27.07.2012

Leverkusens Trainertandem Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski im Interview

»Ähnlich wie Klinsmann und Löw«

Sie sind das spannendste Trainerexperiment der kommenden Saison, denn Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski sitzen zusammen als gleichberechtigte Trainer auf der Bank von Bayer Leverkusen. Ein Gespräch über Löw, Klinsmann, Zweifel und die Anfield Road.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski, mal ehrlich, hätten Sie beide im April gedacht, als die Klubführung nach fünf Niederlagen in Folge Robin Dutt entlassen hatte und Hyypiä-Lewandowski als Interimslösung präsentierte, dass Bayer 04 Leverkusen mit Ihnen als Trainerduo auch in die nächste Saison starten könnte?
Hyypiä: Darüber haben wir uns damals keine Gedanken gemacht. Wir hatten den Job für die letzten sechs Spiele bekommen. Keiner wusste, ob das funktioniert, wir ja auch nicht. Wir beide haben damals gesagt, lasst uns jetzt erst einmal diese sechs Spiele abwarten und dann können wir uns zusammensetzen und alles Weitere besprechen.
Lewandowski: Man darf nicht vergessen, dass das damals für alle Beteiligten eine sehr schwierige Situation gewesen ist. Da war die Niederlage gegen Freiburg, die fünfte in Folge, dann kam der Anruf, das Treffen von Sami und mir und am Sonntag schon die Pressekonferenz. Wir setzten uns am Samstag zusammen, lernten uns dabei ja erst einmal kennen und haben dann in nur zwei Tagen einen klaren Plan ausgearbeitet, wie es bis zum Saisonende weitergehen soll. Das war eine hochintensive Phase, in der weitergehende Gedanken gar keinen Platz hatten.

Sami Hyypiä, was wussten Sie bis zum ersten Treffen über Sascha Lewandowski?
Hyypiä: Ehrlich gesagt: nichts. Ich hatte den Namen schon mal gehört, mehr aber auch nicht. Aber ich habe im ersten Gespräch sehr schnell gemerkt, dass wir ähnlich über Fußball denken und dass es auch von der menschlichen Seite her passt.

Wir alle kennen Sami Hyypiä als Spieler auf dem Platz. Sascha Lewandowski, aber was ist er für ein Mensch? Was schätzen Sie an ihm – auch als Trainerkollege?
Hyypiä: (lacht) Soll ich jetzt weghören?

So schlimm wird es schon nicht werden...
Lewandowski: Sami ist ein sehr, sehr ausgeglichener Mensch – im positiven Sinne. Bezogen auf den Fußball hat er sehr genaue Vorstellungen und klare Ideen. Aber man kann mit ihm sehr gut und konstruktiv diskutieren. Sami ist ein absoluter Teamarbeiter, was in dieser Konstellation ja auch wichtig ist. Denn eines ist klar: Das Modell könnte nie funktionieren, wenn einer von uns beiden nur ein bisschen den Zampano spielen wollte.
Hyypiä: Wir ergänzen uns einfach gut. Sascha kann die Dinge zum Beispiel genau auf den Punkt bringen, was mir in der deutschen Sprache natürlich schwerer fällt. Deshalb leitet er auch meistens die Teambesprechungen. Und er verfügt über Erfahrung als Trainer. Da kann ich viel von ihm lernen. Es ist schon beeindruckend, ich habe fast 20 Jahre als Profi unter vielen verschiedenen Trainern gespielt. Aber Sascha kommt immer wieder mit neuen Übungen, die ich noch nicht kenne.
Lewandowski: Andererseits profitiere ich von Samis Erfahrung als extrem erfolgreicher Profi. Er genießt bei den Spielern ein sehr, sehr hohes Ansehen. Wenn Sami etwas sagt, dann hat das ganz einfach Gewicht.

Es ist also später für den Trainerjob doch von Vorteil, wenn man sich als Spieler zuvor einen Namen gemacht hat?
Lewandowski: Ich denke, das erleichtert die Sache manchmal schon. Es ist sicher der beschwerlichere Weg, den Beruf des Fußballtrainers von der Pike auf zu lernen, ohne größere Profi-Erfahrung, so wie ich das gemacht habe.

Hand aufs Herz, wer von Ihnen beiden hat am Ende das letzte Wort?
Lewandowski: Der mit den besseren Argumenten. Wir diskutieren so lange, bis alle von einer Idee überzeugt sind. Und wenn ich wir sage, dann meine ich auch die Co-Trainer Holger Broich und Jan-Moritz Lichte sowie Torwarttrainer David Thiel.
Hyypiä: Bei acht von zehn Punkten sind wir sowieso ganz eng beieinander. Und wo es doch mal unterschiedliche Meinungen gegeben hat, konnten wir uns immer gegenseitig überzeugen.

Bislang mussten Sie als Trainerteam auch noch keine Rückschläge hinnehmen. Hält dieses ungewöhnliche Gebilde auch, wenn es mal nicht so läuft?
Lewandowski: Wir haben doch den absoluten Härtetest schon hinter uns. Als wir die Mannschaft übernahmen, hatte sie fünf Spiele hintereinander verloren. Dazu kamen Verletzungsprobleme. Es ging darum, die Saison noch irgendwie zu retten. Ich denke, eine schwierigere Situation kann es nicht geben.

Das Team hat unter der Führung von Hyypiä/Lewandowski tatsächlich keines der restlichen sechs Spiele verloren und qualifizierte sich als Fünfter direkt für die Europa League. Als Belohnung gab es für Sie beide einen Drei-Jahres-Vertrag.

Hyypiä: Dabei hatten wir uns ja anfangs selbst Gedanken gemacht, ob das wirklich die beste Lösung ist.
Lewandowski: Aber das Schöne ist, dass dann alle – von der Mannschaft, über die sportliche Leitung bis zum Funktionsteam – gesagt haben: Ja, das ist wirklich die beste Lösung für den Verein.

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