Liebe und Partnerschaft im Fußball

»Daheim ist plötzlich Stille«

Das Liebesleben von Fußballern ist facettenreich wie die Spieler selbst. Treueschwüre mit Anfang 20, Affären mit Ende 60. Was steckt dahinter? Wir sprachen mit Peter Wendl vom Zentralinstitut für Ehe und Familie. Liebe und Partnerschaft im Fußball

Dr. Peter Wendl, sind Profifußballer, die jung heiraten, gerade im Trend?

Genau wie alle anderen Menschen streben auch Fußballer nach Glück und Lebenszufriedenheit im privaten Bereich. Die Werte, die dabei eine Rolle spielen, sind zuallererst in einer gesunden Beziehung zu suchen. Treue, Erlebnisse teilen und verarbeiten, Geborgenheit – das sind Dinge, die für die meisten Menschen eine Partnerschaft ausmachen, quer durch alle Bildungsmilieus und Berufsgruppen. Nur streben Fußballer diese Stabilität in einer Beziehung häufig früher an.

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Was unterscheidet die Beziehung eines Profifußballers von anderen Beziehungen?

Fußballer führen quasi ein Doppelleben. Spitzensportler, die in der Öffentlichkeit stehen und vor Zehntausenden von Zuschauern ihren Beruf ausüben, tun sich häufig schwer, im Privaten zum Alltag überzugehen. Wenn Fußballer nach Hause kommen, die Tür zumachen und sich auf die Couch setzen, haben sie die selben Sorgen und Befürchtungen wie andere auch. Auf einmal haben sie Stille um sich und müssen damit umgehen, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. Dafür brauchen sie von der Partnerin besondere Zuwendung und Verständnis.

Die Spielerfrauen sind also auch therapeutisch gefordert?

So weit würde ich nicht gehen. Allerdings kann das schon zur Belastung werden. Immerhin sind die Partnerinnen von Fußballern auch häufig ein bisschen Beiwerk. Sie müssen sich an der Seite ihres Mannes erst einmal verwirklichen und für sich entscheiden, ob sie nur das brave Mäuschen oder eine eigenständige Person sein wollen.

Leben Profifußballer mit ihren Partnerinnen nach einem bestimmten Beziehungsmodell?

Nein. Man kann nicht von der typischen Fußballbeziehung sprechen. Nur sind die Rahmenbedingungen sehr außergewöhnlich: Junge, sportliche Männer, die von Groupies umgeben sind und von den Medien begleitet werden. Bei der Wahl ihrer Partner müssen Fußballer schon vorsichtiger sein, um die wahre Motivation für eine Beziehung zu erkennen.

Sie spielen darauf an, dass sie ausgenutzt werden könnten.

Die Gefahr ist natürlich da. Und das, verbunden mit dem Wunsch nach Stabilität und Geborgenheit, ist natürlich eine riskante Kombination. Hinzu kommt, dass Fußballer häufig unterwegs sind und deshalb zeitweise immer wieder eine Fernbeziehung führen. Damit die Partnerschaft trotzdem funktioniert, sind Faktoren wie Verbindlichkeit und Verlässlichkeit äußerst wichtig. Mit dem Eheversprechen versuchen Paare, sich dafür einen stabileren Rahmen zu geben.

Dieses Versprechen wird aber häufig nicht sehr lange eingehalten, wenn man sich die Fälle in der Klatschpresse anschaut.


Ich glaube nicht, dass die Scheidungsrate unter Fußballern höher liegt als in anderen stark geforderten Berufsgruppen. Die Fälle werden einfach sehr breit getreten. Was wir allerdings bei Fußballern schon beobachten, ist das, was wir serielle Monogamie nennen. Immer wieder suchen sich Spieler für eine bestimmte Zeit ganz bewusst eine neue Partnerin.

Wie erklären Sie sich das?

Tatsächlich wechseln einige Fußballer mit dem Lebensabschnitt auch ihren Partner. Das Versprechen, lebenslang mit dem Partner zusammen zu sein, ist bei den Fußballern nicht weniger ernst gemeint als bei anderen Paaren. Durch ständige Ortswechsel und den Wechsel des Umfeldes fangen Fußballer allerdings immer wieder ein neues Leben an und können manchmal die gewünschte Stabilität nicht mit in den neuen Abschnitt retten. Die Frau an der Seite kann solche Wechsel auch nicht immer mitmachen. Häufig scheint es für den Fußballer vermeinltich einfacher, sich eine neue Partnerin zu suchen, die ihm Stabilität für den Neuanfang verspricht.

Eine sehr pragmatische Lösung.

Die Fußballer sind Kinder ihrer Zeit. Sie wissen genau, dass es nicht schön ist, wenn Ehen zerbrechen. Trotzdem bedeutet das in der heutigen Zeit nicht das Ende von Partnerschaft und Sexualität.

Aber die eigentlich angestrebte Stabilität ist damit dahin.

Sicherlich. Das sind immer nur kurzfristige Lösungen. Die private Erfüllung in der Beziehung speist sich nur sehr wenig daraus, dass man als Womanizer wahrgenommen wird, in Klubs von Frauen angesprochen wird und in der Öffentlichkeit steht. Deswegen wechseln manche Spieler ihre Partnerinnen, wenn sie einmal angefangen haben, immer häufiger.

Machen sich die Fußballer in diesem Fall etwas vor?

Das ist eine ganz normale Reaktion. Je unsteter das eigene Leben ist, desto mehr strebt man nach Stabilität in der Partnerschaft. Ist die einmal dahin, versucht man, diese Stabilität zu erzwingen, obwohl es manchmal gar keine Grundlage dafür gibt. Spieler, denen von Haus aus sehr familiäre Werte vermittelt wurden, betrifft das weniger. Andere kann das unter Umständen das ganze Leben lang begleiten.


Dr. Peter Wendl
arbeitet für das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Als wissenschaftlicher Projektleiter beschäftigt er sich mit Themen wie »Mobilität und Partnerschaft«. Als Diplom-Theologe und Fußballfan untersucht er gesellschaftliche Rahmenbedingungen für Beziehungen in verschiedenen Berufsgruppen.

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