Lothar Matthäus im 11FREUNDE-Interview (#2)

»Fußball ist meine Liebe«

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Lothar Matthäus spricht Bulgariens Nationaltrainer über weise Ratschläge von Franz Beckenbauer, seinen schlechten Ruf in der deutschen Presse und eine mögliche Zukunft in die Bundesliga. Lothar Matthäus im 11FREUNDE-Interview (#2)

Lothar Matthäus, Sie sind einer bekanntesten deutschen Fußballer aller Zeiten. Ist Ihre Prominenz eher Vor- oder Nachteil, wenn es um Ihren Job als Trainer geht?

Lothar Matthäus: In Deutschland ganz sicher ein Nachteil.

Warum?

Lothar Matthäus: Weil mein Name in den vergangenen zehn Jahren dazu benutzt wurde, Schlagzeilen zu machen.

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Sind Sie daran nicht auch selbst Schuld? Schließlich gibt es keine Diskussion über mögliche Trainerwechsel in der Bundesliga, bei der nicht Ihr Name fällt.

Lothar Matthäus: Ich verrate Ihnen was: Ich habe mich in all den Jahren noch nie selbst ins Gespräch gebracht. Das habe ich auch, ehrlich gesagt, nicht nötig. Aber sobald ein Trainer entlassen wurde, wurde mein Name in der Presse gehandelt. Das waren alles frei erfundene Gerüchte. Aber sie haben dazu geführt, dass mein Ruf in Deutschland ziemlich Schaden genommen hat.

Entsprechend haben Sie noch nie in Deutschland trainiert, dafür in Österreich, Serbien, Brasilien, Ungarn und Bulgarien. Wie muss man sich das eigentlich vorstellen, wenn der neue Trainer Matthäus zum ersten Mal zu seiner Mannschaft spricht. Schreiben Sie Ihren Namen an die Tafel?

Lothar Matthäus: Ganz sicher nicht. Die Spieler wissen ja, wer ich bin. Ich erkläre der Mannschaft kurz und knapp meine Ziele, wünsche allen eine gute Zusammenarbeit und dann geht es raus auf den Trainingsplatz.

Gibt es bei Ihnen einen Strafenkatalog?

Lothar Matthäus: Nein. Die größte Strafe für einen Fußballer ist ja eh, wenn er nicht spielen darf. Gleichzeitig ist das ein Problem für dich als Trainer: Du schwächst deine Mannschaft, weil du deine Autorität wahren musst. Deshalb suche ich meistens das ernste Gespräch mit dem Spieler, der Mist gebaut hat. Er soll wissen, dass er mich nicht für dumm verkaufen kann. Dafür stand ich schließlich viel zu lange auf der anderen Seite.

Erzählen Sie den Spielern manchmal auch Anekdoten aus Ihrer eigenen Karriere?

Lothar Matthäus: Das versuche ich zu vermeiden. Aber ab und zu nutze ich die Vergangenheit und konfrontiere meine Spieler damit. Zum Beispiel mit Hinweisen, die mir einst ein Franz Beckenbauer gab.

Was waren das für Hinweise?

Lothar Matthäus: Einer von Beckenbauers Lieblingssätzen war: »Genießt das Leben als Fußballer, so lange und so erfolgreich wie ihr nur könnt – denn der Erfolg entscheidet schließlich auch über euer weiteres Leben.« Das sage ich auch meinen Spielern: Nutzt das Talent, das euch der liebe Gott gegeben hat, um aus eurer Karriere den maximalen Profit rauszuholen.

Wäre der Trainer Matthäus eigentlich gut mit dem Spieler Matthäus zurecht gekommen?

Lothar Matthäus: Ich denke, der Trainer Matthäus hätte einen leichten Job gehabt. Denn der Spieler war extrem erfolgsorientiert, mannschaftsdienlich und in der Lage, Spiele durch seine individuelle Klasse zu entscheiden.

Ist die Bundesliga eigentlich noch Ihr erklärtes Ziel?

Lothar Matthäus: Vor einigen Jahren war sie das. Jetzt mache ich mich deswegen nicht mehr verrückt. Ich bin und bleibe ein Kind und Kenner der Bundesliga, und wenn irgendwann mal ein passendes Angebot aus Deutschland kommt, dann denke ich sicherlich darüber nach. Aber inzwischen bin ich in der Welt zu Hause – und mit diesem Leben komme ich ganz gut zurecht.

Lothar Matthäus, während wir sprechen, planen Sie bereits einen Flug nach Rio de Janeiro, außerdem die anschließende Reisen nach Polen und Bulgarien. Und das alles wegen Fußball. Warum tun Sie sich diesen Stress eigentlich noch an?

Lothar Matthäus: Weil mir das Ganze immer noch sehr viel Spaß macht. Und so lange ich Spaß an diesem Job habe, werde ich ihn auch machen. Fußball ist meine große Liebe – warum sollte ich also etwas anderes machen?

»Arbeite wie eine Gärtner« – Hier geht's zum ersten Teil des Interviews >>

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