland, Zumdick – Sie spielten alle ziemlich lange für den VfL. War die Gemeinschaft der Schlüssel dafür, dass Sie zu den »Unabsteigbaren« wurden?
Das war eine Topkameradschaft, fast wie in einer Familie. Der Präsident Ottokar Wüst hat genau darauf geachtet, dass die Spieler zusammenpassen – auf und neben dem Platz. Wenn ich mir eure Ausgabe anschaue, mit Kevin-Prince Boateng auf dem Titel, muss ich sagen: So ein Typ hätte noch so gut kicken können, den hätte Wüst nie zum VfL geholt. Einsatz, Kampf, Kameradschaft – das war das eine. Aber wir haben auch guten Fußball gespielt. Auf Schalke haben wir 6:0 gewonnen, den HSV mal 4:0 weggehauen, die Bayern 3:1 und, und, und. Gerade im Ruhrstadion konnten wir jeden schlagen.

Nervt Sie persönlich Ihr Image als Klopper?
Das hat man mir angehängt, dabei bin ich nur zweimal vom Platz geflogen. Beim ersten Mal hat mich der Schiedsrichter mit Martin Kree verwechselt, die zweite Rote Karte sah ich in meinem letzten Bundesligaspiel. 70 Prozent meiner Gelben Karten habe ich nur wegen Meckerns bekommen. In all den Jahren, in denen ich in der Verteidigung gespielt habe, kam ich mit allen klar, Magath, Rummenigge und wie sie alle heißen. Nur mit einem hatte ich ein Problem.

Und zwar?
Wolfram Wuttke. Er spielte beim FCK und bei einem Spiel auf dem Betzenberg hat er mich angerotzt. So etwas geht gar nicht. Ich bin hinter ihm her. Ich sagte: »Wuttke, merk dir: Jetzt bist du auf dem Betzenberg. Aber im Rückspiel, da kommst du ins Ruhrstadion, in mein Wohnzimmer. Da fress ich dich auf.« Bei diesem Spiel war er dann 90 Minuten auf der Flucht.
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden