19.10.2011

Lars Leese über sein Praktikum beim FC Valencia

»Das würde hier keiner mitmachen«

Lars Leese stieg einst vom Kreisligatorwart in die Premier League auf. Heute arbeitet er als Trainer und machte vor kurzem ein Praktikum beim FC Valenica. Ein Gespräch über Plastikfiguren, ungeliebte Trainer und Bratwurst.

Interview: Ronald Reng Bild: Imago
Lars Leese, wie kommt ein deutscher Oberliga-Coach als Trainer-Praktikant zum FC Valencia?

Lars Leese: Mit dem Flugzeug.

Da waren Sie aber erst am Flughafen Valencia, noch nicht beim Dritten der spanischen Liga.

Lars Leese: Als Trainer der Oberliga-Elf von Bergisch Gladbach hatte ich einmal einen spanischen Stürmer, Juan Monar. Er ist nun Assistenztrainer bei einem Drittligisten nahe Valencia und war meine Eintrittskarte zum einwöchigen Trainingsstudium beim FC Valencia.



Sie haben mit 42 Jahren als Jungtrainer bislang nur Bergisch Gladbach trainiert, dort im Sommer sogar freiwillig aufgehört – normal ist es nicht, dass Trainer von Erkenschwick oder Eschborn beim FC Valencia aufkreuzen, oder?

Lars Leese: Ich habe einfach das Gefühl: Trainer sein, das ist das Größte. Deshalb betreibe ich meinen Traum, einmal ein Profiteam zu trainieren, mit einem Enthusiasmus und Engagement, der eventuell leicht überproportional anmutet, wenn man sieht: Aber der war bislang nur in der Oberliga! Doch für gewöhnliche Profispieler wie mich ist es das normale Los, als Trainer so weit unten anzufangen. Du musst dich hocharbeiten, hundertmal beweisen, dass du als Trainer besser bist als du als Torwart warst.

Beim FC Barcelona waren Sie auch schon.

Lars Leese: Da stand ich dann eine Woche neben dem anderen Trainer-Praktikanten: Claudio Ranieri. Er war gerade bei Chelsea entlassen worden. Ich war mit Bergisch Gladbach gerade von der sechsten in die fünfte Liga aufgestiegen.

Sie haben sich sicher gut verstanden. Was aber lernt ein Trainer bei solchen Praktika? Wird in Valencia wirklich anders trainiert als in der Bundesliga?

Lars Leese: Ich glaube, so wie in Valencia könnte man in Deutschland gar nicht trainieren. Das würden die Spieler nicht mitmachen. Der Trainer dort, Unai Emery, trainiert unglaublich akribisch Taktik. Mehrmals die Woche wiederholen die Spieler anderthalb Stunden lang dieselben Spielzüge, nur mit Plastikfiguren als Gegner. Und alle fünf Sekunden ein Pfiff oder ein Schrei vom Trainer: Stopp! Dann wird ein Spieler einen halben Meter verschoben.

Und dabei heißt es immer, die spanische Schule, das sei das totale Ballspiel.

Lars Leese: Bei Barça und Villarreal wird sehr viel mit Spielen auf kleinen Feldern trainiert, und weil Barça so erfolgreich ist, gilt es als stilbildend für Spanien. Valencia aber ist etwas ganz anderes: Die sind oft eine Stunde im Kraftraum, bevor sie anderthalb Stunden auf den Platz dürfen.

Valencia spielt auch anders als das, was man als spanischen Fußball bezeichnet?

Lars Leese: Valenica ist zwar technisch stark, aber es lässt den Ball nicht ewig zirkulieren wie Barça, sondern macht, was die meisten von Bayern bis Usbekistan tun: bei Ballbesitz sofort nach vorne stechen. Wenige spielen dabei so schnell, so vertikal wie Valencia. Das einzige, was an Barça erinnert, sind die extrem aufrückenden Außenverteidiger. Wird der Ball aus der eigenen Abwehr gespielt, stehen die schon in Gegners Hälfte, fünf Meter an ihrem eigenen Außenstürmer. Der defensive Mittelfeldspieler spielt den Außenstürmer an, und in seinem Rücken zieht der Außenverteidiger los, hinter die gegnerische Abwehr.

Moment, nicht so schnell, Sie reden ja mit uns schon wie mit Ranieri.

Lars Leese: Entschuldigung. Es ist auf jeden Fall eine Elf auf dem Niveau von Leverkusen. In Roberto Soldado haben sie einen Stürmer, der jedem Gegner richtig weh tut.

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