01.04.2011

Lars Ricken über die Jugendarbeit beim BVB

»Es klingt sexy, einen Berater zu haben«

Einst echauffierte sich Lars Ricken über die »Typen in Nadelstreifen«, heute ist er selbst Funktionär. Wir sprachen mit ihm über die Wichtigkeit einer Schulausbildung, die Entwicklung von Mario Götze und warum Spieler schon mit 14 einen Berater haben.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Lars Ricken, Sie waren 15 Jahre Profi bei Borussia Dortmund. Heute arbeiten Sie als Nachwuchskoordinator. Zieht es Sie nicht manchmal zurück auf den Platz?

Lars Ricken: Ich mache immer noch Sport, fahre Fahrrad, gehe ins Fitnessstudio. Aber der Zweikampf mit einem anderen Spieler, in dem es darum geht, schneller, besser oder genauer als der Gegner zu sein, der fehlt mir schon.



Fiel es Ihnen schwer, sich an das Funktionärsleben zu gewöhnen?

Lars Ricken: Das hat mich ja nicht von heute auf morgen überfallen. Ich konnte mich darauf einstimmen. Zuletzt habe ich nur noch in der zweiten Mannschaft des BVB gespielt, und auch während meiner Karriere habe ich stets an die Zeit danach gedacht.

Was ist Ihr Aufgabengebiet als Nachwuchskoordinator?

Lars Ricken: Das ist sehr breit gefächert. Zum einen bin ich so eine Art »Troubleshooter«, ein Mädchen für alles. Manchmal helfe ich bei der Vergabe von VIP-Bändchen, dann wieder bei der Budgetplanung für den Jugendbereich. Eigentlich bin ich aber vor allem Schnittstelle zwischen den Profis und der Nachwuchsabteilung. Zusammen mit den Jugendtrainern schlage ich Spieler vor, die mal bei den Profis mittrainieren dürfen, damit Jürgen Klopp sie besser kennenlernt. Außerdem sind da natürlich die Vertragsgespräche mit den Jugendspielern. Schließlich hat mittlerweile fast jeder Spieler einen Berater.

Das hört sich nach einem Vollzeitjob an.

Lars Ricken: Die Arbeitszeiten eines Fußballprofis sind natürlich angenehmer (lacht). Aber die Arbeit als Nachwuchskoordinator ist für mich keine Last.

Eine Ihrer ersten Amtshandlungen war es, 2009 den frühreifen Mario Götze von der U17 in die U19 zu versetzen.

Lars Ricken: Das stimmt. Aber ich werde mir jetzt sicherlich nicht die Entdeckung von Mario Götze auf die Fahnen schreiben. Er war damals schon als Top-Talent bekannt. Also habe ich ihn zusammen mit den Jugendtrainern hochgezogen. Weil er bei der U19 auch sehr gut zu recht kam, haben wir ihn zu den Profis geschickt, wenn er neben der Schule mal Zeit hatte.

Wie wichtig ist es, neben der Fußballkarriere zur Schule zu gehen?

Lars Ricken: Das ist mir persönlich sehr wichtig. Schließlich schafft die überragende Mehrheit aller Spieler nicht den Sprung in den Profibereich. Deshalb wollen wir natürlich dafür sorgen, dass unsere Spieler eine gute schulische oder betriebliche Ausbildung bekommen.

Wie kann ein Verein das gewährleisten?

Lars Ricken: Wir stehen im engen Kontakt mit den Schulen. Und wenn es bei einem nicht gut läuft, gehe ich auch schon mal zum Direktor und spreche mit ihm über den Spieler. Wenn ein Spieler weiß, dass er auch in der Schule gute Leistungen bringen muss, um beim BVB zu spielen, wirkt das manchmal Wunder.

Ist es überhaupt möglich, Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen?

Lars Ricken: Wenn die Junioren-Nationalmannschaften hinzukommen, wird es schwierig. Mario Götze hatte deshalb einmal 200 entschuldigte Fehlstunden. Da muss ein Spieler also viel Disziplin mitbringen, um das Abitur zu schaffen.

Schlagen Sie nicht die Hände über dem Kopf zusammen, wenn einem Julian Draxler dazu geraten wird, die Schule abzubrechen?

Lars Ricken: Ich würde es zumindest keinem empfehlen. Denn unabhängig vom sportlichen Potenzial kann dir immer jemand in die Knochen springen. Dann ist es wichtig, das Abitur oder eine Ausbildung in der Tasche zu haben. Letztlich ist es aber natürlich die Entscheidung des Spielers.

Sie haben sich damals für das Abitur entschieden.

Lars Ricken: Ganz bewusst. Aber man braucht natürlich auch einen Trainer, der den Schulbesuch ermöglicht. Ich habe zweieinhalb Jahre lang, während meiner Zeit in der Profimannschaft, am Abitur gearbeitet. Das ging aber nur, weil Ottmar Hitzfeld das möglich gemacht hat. Er hat das Vormittagstraining für mich auf den Nachmittag gelegt, damit ich morgens zur Schule gehen konnte.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden