Nun wurde der Klub vom US-Unternehmen »New England Sports Ventures« (NESV) übernommen. Dabei riefen Sie doch: »Thanks, but no Yanks!«
Ironie des Schicksals! Aber es ist zweitrangig, woher der neue Besitzer stammt. Die NESV hat im Baseball bewiesen, dass sie erfolgreich arbeitet, die Boston Red Sox sind zwei Jahre nach der Übernahme erstmals seit 1918 wieder Meister geworden. Über allem steht aber: Wir sind Hicks und Gillett los!
Die beiden wollten die Übernahme verhindern. Der Prozess am Londoner High Court elektrisierte halb England.
Ich saß am PC und habe zwischen zwei Livetickern hin- und hergeklickt: dem über den Prozess und dem zur Rettung der Bergleute in Chile.
Haben Sie in dieser Zeit zu Shankly gebetet?
Nennen wir es eine stille Zwiesprache. Er sagte zu mir: »Hoffentlich wird bald wieder Fußball gespielt!«
Am 15. Oktober wurde der Verkauf für rechtsgültig erklärt. Ist der FC Liverpool denn jetzt auch so befreit wie die chilenischen Kumpels?
Die dunkle Zeit wird niemand von uns vergessen. Nun aber werden wir versuchen, mit der NESV in den Dialog zu treten. Vor allem was den Neubau des Stadions anbelangt, der bitter notwendig ist und von Hicks und Gillett verschlampt wurde, halten wir uns für die besten Experten, die die NESV kriegen kann.
Wie wichtig sind den Amerikanern die Legende Shankly und die Tradition des Vereins?
Ohne Tradition hätten sie doch bloß einen Verein gekauft, der aktuell im Tabellenkeller steht – und das für 300 Millionen Euro. Sie sehen Tradition sicherlich anders als wir, nicht als ideellen Wert, sondern als Marketingpotential. Aber sie sehen sie, da bin ich mir sicher.
Also sitzen Sie bald mit den Schlipsträgern aus den USA im Pub und singen ihnen »You’ll Never Walk Alone« vor?
Warum nicht? Wir wollen ein Mitspracherecht. Nicht Demokratie als Selbstzweck, sondern weil ich glaube, dass keiner den Klub so gut kennt und so ernst nimmt wie wir.
Warum übernehmen sie den Klub nicht gleich selbst?
Das ist das langfristige Ziel. Wir wollen zwar vertrauensvoll mit der NESV zusammenarbeiten, aber eines Tages kaufen wir uns frei. Es wird zehn, vielleicht zwanzig Jahre dauern. Aber dann wird es so weit sein. Der Klub ist unser Leben. Und das unserer Söhne. Wir haben Zeit.