25.06.2013

Kritik an der WM 2014 wächst

»Ein Kampf gegen die Fifa ist wie David gegen Goliath«

Am vergangenen Wochenende tanzte ein animierter Sepp Blatter über die Fifa-Homepage, während darüber der Slogan »Für eine faire WM!« prangte. War die Seite des Fußballweltverbands gehackt worden? Wir fragten nach bei Solidar Suisse, den Urhebern der Aktion.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Andrea Arezina, seit dem Wochenende kursiert eine Seite im Netz, die exakt wie die offizielle Homepage der Fifa aussieht und auf der animierter Sepp Blatter über den Bildschirm tanzt. Viele Leute vermuteten einen Hacker-Angriff.
So ist es ja auch.
 
Auf fifa.com ist alles wie immer.
Gut, wir nennen unsere Aktion einen Samba-Hack, andere haben von einem Fifa-Hack gesprochen. Auf unserer Seite fifa-brazil-2014.com ist keine Kopie der Fifa-Seite zu sehen, sondern stets die aktuelle Version, die von unserer Seite überlagert wird. Letztendlich ging es darum, Aufmerksamkeit zu schaffen – und das haben wir geschafft. Wir sehen es so, dass wir wortwörtlich auf der Fifa-Seite demonstrieren, einfach online.


 
Ihre Organisation »Solidar Suisse« hat sich am Montag mit Sepp Blatter getroffen. Hat er mit Ihnen über Ihre Forderungen diskutiert?
Es ging zunächst um eine Petition, die wir der Fifa mit Ihrer Genehmigung überreichen wollten. Der Verband hatte uns informiert, dass der Generalsekretär sie in Empfang nehmen würde – wir waren sehr erstaunt, als Sepp Blatter selbst dort stand.
 
Was ist das für eine Petition?
Wir haben vor einem Jahr eine Aktion unter dem Slogan »Pfeifen Sie Sepp Blatter Ihre Meinung« lanciert. Wir haben darin eine faire Weltmeisterschaft 2014 gefordert.
 
Was heißt das konkret?
Keine Menschenrechtsverletzungen, keine Vertreibungen, keine Steuergeschenke für die Fifa. Wir haben im Internet 28.000 Stimmen für diese Petition zusammen.
 
War diese Petition der Startschuss für Ihre Kritik an der Fifa?
Nein, »Solidar Suisse« hat sich auch schon zur WM 2010 kritisch mit der Fifa auseinandergesetzt. Auch damals wusste man schon im Vorfeld, was dem Land nach der WM droht. Und es kam, wie wir es prophezeit hatten: Südafrika sitzt momentan auf einem Schuldenberg von 3 Milliarden Euro.
 
Die Fifa behauptet, eine WM bringe einem Land nur Vorteile.
Vor den Turnieren wird überall darüber gesprochen, wie sehr ein solches Turnier einem Land Geld, Renommee und Arbeitsplätze verschafft. Doch das ist ein Trugschluss. Zunächst investiert das Land immense Summen. Brasilien kostet die WM etwa 14,5 Milliarden Dollar – soviel kosten Flughäfen, Stadien und Transportsysteme. Damit ist das Turnier in Brasilien dreimal so teuer wie die WM in Deutschland – sie ist die teuerste aller Zeiten. Zudem verpflichtet sich ein Land zu zahlreichen Fifa-Standards, wenn es eine WM austragen will. Das Beispiel der Stadien zeigt es am anschaulichsten: In Südafrika verwaisen momentan die WM-Arenen, in Brasilien wird es genauso sein. Ein weiteres großes Problem ist, dass die Fifa und sämtliche WM-Sponsoren keine Steuern in dem jeweiligen Land zahlen müssen. Die Steuerverluste für Brasilien werden auf 680 Millionen Dollar geschätzt.
 
Woher beziehen Sie Ihre Daten? Sind Sie vor Ort?
Natürlich. In Südafrika hat »Solidar« eh Entwicklungsprojekte, von daher sind wir dort seit jeher sehr aktiv. Ob wir nach Brasilien fliegen, ist noch offen. Wir arbeiten dort aber mit Gewerkschaften und Volkskomitees zusammen, die sich für eine faire WM einsetzen.
 
Wie bekommen Sie aktuell Ihre Informationen über die Verhältnisse in Brasilien?
Über die Medien, persönliche Kontakte und Gewerkschaften der verschiedenen Industriezweige. So wissen wir, wie es momentan auf den Baustellen oder bei den Straßenhändlern zugeht. Für viele fliegende Händler sind etwa die Verkaufslizenzen nicht verlängert worden. Das gilt vor allem für solche Händler, die ihre Ware bislang dort verkauft haben, wo die Stadien stehen.

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