06.03.2009

Lothar Buchmann über Darmstadt 98

»Wie Krieg, nur positiver«

Darmstadt 98 versucht am Samstag, mit den Einnahmen aus dem Spiel gegen den SSV Ulm ein riesiges Finanzloch zu stopfen. Wir sprachen mit dem ehemaligen Lilien-Trainer Lothar Buchmann über Aufstieg und Fall des Vereins.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: imago

Lothar Buchmann, werden Sie am Samstag auch mal wieder zum Böllenfalltor fahren?

Wie es aussieht, werde ich nicht hin fahren können. Da ich selber noch als Trainer in der A-Klasse tätig bin, fehlt mir leider die Zeit.

Gehen Sie überhaupt noch zu Spielen von Darmstadt 98?

Ich fahre schon noch ab und zu ins Stadion und gucke mir die Spiele an. Ich kenne Gerhard Kleppinger und ein paar andere Verantwortliche aus meiner Zeit in Darmstadt noch sehr gut. Die Entwicklung des Vereins beobachte ich natürlich ganz genau.





Der Verein versucht am Samstag, einen Zuschauerrekord zu brechen. Außerdem gibt es viele Aktionen, die Einnahmen generieren sollen, um die drohenden Insolvenz abzuwenden. Merken Sie momentan so etwas wie Aufbruchstimmung in Ihrem Umfeld?

Heute habe ich gelesen, dass bisher 7.000 Karten verkauft wurden. Das ist gemessen an der Zahl, die sie erreichen wollen, noch zu wenig. Leider scheint das Wetter auch nicht richtig mitzuspielen. Ich glaube also nicht, dass sie den Rekord wirklich erreichen werden. Das ist sehr schade. Aber wenn man 7.000 Karten für ein Spiel der Lilien verkauft hat, dann ist das schon so etwas wie Aufbruchstimmung. Eine gewisse Euphorie bemerke ich auch in meinem Umfeld.

Der Verein befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Sinkflug. Wo wurden Ihrer Meinung nach die größten Fehler gemacht?

Es ist immer schlecht, wenn man viel erreichen will und der Erfolg ausbleibt. Das erlebt man ja auch gerade in Leipzig und oder vor Jahren in Dortmund. Diejenigen, die sich um die finanziellen Dinge kümmern, hängen immer zwischen den Stühlen. Denn nur wenn es sportlich nach oben geht, dann kommen genug Zuschauer, um finanziell voran zu kommen. Die sportliche Leistung kann aber nur stimmen, wenn die richtigen Spieler da sind. Und da hat man sich ganz einfach übernommen. Es gab im Kader immer wieder Fehleinschätzungen und der sportliche Erfolg blieb aus. So geriet der Verein immer weiter in Schieflage.

Man hätte also frühzeitig die Notbremse ziehen müssen?

Es ist, als sitzt man in der Spielbank am Roulettetisch und verliert seinen halben Lohn. Anstatt aufzuhören, meint man, man müsse noch einmal alles auf Rot setzen – und noch einmal und noch einmal. Irgendwann ist dann alles weg. Finanzfachleute sind nun mal keine Fußballexperten. Die Situation wurde mehrfach falsch eingeschätzt, und so ging Spirale immer weiter nach unten. Mittlerweile ist sie ja sogar nach unten offen. Irgendwann ist das nicht mehr zu kippen. Ich würde nie eine Einzelperson für den Abstieg der Lilien verantwortlich machen. Die gesamten Führungsebene, die über die Jahre das Sagen hatten, ist im Kollektiv einer enormen Fehleinschätzung unterlegen. Jetzt stehen alle vor einem riesigen Schuldenberg.

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