23.12.2007

Lothar Weise über Robert Schlienz

»Er war unser Käpt'n«

Im neuen 11FREUNDE-Heft porträtieren wir Robert Schlienz, den größten Spieler in der Geschichte des VfB Stuttgart. Er leistete Außergewöhnliches – und das mit nur einem Arm. Hier spricht sein Freund Lothar Weise über den Jahrhundertsportsmann.

Interview: oliver zeyen Bild: imago

Haben Sie von Robert Schlienz selbst jemals den Grund erfahren, warum er von Trainer Wurzer damals aus der Mannschaft gedrängt wurde?

Nein, das wusste auch er nicht. Es hat dann nur vom Wurzer geheißen, dass wir den besagten Schnitt machen – und da ist der Robert durchs Raster gefallen, weil er 1924 geboren wurde. Dadurch war er an die 38 und sollte in der neuen Saison nicht mehr auflaufen. Jeder hatte dann Hemmungen, das Gespräch darüber überhaupt anzufangen, weil er nach wie vor in allen Herzen war. Wir mussten uns damit abfinden, und es ging eine neue Ära ohne Robert los.

Irgendwann musste auch Schluss sein.


Aber doch nicht auf solch eine Art. Das haben wir alle nicht verstanden. Der Mann war einer der Größten in Deutschland, der Größte beim VfB. Da muss ich ganz ehrlich sagen: Für jeden Durchschnittsspieler wird heute ein Abschiedsspiel gemacht, während beim Robert nicht mal darüber nachgedacht wurde. So etwas finde ich unmöglich.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum er heutzutage, trotz seiner großen Erfolge, außerhalb Stuttgarts eher unbekannt ist?

Das kann ich genau sagen: Weil er nur drei Länderspiele gemacht hat. Und der Fritz Walter hat über 60 gemacht. Damals hatte der Herberger immer mindestens fünf von seinen Kaiserslauterern dabei, und ab und zu durften mal Erwin Waldner, Erich Retter oder Rolf Geiger (Anm. d. Red.: ehemalige Spieler des VfB Stuttgart in den 50er Jahren) spielen. Oder eben der Robert seine drei Mal, aber dadurch ist eben der Bekanntheitsgrad nicht so sehr gestiegen.

Sie sind – auch in Ihrer Funktion als Stadionführer - einer der letzten, die noch etwas dafür tun können.

Das stimmt. Es gibt nur noch wenige, die mit ihm zusammen gespielt haben. Aus der 50er Meistermannschaft lebt ja nur noch einer, der Erich Retter. Von der 58er-Pokalsiegermannschaft, in der auch ich gespielt habe, sind alle schon über 70. Wenn ich jetzt durchs Stadion führe und die Besucher schauen sich die Bilder der acht Meisterschaften und Pokale an, die der VfB errungen hat, dann sehen sie, dass er, zusammen mit Rolf Blessing, der einzige Spieler ist, der jeweils zwei Meisterschaften und Pokale gewonnen hat. Deswegen bin ich enttäuscht, dass er viel weniger bekannt ist als andere, die nur ein paar Jahre hier waren. Ich jedenfalls werde ihn nie vergessen. Denn auf dem Platz war Robert zwar ein Drecksack, aber nach dem Spiel war er mein bester Freund.

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