Sie haben mal gesagt, dass heute in der Jugendarbeit vieles anders läuft. Was meinten Sie damit?Lars Ricken: Die Infrastruktur ist viel besser. Ich musste mich früher immer erst erkundigen, wo das nächste Training stattfinden würde. Und die Umkleidekabinen waren dort teilweise so schlecht, dass der Pilz von der Decke kam. Heutzutage haben wir ein modernes Trainingsgelände mitsamt beheizbarem Kunstrasenplatz. Es gibt einen Kraft- und Fitnessraum. Außerdem ist das Training besser, individueller geworden. Es gibt neben dem Trainer und dem Co-Trainer jetzt auch Athletiktrainer für die Jugendspieler.
Auch Berater sind heute wesentlich präsenter als früher. Wie sehr stört Sie das bei Ihrer Arbeit?Lars Ricken: Ich habe vor kurzem mit den Eltern der U14-Mannschaft gesprochen und ihnen gesagt: »Wenn euer Sohn auffällig spielt, bekommt ihr bald Anrufe von Beratern. Und zwar nicht nur einen, sondern ganz viele.« Das Beste ist es, wenn die Eltern sich selber um die Karriere ihres Sohnes kümmern.
Warum nehmen sich dann trotzdem viele junge Spieler einen Berater?Lars Ricken: Weil es sexy ist zu sagen: »Ich habe einen Berater.« Sowohl für Spieler, als auch für Eltern. Sie können natürlich gerne ihren Berater haben. Aber dann sollen sie sich zu Hause mit ihm besprechen. Bei uns sitzt kein 14-Jähriger mit seinem Berater am Tisch. So etwas machen wir erst ab dem U17- oder U19-Bereich.
Die aktuellen Jugendspieler sind angeblich erwachsener als ihre Vorgänger. Können Sie auch besser mit den Medien umgehen als Sie seinerzeit?Lars Ricken: Definitiv. Sie wachsen in diese Medienwelt hinein und können sich an Spielern orientieren, die ähnliches erlebt haben. Mehmet Scholl und ich waren ja in den Neunzigern die Ersten »Teenie-Fußballpopstars«. Es wusste in den Vereinen niemand, wie man damit umgehen sollte. Ich habe mich damals mit einer Band von Bekannten ablichten lassen und gesungen. So etwas würde heute kein Jungprofi mehr machen. Nach drei schlechten Spielen wird dir so etwas direkt um die Ohren gehauen. Ein Mario Götze kann heute von Jürgen Klopp und Michael Zorc ganz anders abgeschirmt und geschützt werden als vor 15 Jahren.
Was passiert, wenn der BVB jetzt wieder so erfolgreich wird, dass er die Jugendarbeit nicht mehr braucht?Lars Ricken: Es wird keinen Philosophiewechsel wie auf Schalke geben, wo man sich mit einer jungen Mannschaft für die Champions League qualifiziert hat und dann der große Umbruch kam. Bei uns werden nicht auf einmal fünf 30-Jährige gestandene Profis verpflichtet. Wir werden weiterhin auf junge Talente und unsere eigenen Jugendspieler setzen.