01.11.2011

Lars Ricken über das Spiel seines Lebens

»Schieß - von wo auch immer«

Mit dem Tor des Jahres 1997 schoss Lars Ricken Borussia Dortmund zum Champions League-Gewinn gegen Juventus Turin. Ein Gespräch über Peruzzis permanente Flucht aus dem Gehäuse und den geplanten 30-Meter-Heber.

Interview: Daniel Wehner Bild: imago

Lars Ricken, Sie werden regelmäßig mit dem Champions League-Finale gegen Juventus Turin konfrontiert. Gibt es bei solchen Anfragen bestimmte Fragen, die Sie besonders stören?
Das würde ich nicht sagen. Aber es ist ganz interessant, dass ich immer wieder gefragt werde, wie oft ich mir das Tor zum 3:1 angeschaut habe. Anscheinend sind manche Menschen der Meinung, dass ich mir das Tor nachts ansehe, damit ich besser schlafen kann.

Wie ist es mit Fragen zur konkreten Spielsituation vor dem Tor?
Ich werde häufig gefragt, wie oft ich die Geschichte dieses Tores schon erzählen musste. Dabei ist es doch so, dass jeder die Geschichte des Tores gesehen hat. Daher ist es meistens genau umgekehrt: Ich muss nicht meine Geschichte erzählen, sondern die Leute erzählen mir, wie sie das Tor erlebt haben.

Ist Ihnen eine der Geschichten besonders in Erinnerung geblieben?
Ein Fan hat mir erzählt, wie sehr er mich für meinen Schuss verflucht hat. »So ein Idiot, wie kann der aus dieser Situation aufs Tor schießen«, hat er gewütet und sich abwinkend weggedreht. Wenige Sekunden später brach der Jubel los und seine Freunde und er lagen quer übereinander. Das ist für mich die größtmögliche Bestätigung: Mit einem Tor habe ich den Menschen einen unvergesslichen Augenblick beschert.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie vor ihrem Tor von der Bank aus beobachtet haben, dass Peruzzi oft zu weit vor seinem Kasten stand. Das heißt, Sie hatten diesen 30-Meter-Heber von der Bank aus geplant?
Vor der Halbzeit gab es eine Situation, in der er sich rund 30 Meter von seinem Gehäuse entfernt hatte. Als ich das von der Bank aus sah, habe ich gesagt, dass ich den Ball bei meinem ersten Ballkontakt blind draufhaue.

Ganz so blind geschossen sah der Heber später nicht aus.
Andreas Möller hatte mich ein paar Sekunden nach meiner Einwechslung so frei gespielt, dass ich nicht mehr blind draufhauen musste. In dieser Situation war der Distanzschuss die beste Variante. Aber ich hatte schon die ganze Zeit im Hinterkopf: Schieß – von wo auch immer.

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