24.03.2010

Liga-Experten über neue Sicherheitsmaßnahmen

»Druck erzeugt Gegendruck«

Nach den Ausschreitungen in Berlin werden die Forderungen nach verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Bundesligastadien wieder laut. Was sagen Klub-Verantwortliche wie Wolfgang Holzhäuser und Fanvertreter dazu?

Interview: Lukas Föhres und Ron Ulrich Bild: Imago
Liga-Experten über neue Sicherheitsmaßnahmen
 ... den personalisierten Eintrittskarten?

Holzhäuser: »Ich halte dies generell für eine sinnige Lösung, da man die Verursacher von Straftaten dadurch dingfest und sie für die verhängten Strafen haftbar machen kann. Auch wenn dies die Vorkommnisse vom letzten Wochenende nicht verhindert hätte.«

Lötzbeier: »Personalisierte Tickets gibt es bei uns nicht. Man muss bei den aktuellen Forderungen auch aufpassen. Es ist wie in der Physik: Druck erzeugt Gegendruck. Deswegen darf man nicht vorschnell Maßnahmen gegen die Fans ergreifen.«

Goll: »Personalisierte Tickets einzuführen wäre Unsinn. Diese Maßnahme würde als  Schikane wahrgenommen, stellt es doch heutzutage in keinem Fußballstadion ein großes Problem dar, jemanden ausfindig zu machen, der straffällig wird.«  

... der Verantwortung der Vereine ?

Holzhäuser: »Die Vereinsverantwortlichen sollten sich nun zusammensetzen. Nicht die Politiker oder Gewerkschaftler, sondern die Verantwortlichen aus den Clubs. Man muss eine Kampagne starten, um den Leuten zu verdeutlichen, wie gefährlich diese Aktionen sind. Hier geht es darum, das Bewusstsein der Fans dahingehend zu schärfen, dass gewaltbereite Zuschauer ausgegrenzt werden müssen. Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten.«

Scheel: »Es gibt Stadionverbotsrichtlinien der Vereine, die richtig sind und greifen. Dennoch sollte zunächst der Dialog im Vordergrund stehen, Aussperren ist nicht die ultimative Lösung.«

Lötzbeier: »Es ist wichtig, mit den Verantwortlichen der Ausschreitungen zu sprechen. Deren Motivation muss man herausfinden und zusammen mit den gemäßigten Fans auf diese Leute einwirken.«

Goll: »Insbesondere Vereine und Fans müssen im Gespräch bleiben. Auf Ultraseite muss es zu einer Klärung kommen, insbesondere was das Verhältnis zur Gewalt angeht. Die Polizei sollte ebenfalls bereit sein, ihre Einsätze selbstkritisch zu reflektieren – und dies nicht nur hinter verschlossenen Türen. Zudem muss die Fanprojektarbeit auf eine angemessene Basis gestellt werden. 90 Hauptamtliche in den bislang 47 Fanprojeken sind zu wenig.«

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