20.02.2013

Können Sie Schalke noch retten, Dios-Mios-Fußballgott?

»Ich stehe bereit«

Der Schauspieler Oscar Ortega Sanchez verkörperte einst die Kultifigur »Dios« Di Ospeo im Schalke-Film »Fußball ist unser Leben«. Ein Gespräch über sein Leben als Held der Fans, Rudi Assauers Monologe und den Hass auf José Mourinho.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Oscar Ortega Sanchez, durch Ihre Rolle als »Dios« Di Ospeo im Film »Fußball ist unser Leben« wurden Sie eine Legende auf Schalke, jahrelang skandierten Fans in der Kurve noch »Dios-Mios-Fuballgott«. Werden Sie auch heute noch erkannt?
Es klingt verrückt, aber nach wie vor werde ich fast einmal die Woche darauf angesprochen. Die Leute murmeln etwa »Hömma, dat is doch der Dios« und schauen mich ungläubig in der Bahn an. Als sei es ein Weltwunder, dass ich auch mal mit dem Zug fahre.

In der Regel werden Fußball-Millionäre ja auch vom Chauffeur herumkutschiert.
Für mich als Schauspieler ist das natürlich ein Riesenkompliment, wenn die Leute mich erkennen. Anscheinend hat meine Rolle bei ihnen Spuren hinterlassen. »Dios« ist eine Kultfigur auf Schalke. Darauf bin ich stolz.

Was war Ihre skurrilste Begegnung mit Fans?
Es kommt immer auf die Uhrzeit an. Tagsüber verhalten sich die Leute gemäßigt, aber mir ist es auch schon nachts auf dem Kiez in St. Pauli passiert, dass ich mit Fangesängen gefeiert wurde und mich Jungs auf ihren Schultern durch die Kneipe getragen haben.

Momentan brauchen Klub und Fans jede Hilfe, deswegen muss die Frage erlaubt sein: Sind Sie der letzte Hoffnungsträger, der den FC Schalke noch retten kann?
Ich muss Sie leider enttäuschen, ich stehe für das Amt des Trainers nicht zur Verfügung! Für diese Rolle sehe ich klar Hans Polak im Vorteil. Er hat Herzblut und die Kompetenz, schließlich hat er einst Yves Eigenrauch geformt.

Hat Horst Heldt denn wenigstens bei Ihnen angefragt?
Wie heißt es so schön im Fußballgeschäft: Dazu möchte ich mich nicht äußern! Nur soviel: Ich kann dem Klub lediglich beratend zur Seite stehen.

Hans Polak wird im Film von Uwe Ochsenknecht gespielt, eine weitere Rolle besetzt Ralf Richter. Ein Glücksgriff für den erdigen Ruhrgebietscharme.
Gerade Ralf ist der Ruhrpott ins Blut übergegangen. Aber auch Uwe muss man ein großes Kompliment machen, immerhin hat er sich den Dialekt perfekt erarbeitet.



Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?
Wir waren ein paar Tage vor Drehbeginn bereits in Gelsenkirchen und waren dann viel unterwegs, haben mit Leuten gesprochen. Da gibt es halt nur ein Thema, das zählt: Schalke 04.

Waren Sie schockiert über die bestätigten Klischees?
Überhaupt nicht, ich war total beruhigt. Denn als ich das erste Mal das Drehbuch gelesen hatte, dachte ich noch, wir würden Karikaturen der Menschen zeichnen. Aber nach zwei Tagen vor Ort war mir klar: Wir drehen eigentlich einen Dokumentarfilm.

Rudi Assauer, Charly Neumann, Yves Eigenrauch, Huub Stevens: Im Film tauchten viele Akteure aus dem damaligen Profi-Umfeld auf. Wie sind die Stars dem Filmteam gegenüber aufgetreten?
Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Charly Neumann hat mir sogar eine Uhr geschenkt, die ich bis heute in Ehren in einer Schatzkiste aufbewahre. Yves Eigenrauch wirkte hingegen fast schon schüchtern. Selbst Huub Stevens, der in dieser Zeit sicher wichtigere Dinge zu tun hatte, als uns zu bespaßen, hat uns Dinge ermöglicht, die nicht selbstverständlich waren

Zum Beispiel?
Ich durfte unmittelbar vor dem Anpfiff eines Ligaspiels auf der Ersatzbank Platz nehmen. Wir haben dann gedreht, dass ich eingewechselt wurde, Stevens hat voll mitgespielt. Außerdem gibt es eine Szene, in der ich vor 20.000 Fans ein Tor bejubeln kann. Darauf bin ich besonders stolz.

Warum?
Weil die Szene so nicht geplant war. Ich hatte mich einfach auf meinen Torinstinkt verlassen. Es stand 0:0, als Schalke einen Freistoß in Strafraumnähe bekam. Ich bin aufgesprungen, habe mir zwei Komparsen und einen Kameramann geschnappt und gesagt: »Stellt keine Fragen! Ihr zwei nehmt mich auf die Schultern und du drehst einfach mit.« Als wir zwei Meter vor der Kurve standen, ging der Ball rein und die Leute rasteten aus. Das war zu geil.

Hätte aber auch schief gehen können.
Klar war das auch ein bisschen peinlich. Die Leute haben natürlich gedacht: »Was ist das denn für ein Spinner?« Aber dann war die Freude doch größer als die Verwunderung über mich.

Wie empfänglich waren die Schalke-Stars für Schauspieltipps.
Rudi Assauer brauchte keine Tipps, sein Ego war groß genug. Ich erinnere mich noch, wie er uns einmal zu einem Vereinsessen eingeladen hat und dabei immer wieder ewige Monologe zum Weltgeschehen hielt. Irgendwann stellten wir fest, dass er nur zu stoppen war, indem wir mitten in seinen Vorträgen aufstanden und den Gesang »Steht auf, wenn ihr Schalker seid« anstimmten. Dann konnte er nicht anders und musste mitsingen.

Wie oft mussten Sie aufstehen?
Erfahrungsgemäß waren es immer sehr lange Abende auf Schalke. Ich schätze, dass wir unter 15 Mal nicht durchkamen. (lacht)

Seite 2: »Ich stehe bereit, aber...«

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden