15.01.2011

»Kraft spielt etwas besser als Oliver Kahn«

Wie haben Sie Thomas Kraft entdeckt, Peter Gänßler?

Heute debütiert Thomas Kraft als offizielle Nummer eins im Tor des FC Bayern München. Wir sprachen mit seinem Entdecker Peter Gänßler über Extraschichten beim Dorfklub, Oliver Kahn und die Ankunft in der Bundesliga.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Peter Gänßler, Thomas Kraft kam 2004 von der SG 06 Betzdorf zum FC Bayern. Der Kontakt bestand aber schon früher. Wie reagierte Kraft, als er vom Interesse des FC Bayern erfuhr?

Peter Gänßler: Er hat sich gefreut. Später hat er mir sogar einen Brief geschrieben und mir dafür gedankt, dass ich ihn für die Bayern empfohlen habe.



Sind Sie stolz darauf, Thomas Kraft entdeckt zu haben?

Peter Gänßler: Da lassen wir mal die Kirche im Dorf. An seiner Entwicklung waren viele beteiligt. Bayern-München-Chefscout Wolfgang Dremmler, Stefan Beckenbauer, sein Trainer in der Jugend des FC Bayern und natürlich Torwarttrainer Bernd Dreher. Da muss ich mich einreihen.

Aber Sie haben ihn als Erster gesehen.

Peter Gänßler: Das stimmt, er war sogar meine erste Empfehlung als Scout überhaupt. Ich habe ihn ein paar mal bei der Landesauswahl Rheinland-Pfalz beobachtet. Später bin ich dann nach Betzdorf gefahren, wo er damals gespielt hat. Da hat der Bursche auf einmal im Feld gespielt, weil nicht genug Leute da waren! Er war ein prächtiger Stürmer. Engagiert, konnte den Ball halten, ein echter Draufgänger. Das merkt man auch seinem Torwartspiel an. Er ist ein spielerischer Torwart und haut kaum mal einen Ball weg.

Und wie haben Sie ihn zum FC Bayern gelotst?

Peter Gänßler: Ich hatte schnell Kontakt zu seiner sehr herzlichen Familie. Da hat alles gepasst. Thomas war immer sehr fleißig. Er ist drei Mal nach München gefahren, um zu zeigen was er kann. Beim ersten Mal war er leider verletzt, aber Bernd Dreher und Wolfgang Dremmler haben an ihm festgehalten. Im Mai 2003 habe ich ihn dann zu Hause besucht. Ich musste ihm sagen, dass der FC Bayern ihn noch ein Jahr in Betzdorf spielen lassen möchte.

Klingt ja ganz einfach.

Peter Gänßler: Wir hatten dieses Vorgehen 2003 mit Thomas abgesprochen. Und er hat seine Zusage von damals gehalten. Zwischen 2003 und 2004 hat er dann als B-Junior schon in der Oberliga bei den Senioren mitgespielt – mit 15.

Warum sollte Thomas Kraft denn noch in Betzdorf bleiben?

Peter Gänßler: Er sollte noch ein Jahr richtig durchspielen und nicht zu früh von zu Hause weg. Jetzt muss man sagen: So war es richtig.

Andere Vereine haben da doch sicher auch schon bei Thomas Kraft angeklopft.

Peter Gänßler: Sicher. Er war, soweit ich weiß, in Freiburg und auch beim 1. FC Köln im Gespräch. Aber vor allem Werder Bremen hatte ganz großes Interesse an ihm. Aber er hatte dem FC Bayern 2003 seine Zusage gegeben und sich auch daran gehalten.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden