KSV Hessen Kassel in Tadschikistan

»Quasi Staatsgäste«

Zahlreiche deutsche Klubs weilten zur Saisonvorbereitung in Trentino oder Norderney. Der KSV Hessen Kassel indes absolvierte sein Trainingslager in Tadschikistan. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Albrecht Striegel. KSV Hessen Kassel in Tadschikistan Imago

Albrecht Striegel, wie kamen Sie auf solch einen ausgefallen Ort für ein Trainingslager?

Wir sind einer Einladung eines Sponsors gefolgt. Ursprünglich sollte es nur ein Freundschaftsspiel gegen FK Istiqiol Dushanbe geben, doch unser Trainer Mirko Dickhaut war der Meinung, dass sich die weite Reise dafür nicht lohnen würde. So ist daraus das diesjährige Trainingslager entstanden. Diese Reise wurde auch dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund angeboten, doch die Klubs sagten ab. Also griff der KSV zu. Somit sind wir der erste westeuropäische Verein, der jemals in Tadschikistan gespielt hat.

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Wie waren die Trainingsbedingungen vor Ort?

Wir haben im Nationalstadion in Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, trainiert. Dort waren die Bedingungen eigentlich in Ordnung. Die Trainingsbedingungen haben zu 90 Prozent den Standard erreicht, den wir auch in Deutschland vorgefunden hätten. Aber wenn man Kondition trainieren will, ist es fast egal, wo man laufen geht. Nur die Hitze hat unseren Spielern sehr zugesetzt. Es waren teilweise über 40 Grad – in Kassel kennt man das anders.

Wie war die Zusammenarbeit mit den dortigen Verantwortlichen des Vereins?


Wir mussten uns erst einmal an die Mentalität gewöhnen. Wenn man abends dem Platzwart gesagt hat, dass man am nächsten morgen zwei Tore braucht, konnte man nicht davon ausgehen, dass auch Netze vorhanden sind. Als wir zusätzlich ein drittes Tor benötigten, wurde kurzer Hand mit Hilfe von etwa 20 Leuten ein massives Stahltor herangeschleppt. Dennoch muss man sagen: Alle Leute dort waren sehr hilfsbereit und wir wurden gut umsorgt.

Wo sind Sie mit der Mannschaft untergekommen?

Wir waren im hiesigen Fünf-Sterne-Hotel untergebracht. Dieses lag direkt an der Straße, wo auch das Nationalstadion ist. Also hätten wir einfach nur über die Straße laufen müssen und wären auf unserem Trainingsgelände gewesen – doch uns wurde ein Bus für diese Strecke zur Verfügung gestellt.

Das klingt alles sehr luxoriös.

War es auch. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen wurden wir von hunderten Fans empfangen, die alle »Hessen Kassel« riefen. Das Staatsfernsehen hat live von unserer Ankunft berichtet. Wir waren quasi Staatsgäste. Zum Beispiel waren wir zu einem Besuch in der Datscha von Rustami Emomali, dem Sohn des Staatspräsidenten, eingeladen. Dorthin sind wir mit einem Konvoi aus abgedunkelten Luxuskarossen durch das bergige Gebirge gefahren, um schließlich in einer palastgleichen Datscha ein opulentes Abendessen vorzufinden.

Solch eine weite Reise ist gewiss eine kostspielige Angelegenheit für einen relativ kleinen Verein wie Hessen Kassel. Haben Sie sich dadurch in Unkosten gestürzt?


Nein, wir waren zu Gast und sind der Einladung der Tadschiken gefolgt. Dadurch sind kaum Kosten für uns entstanden.  

Wie haben die Spieler dieses außergewöhnliche Trainingslager erlebt?

Keiner von uns hatte vorher dieses Land bereist und so war es eine tolle Erfahrung. Auch wenn manche der Spieler mit dem Essen zu kämpfen hatten und sie sich mit den gewohnten Magen-Darm-Problemen auseinander setzen mussten. Aber gerade weil wir nach der letzten Saison viele Spieler abgegeben haben und mit einem sehr jungen und frischen Team nach Tadschikistan gereist sind, war dies eine sehr gute Teambuilding-Maßname. So eine einzigartige Erfahrung schweißt natürlich zusammen. Ich habe eigentlich nur gutes Feedback bekommen und ich glaube, dass manche Spieler auch den Trubel, der um uns entstanden ist, ein bisschen genossen haben.

Es kam auch zu dem Freundschaftsspiel gegen den FK Istiqiol Dushanbe, das ursprünglich der Hauptgrund der Reise war. Wie ist dieses Spiel abgelaufen?


Die Stimmung war toll. Wir haben vor 17.000 Zuschauern gespielt, sie hatten sogar offizielle Fifa-Schiedsrichter organisiert und vor dem Anpfiff wurde die deutsche Nationalhymne gespielt. Natürlich waren wir der Mannschaft des FK Istiqiol Dushanbe überlegen. Das Team spielt auf dem Niveau eines besseren Oberligisten. Wären wir in unserer normalen Verfassung gewesen, hätten wir sie zweistellig aus dem Stadion geschossen. So ist das Spiel 3:1 ausgegangen.

Tadschikistan gilt als eines der ärmsten Länder der Welt.
Haben Sie etwas von der Kultur abseits des Luxushotels und des Trainingsplatzes mitbekommen?

Wir waren natürlich ziemlich verwöhnt, doch ein paar Mal haben wir uns die umliegende Gegend angeschaut und auch die Armut mitbekommen. Doch meistens waren wir mit Fußball und der Vorbereitung auf die Saison beschäftigt.  

Stehen Sie noch in Kontakt mit Ihren Gastgebern? 


Ja, ich habe mich erst kürzlich mit Rustam Avganov getroffen, der mir eine DVD mit den Aufnahmen des Tajikischen Staatsfernsehens überreicht hat.

Und somit steht auch schon das Trainingslager für die nächste Saison fest? 

Nein, das Trainigslager für die kommende Saison steht noch nicht fest. Wir warten noch ab, ob eine Einladung von den Malediven kommt.

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