Lothar Kobluhn im Interview

»Kriegste endlich die Kanone?«

Was lange währt, wird endlich gut: Mit 37 Jahren Verspätung hat das »Kicker«-Sportmagazin dem Oberhausener Lothar Kobluhn die Torjägerkanone für seine 24 Tore in der Saison 1970/71 verliehen. Wir sprachen mit dem spät Geehrten. Imago
Heft #73 12 / 2007
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Glückwunsch, Herr Kobluhn! Mit 37 Jahren Verspätung bekamen Sie vom »Kicker« nun die Torjägerkanone überreicht. Der Bundesliga-Skandal von 1971 veranlasste den damaligen »Kicker«-Chefredakteur Karl-Heinz Heimann damals, Sie nicht auszuzeichnen. Wie sehr war RWO tatsächlich verwickelt?

Die Zeit war schlimm. Wenn wir in die Stadien kamen, riefen alle: »Schieber!« Dabei ist RWO nie verurteilt worden. Um das mal derb zu erklären: Wir hatten jeden Tag `ne Feier! Am einen Tag wurden uns vom DFB acht Punkte abgezogen, am nächsten Tag kriegten wir die acht Punkte zurück – Feier! Ein Spieler wurde für zwei Jahre gesperrt, dann wurde das Urteil zurückgenommen – wieder `ne Feier! Es ist nie etwas so richtig ans Tageslicht gekommen.

Was hätte denn ans Tageslicht kommen können?

Soll ich das jetzt offenbaren? Nee! Mach` ich nicht! Ich lebe 64 Jahren in Oberhausen, das will ich mir nicht kaputt machen.

Hat Heimann Sie einfach nie vergessen? Oder mussten Sie ihn erinnern?


Das geht jetzt auf eine Initiative von RWO zurück, die haben Heimanns Nachfolger Rainer Holzschuh kontaktiert. Ich selbst habe mit dem »Kicker« jahrelang kein Wort mehr gesprochen. Wenn die angerufen haben, habe ich gesagt: »Wir brauchen uns nicht zu unterhalten, bis das geklärt ist – fertig!«

Sie waren richtig wütend.

Auf jeden Fall! Es hat mich jedes Jahr geschmerzt. Am schlimmsten war, als Ailton seine Kanone bei »Ebay« versteigern wollte, weil er seinem Berater Geld schuldete. Dann kochte das bei mir alles wieder hoch. Wenigstens hatte ich den »Goldenen Töppen«, einen goldenen Schuh, den die »Berliner Zeitung« seit Hanne Sobecks Zeiten verleiht. Ein kleiner Trost.

Wie kam es eigentlich, dass Sie als Mittelfeldmann 24 Tore geschossen haben?

Ich war 1,87 Meter groß und kopfballstark. Also bin ich bei jeder Standardsituation mit nach vorne gegangen und habe meine Tore gemacht. Außerdem waren wir eine sehr eingespielte Mannschaft. Leider habe ich mich später mehrmals schwer am Knie verletzt, war jeweils für ein halbes Jahr weg vom Fenster und habe außer den 24 nur noch zehn weitere Tore geschossen.

War die geplatzte Verleihung also symptomatisch für eine verkorkste Karriere?

Neee, das kann man nicht sagen. Ich hätte sogar wechseln können, zu PSV Eindhoven oder Servette Genf. Aber ich war fest in Oberhausen verwurzelt, hatte eine Familie gegründet und ein Geschäft eröffnet.

Sie hätten doch richtig Kasse machen können.

Klar, aber im Vergleich zu heute wäre das auch so gut wie nichts gewesen. Soll ich mich deshalb über meine frühe Geburt beschweren? Was sollte dann ein Walter, ein Seeler, ein Beckenbauer sagen? Die würden heute 100 Millionen verdienen.

Sie leben nach wie vor in Oberhausen. Sind Sie auch noch im Stadion Niederrhein zu Gast?

Zwischenzeitlich war ich 25 Jahre nicht da – man hat sich nicht für uns interessiert. Aber ein neuer Förderkreis hat uns jetzt angesprochen, ob wir nicht mal wieder Lust hätten. Seit gut anderthalb Jahren sind wir bei fast jedem Heimspiel dabei: Wolbertz, Ohm, Marquardt und Kobluhn.

Erkennt man sie dort?


Die Jüngeren mit ihren Fahnen gehen an einem vorbei. Aber die Älteren sagen schon mal: »Meeensch, kriegste jetzt endlich deine Kanone?«

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