22.02.2009

Leverkusens Headscout im Interview

»Wozu Messi beobachten?«

Norbert Ziegler ist »Headscout« bei Bayer Leverkusen. Er entdeckte unter anderem Kirsten, Emerson und Ze Roberto. Wir sprachen mit ihm über seine Methoden, den Charakter eines Fußballers und die Konkurrenz.

Interview: Milan Jaeger Bild: Imago
Norbert Ziegler, welche Spiele stehen diese Woche auf Ihrer Sichtungsliste?

Konkrete Spiele und Spieler nenne ich nie. Aber ich bin im Moment, so viel kann ich Ihnen verraten, in Deutschland unterwegs. 

 

Konkrete Spieler wollen Sie uns wirklich nicht verraten?  

Scouting ist Vertrauenssache. Es ist das A und O für jeden Scout, die Dinge vertraulich zu behandeln, Spielernamen werden Sie mir also nicht entlocken können.   

Sie haben Ihre Arbeit als Chefscout von Bayer 04 Leverkusen kurz vor dem Fall der Mauer begonnen. Beschreiben Sie uns einmal die Stimmung auf dem Transfermarkt, als Ende der 80er Jahre ostdeutsche Spieler den Markt »überfluteten«?  

Dass die Spieler den Markt überflutet hätten, kann man nicht behaupten. Wir mussten uns schon strecken, um an sie heran zu bekommen. Als wir anfingen, ostdeutsche Spieler zu beobachten, war ich einer der ersten Bundesligascouts in der DDR. Die Überflutung haben wir quasi erst eingeleitet. Als schon abzusehen war, dass die Mauer fällt, saß ich mit Rainer Calmund im Berliner Interconti, um die ersten Schritte einzuleiten. Ich habe dann Ulf Kirsten, Andreas Thom und Matthias Sammer noch im normalen Spielbetrieb der DDR beobachtet.   

Andreas Thom und Ulf Kirsten konnten Sie verpflichten. Matthias Sammer haben Sie sicher später die ein oder andere Träne nachgeweint.  

»Niemals weinen« sage ich immer, denn es geht immer weiter. Sportlich wie wirtschaftlich war es sicher sehr schade, dass es mit Sammer nicht geklappt hat, aber Kirsten und Thom waren absolute Volltreffer. Kirsten wurde schließlich der Toptorjäger der 90er Jahre. Es können nicht alle Dinge klappen.   

Wie sind Sie damals vorgegangen, um an die Spieler heranzukommen?  

Irgendwie haben wir immer einen Weg gefunden, um zu den Spielen zu gelangen. Teilweise hatten wir einen Diplomatenpass, aber auch sonst bin ich immer zu den Spielen gekommen. Das schwierigste war oftmals, die Privatadresse der Spieler herauszufinden. Andreas Thom hatte in Ost-Berlin nicht mal eine Hausnummer oder ein Klingelschild. Das war eine echte Denksportaufgabe. Mit der Zeit war ich aber sehr intim mit den Spielern, bin mit ihnen im selben Flugzeug zu Länderspielen geflogen.  

Haben Sie in dieser Zeit keine Scouts von anderen Bundesligavereinen in der DDR getroffen?  

Nein, wir sind damals sehr schnell vorgegangen. Erst beim letzten Länderspiel der DDR gegen Österreich in Wien waren viele Beobachter aus der Bundesliga am Start.   

Die Konkurrenz hat gepennt.  

Rainer Calmund konnte mit seiner Spürnase schnell neue Bereiche ausmachen und dann Tempo reinbringen. Wir waren damals einfach die schnellsten und daraus hat sich unser Konzept entwickelt. Wenn heute z.B. Länderspiele anstehen, setzen wir uns lange vorher zusammen und planen, wer wann wo verantwortlich ist.  

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