24.08.2007

Lothar Matthäus im Interview

„Dann wären wir Götter“

In Salzburg geschasst, in der Bundesliga nicht gewollt – nun wird Lothar Matthäus Experte beim Bezahlsender „Premiere“, bis der nächste Trainerjob kommt. Wir sprachen mit ihm über seine journalistischen Ideale.

Interview: Thomas Eckert und Joachim Huber Bild: Imago
Sind Sie auch so ein Sammler von Fakten und Daten wie HSV-Coach Huub Stevens?

Ich bereite mich natürlich gründlich vor, auch mit Videos und übers Fernsehen. Aber nur Videos zu gucken, wäre mir zu wenig. Man muss als Trainer raus zu Live-Spielen. Das Erlebnis ist durch kein Video dieser Welt zu ersetzen. Fernsehen ist auch heute noch nicht alles.

Muss das Fernsehen noch besser werden, um dem modernen Fußball gerecht zu werden?


Das Fernsehen ist schon heute sehr gut, und es wird noch besser werden. Der Unterschied liegt in der technischen Ausstattung. Mit zwanzig Kameras können Sie mehr zeigen als mit fünf. Und der Zuschauer will das auch sehen. Da gibt es kein Zurück mehr.

Wie viele Schüsseln haben Sie auf dem Dach, zwei, drei?


Eine. Außerdem bin ich Premiere-Abonnent, aber das war ich auch schon vor meinem jetzigen Engagement.

Ist der Fußball auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung angekommen?


Das glaube ich nicht. Auch wenn ich Ihnen nicht sagen kann, was noch kommen wird. Vielleicht wird für den Ball ein leichteres Material gefunden, und sicher wird das Spiel noch schneller werden. Ich bin allerdings der Ansicht, dass man den Fußball so lassen sollte, wie er ist. Wir brauchen keine größeren Tore oder kleineren Spielfelder. Wir wollen doch alle einfach nur guten Fußball sehen.

Halten Sie David Beckham für einen der größten Fußballer unserer Zeit?


Als Fußballer schafft er es in meiner aktuellen Rangliste nicht unter die ersten zehn. In der Vermarktung seiner Person ist er allerdings ein kleines Genie, da kann man nur gratulieren.

Sie sind doch nicht etwa ein wenig neidisch?


Überhaupt nicht. Ich bin mit dem, was ich erreicht habe, rundum zufrieden. Sicher habe auch ich hin und wieder das Rampenlicht gesucht und gebraucht. Aber ich bin heilfroh, dass ich nicht so wie die Beckhams leben muss.

Wo wir gerade bei Stars sind: Ist Franz Beckenbauer Ihr Ziehvater, auch was das Fernsehen angeht?

Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, und ich weiß, dass ich mich auf den Franz verlassen kann. Aber der Franz verteilt nicht die Jobs im Fernsehen, er ist Präsident bei Bayern München. Nein, ich muss mich da ganz allein durchbeißen.

Ist Franz Beckenbauer ein Vorbild für Sie?

Wenn Sie den Fußballer meinen, dann sicher nicht. Aber die Art, wie er sich präsentiert, wie er sympathisch rüberkommt, wie er angenommen wird, das finde ich schon gut. Aber ich möchte niemandem nacheifern. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen.

Werden wir Sie bald in der Bundesliga sehen?

Das müssen Sie andere fragen.

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Das Interview erschien mit freundlicher Genehmigung von tagesspiegel.de.


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