24.08.2007

Lothar Matthäus im Interview

„Dann wären wir Götter“

In Salzburg geschasst, in der Bundesliga nicht gewollt – nun wird Lothar Matthäus Experte beim Bezahlsender „Premiere“, bis der nächste Trainerjob kommt. Wir sprachen mit ihm über seine journalistischen Ideale.

Interview: Thomas Eckert und Joachim Huber Bild: Imago
Herr Matthäus, Sie gehen zum Fernsehen. Warum tun Sie sich das an?

Weil es mir wahnsinnig Spaß macht. Bei Premiere arbeitet eine hervorragende Mannschaft. Rund um Franz Beckenbauer sind wir eine große Familie. Und ich freue mich, Teil dieser Familie sein zu dürfen.

Wer sind Ihre Mitstreiter?

Außer Franz Beckenbauer und mir werden noch Stefan Effenberg, Matthias Sammer, Fredi Bobic, Marco Bode und Karl-Heinz Rummenigge dabei sein. Wir werden in der Bundesliga, aber auch in der Champions League eingesetzt. Für mich als Trainer ist es schön, hautnah dabei sein zu können. Wie Sie ja sicher wissen, bin ich zurzeit bei Red Bull Salzburg beurlaubt. Da kommt die Arbeit bei Premiere gerade recht.

Können Sie als Mann des Fußballs etwas vom Fernsehen lernen?

Zu Hause vor dem Fernseher kann man ein Spiel ganz entspannt bei einer Dose Limo betrachten. Kommentator zu sein, bedeutet dagegen Arbeit. Ich habe eine Verantwortung dem Zuschauer gegenüber. Ich kann mich nicht unvorbereitet ins Studio setzen und einfach drauflosquatschen. Das wäre fahrlässig. Ich möchte korrekt sein, auch wenn meine Aufgabe in der Hauptsache „nur“ daraus besteht, meine Meinung zu sagen.

Werden Sie auch zusammen mit Stefan Effenberg vor der Kamera stehen?

Das kann passieren. Aber versprechen Sie sich nichts Falsches. Das wird wunderbar klappen.

Wie viele Spieltage werden Sie dabei sein?

Es gibt feste Vereinbarungen, aber wenn sich meine berufliche Situation verändern sollte, dann höre ich mit dem Fernsehen auf. Priorität hat für mich natürlich ein Job als Trainer.

Sind Sie ein Trainer im Wartestand?

Ich warte schon mal gar nicht. Es gehört vieles dazu, wenn man irgendwo Trainer wird. Es bedeutet eine große Veränderung, ganz persönlich und natürlich auch für meine Familie, und damit eine große Verantwortung. Ich werde sicher wieder als Trainer arbeiten, aber im Augenblick fühle ich mich noch nicht bereit dafür. Premiere wird mir sicher keine Steine in den Weg legen, wenn es so weit sein sollte.

Experte ist der beste Job auf Erden: Sie haben immer recht, keiner widerspricht.


Recht haben ist schön, aber ich habe ganz sicher nicht immer recht. Manchmal muss man sich als Kommentator auch ein wenig aus dem Fenster lehnen. Und dann wird das mit dem Rechthaben noch schwieriger. Ich halte es da mit Franz Beckenbauer. Der sagt immer, er gebe keine Tipps, weil er in der Regel danebenliege. Genauso ist das mit Expertentipps. Wenn wir alles voraussagen könnten, dann wären wir Götter. Wir können nicht mal Ergebnisse vorhersagen.

Wozu brauchen wir überhaupt Experten?


Vielleicht macht es ja einfach Spaß, Menschen zuzuhören, die etwas von der Sache, in diesem Fall Fußball, verstehen.

Jürgen Klopp, der Trainer von Mainz 05, hat versucht, uns in taktische Finessen einzuweihen. Zu viel der Theorie?

„Kloppie“ hat einen sehr guten Job gemacht. Aber meistens fehlt uns Kommentatoren einfach die Zeit, um in die Tiefe gehen zu können. Wenn man etwas erklären will, was nur der Fachmann bemerkt, weil er über entsprechendes Fachwissen verfügt, dann braucht das nun mal Zeit.

Werden Sie uns wenigstens den Fußball neu erklären?

Ich werde sicher versuchen, auf Dinge hinzuweisen, die sich im Hintergrund abspielen. Aber den Fußball ganz neu erklären, das dürfen Sie von mir nicht verlangen. So viele Trainer es gibt, so viele Ansichten über den Fußball gibt es. Da lasse ich das lieber gleich.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden