21.09.2008

Kuntz und Koller im Interview

„Er will, ich will“

Stefan Kuntz und Marcel Koller haben dem VfL Bochum mit Platz 8 eine der erfolgreichsten Spielzeiten seiner Geschichte beschert. Hier erklären Manager und Trainer, wie sie das gemacht haben – und ob vielleicht sogar mehr drin ist.

Interview: Jens Kirschneck und Thorsten Schaar Bild: Imago
Hatten Sie beide eigentlich Manschetten vor dieser Saison? Wie sich der Weggang von drei Korsettstangen wie Gekas, Misimovic und Drobny auswirkt, ist ja nicht so einfach vorauszusehen.

Kuntz: Bei Misimovic und Gekas wussten wir es ja schon relativ lange. Marcel kam dann auf die Idee, den VfL mit neuen Spielertypen und einer anderen Spielanlage nach vorne zu bringen. Wir waren beide davon überzeugt, dass es mit den beiden in dieser Saison nicht noch einmal so gut geklappt hätte. Wir waren zuletzt sehr ausrechenbar. Jetzt haben wir bereits neun Torschützen und das Spiel ist auf mehrere Schultern verteilt.

Aber Sie konnten gewiss nicht sicher sein, dass diese Umstellung auch ohne weiteres funktioniert.


Koller: Wenn Bremen einen Carlos Alberto für acht Millionen holt, können sie auch nicht sicher sein, ob es passt. Braucht er mehr Zeit, braucht er vielleicht ein Jahr? Wenn einer acht Millionen kostet, wird er schon was können, sie werden ihn ja über einen längeren Zeitraum beobachtet haben. Bei uns haben alle zusammen nicht so viel gekostet, aber was sie wirklich bringen, weißt du ohnehin erst, wenn du mit ihnen zusammenarbeitest.

Würden Sie dennoch zustimmen, dass ein Umbruch, wie Sie ihn gerade bewältigt haben, besonders riskant ist?

Kuntz: Wir waren sicher, dass wir uns in der Breite verbessern würden. Entscheidend ist, dass ich Marcels Arbeitsweise inzwischen gut einschätzen kann. Stanislav Sestak etwa ist ein sensibler Spieler. Da weiß ich, dass der bei Marcel gut aufgehoben ist. Spieler, die ein gewisses Grundpotenzial haben, bringt er weiter nach vorne und näher an die Bundesliga heran. Ich weiß auch, dass er gerne mal einen für vier Millionen holen würde, von dem er weiß: Dem muss ich nicht mehr alles erklären.

Hand aufs Herz: Wen würden Sie denn nehmen, wenn man Ihnen einen spendiert, Herr Koller?

Koller: Vier, fünf Millionen, da könnte man schon mal nachdenken. Aber es bringt ja nichts, wenn ich Ihnen jetzt einen Namen nenne.

Kuntz: Neulich haben wir über Yassine Chikhaoui vom FC Zürich gesprochen. Wir kriegen in solchen Momenten glänzende Augen und träumen – und eine Woche später steht in der Zeitung, dass sich Bayern, Bremen und Dortmund um den bemühen.

Und dann legt man das mit einem Seufzer zu den Akten?

Kuntz: Ja, dann kann man sich höchstens noch freuen, dass man eine ähnliche Idee gehabt hat.

Also sind sie darauf angewiesen, Spieler wie Sestak zu entdecken, der glänzend eingeschlagen ist. Mal ganz konkret: Wie kommt man auf so einen?

Kuntz: Wenn man uns beide zusammen nimmt, haben wir natürlich ein recht großes Netzwerk. Sind wir erst einmal nah dran an dem, was wir suchen, schaut sich Marcel den Spieler an. Wenn wir dann immer noch glauben, dass der uns weiterbringt, gehe ich auf die Reise. Dann gucken wir, ob das finanziell im Rahmen ist, und ich versuche, möglichst viel über den Charakter rauszukriegen und noch mehr Informationen zu sammeln.

Koller: Aber das Wichtigste ist immer noch die fußballerische Qualität. Schnelligkeit und Technik sind mir sehr wichtig. Wenn die Qualität nicht reicht, helfen die anderen Sachen auch nicht.

Diesmal scheint Ihr Casting wieder gut funktioniert zu haben.


Kuntz: Wenn man es mit anderen Klubs vergleicht, haben wir eine unglaublich schnelle Integration neuer Spieler. Ich glaube, dass das auch das Ansehen des VfL Bochum im Ausland ausmacht. Die Spieler wissen mittlerweile: Dort holen sie das Beste aus dir heraus. Andererseits scheitern wir derzeit noch bei den deutschen Profis. Die drei, die wir vor der Saison gerne verpflichtet hätten, sind dahin gegangen, wo es mehr Geld gibt.

Wie definieren Sie das Ziel Ihrer Arbeit?

Kuntz: Unsere Aufgabe ist es, den durchschnittlichen Erfolg zu verbessern und Ausreißer nach unten zu verhindern. Ausreißer nach oben sind natürlich gerne genommen. Wir würden auch mal gerne eine Trophäe im Schrank aufstellen. Es gibt ja den alten Witz mit der Zigarettenpackung (Leiht sich eine Packung vom Pressesprecher und schiebt die durchsichtige Folie hoch, so dass ein Hohlraum entsteht) Was ist das? (Pause) Der Trophäenschrank des VfL Bochum. Über diesen Witz ärgern wir uns natürlich.

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