25.01.2012

Lothar Matthäus im 11FREUNDE-Interview (#1)

»Ich arbeite wie ein Gärtner«

Lothar Matthäus ist ein Phänomen. Fällt sein Name in der Presse, geht es meistens um junge Frauen oder holpriges Schul-Englisch. Dabei ist der Mann einer der besten Fußballer aller Zeiten. Wir trafen Matthäus zum Exklusiv-Interview. Und sprachen mit ihm: nur über Fußball.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Lothar Matthäus, Sie sind ehemaliger Weltfußballer, mehrfacher Millionär, einer der besten Spieler aller Zeiten – warum sitzen Sie nicht auf einer einsamen Insel und genießen das Leben?

Lothar Matthäus: Weil mich immer noch etwas antreibt, was mich schon als aktiver Spieler angetrieben hat: Erfolg zu haben.

>>> Die Karriere von Lothar Matthäus in Bildern!

Dann hätten Sie doch auch Spielerberater werden und sich über einen erfolgreich abgeschlossenen Transfer freuen können. Stattdessen sind Sie Trainer geworden. Warum?

Lothar Matthäus: Weil sich 'Erfolg-zu-haben' für mich nicht nur auf das stumpfe Sammeln von Titeln und Ehrungen reduzieren lässt. Ich will den maximalen Erfolg – aber unter den gegebenen Umständen und mit den vorhandenen Möglichkeiten. Um einen Vergleich zu nennen: Es ist doch allemal schwieriger und reizvoller, mit Borussia Mönchengladbach die Deutsche Meisterschaft zu holen als mit Bayern München.



Oder mit Bulgarien an der Weltmeisterschaft teilzunehmen ...

Lothar Matthäus: Hier in Bulgarien war die Ausgangssituation ähnlich wie bei meinen Jobs zuvor in Wien, Belgrad oder Ungarn: Die fetten Jahre sind vorbei, die Mannschaft ist im Umbruch. Da heißt die erste Aufgabe für mich als Trainer, erstmal eine Umbruchstimmung zu erzeugen! Sie müssen sich das so vorstellen, dass der bulgarischen Auswahl die Wurzeln fehlen, sie befindet sich ja im Umbruch. Und meine Aufgabe ist es, dieses zarte Pflänzchen aufzupäppeln, bis es genügend Kraft hat, um nicht beim nächsten Gegenwind aus der Erde gerissen zu werden.

Da sind Sie so etwas wie ein Fußball-Gärtner?

Lothar Matthäus: In erster Linie bin ich Fußball-Trainer, aber, ja, die Berufe ähneln sich in gewissen Dingen: Einpflanzen, düngen, beobachten und im Idealfall am Ende die Früchte der Arbeit ernten.

Sie haben in einem älteren Interview mal gesagt, dass Sie schon immer am liebsten den schwierigeren Weg gegangen sind – ob als Fußballer oder als Trainer. Macht es Ihnen also Spaß, die vermeintlichen Underdogs zu trainieren?

Lothar Matthäus: Die Aussage darf man nicht falsch verstehen: Ich würde nie einen Job annehmen, bei dem ich von vorneherein wissen würde, dass der Erfolg gefährdet oder gar nicht im Bereich des Möglichen liegt. Bei jeder Station – als Spieler und als Trainer – war ich vor Arbeitsantritt davon überzeugt, auch wirklich Erfolg zu haben.

Das war, ebenso als Spieler wie auch als Trainer, nicht immer der Fall.

Lothar Matthäus: Stimmt. Und deshalb habe ich es mir ja auch mit so manchem Mitspieler oder Kollegen verscherzt. Weil ich meinen Mund aufgemacht habe, wenn der Erfolg gefährdet war. Das war nie persönlich gemeint, es ging immer um den Erfolg.

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