26.12.2010

Liverpool-Fan James McKenna im Interview

»Bald kaufen wir uns frei«

James McKenna (23) ist Fan des FC Liverpool und hat als Kopf der Bewegung »Spirit Of Shankly« den Protest gegen die verhassten amerikanischen Eigentümer Hicks und Gillet organisiert. Nun sind sie weg. Was kommt danach? 

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
James McKenna, nach fast drei Jahren Kampf sind Sie am Ziel: Die US-amerikanischen Geschäftsleute Tom Hicks und George Gillett haben den FC Liverpool verkauft. Sind Sie glücklich?

Ich fühle mich wie nach einer Teufelsaustreibung. Ich bin wahnsinnig erschöpft, könnte nur noch schlafen. Aber mein Klub braucht mich. Ich gehöre ins Stadion, nicht auf die Straße, um Flugblätter zu verteilen. So wichtig unser Protest auch war.



Wie groß ist Ihr Anteil daran, dass Hicks und Gillet sich zurückgezogen haben?

Die beiden wollten so wenig von uns lassen wie ein Dämon, deshalb benutze ich ja auch das Bild vom Exorzismus. Wir haben aber ein öffentliches Bewusstsein dafür geschaffen, dass hier die falschen Leute am Werk sind. Dass der Verein nicht zwei Amerikanern gehört. Sondern uns, den Fans. 

Störte Sie besonders, dass die beiden Amerikaner waren – »Yanks«, wie Sie sie nennen?

Natürlich wäre mir wohler, wenn ich wüsste, dass die Eigner mit Fußball und nicht mit Baseball aufgewachsen sind. Aber das war nicht das Problem. Es war ihre himmelschreiende Dekadenz. 

Gillett und Hicks hielten den Klub wie einen Chihuahua, den sie in ihrer Swarovski-Handtasche rumtrugen.

Genau. Und wissen Sie, was das Schlimmste ist? Sie haben vergessen, ihn zu füttern! Sie haben Schulden in Höhe von 300 Millionen Euro hinterlassen, das neue Stadion, das sie uns versprochen hatten, nicht gebaut, unseren verehrten Trainer Rafael Benítez vertrieben und es versäumt, ein Team für die Zukunft aufzubauen. Sie haben versagt.

Dabei sagte Gillett doch so vollmundig: »Wenn Benítez Snoogy Doogy haben will, kaufen wir ihn!« Alles schien möglich.

Versprechungen haben sie viele gemacht. Aber wer noch nicht mal Snoop Doggy Doggs richtigen Namen kennt, dem beginnt man ziemlich schnell zu misstrauen. Und es dauert nicht lange, bis man merkt, dass er lügt.

Warum haben Sie Ihre im Januar 2008 gegründete Fan-Initiative »Spirit Of Shankly« genannt?

Wir dachten, wenn unsere verblichene Trainerikone Bill Shankly selbst schon nicht mehr sprechen kann, dann müssen wir es eben in seinem Sinne tun. Auch wenn wir nur von draußen reinschreien können.

Was hätte Shankly gesagt?

Das wissen wir recht genau, weil seine Enkelin Karen Gill Patronin unserer Vereinigung ist. Seine Einstellung war stets: Der Klub gehört den Fans, die ihn unterstützen. Direktoren sind nur dazu da, um Schecks abzuzeichnen. 

Shankly trainierte den Klub von 1959 bis 1974. Er starb 1981, sechs Jahre vor Ihrer Geburt. Was verbindet Sie mit diesem Mann?

Manchmal hasse ich es, dass ich so jung bin, verdammt! Shankly war es, der diesen Klub groß gemacht hat. Groß im sportlichen, aber auch in einem ritterlichen Sinne: Wir sind groß, weil wir uns nicht kleinmachen lassen. Das ist Shanklys Erbe, und wir müssen es fortsetzen.

Seit wann sind Sie schon Fan des FC Liverpool?

Gegenfrage: Seit wann sind Sie schon Mensch? 

Seit ich denken kann und noch ein bisschen länger.

Sehen Sie! Und so ist es bei mir auch. Nur dass Menschsein und Fansein für mich untrennbar zusammengehören. Ich gehöre zur Spezies der Reds.

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