12.06.2010

Leichtathlet Edwin Moses über Fußball

»Ich habe keine Ahnung«

Leichtathletik-Legende Edwin Moses ist Teil des deutschen WM-Quartiers in Südafrika – und hat dennoch keinen blassen Schimmer von Fußball. Was WM-Reporter Tim Jürgens nicht davon abhielt, trotzdem mit darüber zu sprechen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Leichtathlet Edwin Moses über Fußball
Edwin Moses hat wirklich Sportsgeist. Als Vorsitzender der Laureus World Sports Academy unterstützt er weltweit mit Sportintiativen sozial benachteiligte Menschen. Der Automobilsponsor der deutschen Nationalmannschaft unterstützt die Laureus Academy. Und so kommt es, dass der zweimalige Olympiasieger über 400-Meter-Hürden an einem WM-Mittwoch im deutschen Lager neben Jogi Löw und Franz Beckenbauer auf der Bühne bei der Pressekonferenz sitzt. Er macht auf sein Anliegen aufmerksam und hört sich dann eine geschlagene Stunde die Marginalien der deutschen Fußball-Schickeria an. Hinterher wollen alle Fotos vom Bundestrainer mit dem Kaiser. Höflich nehmen die beiden Moses mit aufs Bild, doch ein Fotograf ruft: »Jetzt bitte noch einmal ohne Herrn Moses.«
Zeit für ein kurzes Interview mit ihm.



Edwin Moses, Zeit für ein kurzes Gespräch zum Thema Fußball?

Ehrlich gesagt, ich habe überhaupt keine Ahnung davon.

Aber Sie sind immerhin zur WM nach Südafrika angereist.

Mit der Laureus Initiative nutzen wir die großen Sportevents, um auf unsere sozialen Programme aufmerksam zu machen. Wir bekommen dabei sowohl vom US-Team als auch von den deutschen und englischen Mannschaft Unterstützung. Das ist meine Mission hier im deutschen Lager.

Franz Beckenbauer hat auch mal in den USA gespielt.

Ja, daran erinnere ich mich, ich war war auf dem College als Pele, Giorgio Chinaglia und Beckenbauer zu den Cosmos kamen. Aber ganz ehrlich: Ich habe nie ein Spiel von denen gesehen.

Sagen Sie bloß, Sie haben noch nie ein Spiel live gesehen.

Natürlich, wenn man sich sportlich engagiert, wird man automatisch mal mitgenommen. Meistens in Europa miterlebt: bei Inter Milan, Juventus, bei den Bayern.

Gibt es überhaupt eine Sportart, die Sie neben der Leichtathletik verfolgen.

Wissen Sie, ich reise sehr viel, deshalb ist es schwierig Spieltag für Spieltag einer Saison zu folgen und dranzubleiben. Aber klar: Mein Sport ist Basketball.

In Ihrer aktiven Zeit war der Deutsche Harald Schmid Ihr großer Rivale auf der 400-Meter-Hürden-Strecke. Im Fußball spricht man von deutschen Tugenden. Konnten Sie diese auch bei dem Athleten Schmid entdecken?

Harald war stets optimal vorbereitet, sein Training war sehr diszipliniert und lief nach einem ausgeklügelten System ab. Das ist auch beim deutschen Team nicht anders. Die können auf Superstars verzichten, weil sie sehr diszipliniert arbeiten und sich stets auf ihre gute Vorarbeit verlassen können.

Was wird die WM in Südafrika dem Land bringen?

Sie hatten viel Zeit sich vorzubereiten, das Land befindet sich immer noch in dem fundamentalen Wandel, der 1995 begonnen hat. Alle sind sehr euphorisch wegen des Turniers. Ich hoffe, die WM wird dafür sorgen, dass sich die Hoffnungen der Menschen auf mehr Wohlstand und weniger sozialer Ungerechtigkeit zunehmend erfüllen.
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