06.02.2014

Können Sie den HSV noch retten, Dirk Weetendorf?

»Zwei Zuckerflanken auf meinen Schädel«

Im Sommer 1997 stand der HSV auch am Abgrund. Am 33. Spieltag rettete der Amateur Dirk Weetendorf die Hamburger mit zwei Kopfballtoren. Ein Gespräch über »Horst-Uwe«, One-Hit-Wonder und große Konkurrenz.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Dirk Weetendorf, wann retten Sie den HSV?
Es tut mir sehr leid, aber ich bin mittlerweile zu alt für den aktiven Fußball.
 
Die HSV-Fans sehnen sich aber nach einem Stürmer, der sie von ihren Sorgen befreit.
Ich kann sie natürlich verstehen, zumal der Verein momentan arge Verletzungsprobleme hat. Vielleicht hätte man Artjoms Rudnevs nicht abgeben sollen. Doch so ist das im Fußball: Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu.
 
Sie befürchten einen Abstieg des HSV?
Nein. Ich denke, die werden das schon wuppen. Und vielleicht wird ja Pierre-Michel Lasogga den Klub retten.
 
Sie haben den Klub am 33. Spieltag der Saison 1996/97 mit zwei Kopfballtoren gerettet. Träumen Sie heute noch davon?
Es war sicherlich eines meiner besten Profispiele. Wir standen auf Platz 15 und mussten gewinnen, um den Klassenerhalt zu schaffen...
 
...allerdings kam mit Borussia Dortmund die damals beste Mannschaft der Welt ins Volksparkstadion.
Richtig. Die Dortmunder waren amtierender Meister und standen im Champions-League-Endspiel gegen Juventus Turin.
 
Waren die Dortmunder mit ihren Gedanken schon im Finale?
Das Endspiel fand zwar vier Tage später statt, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass die unkonzentriert waren. In der Startelf standen damals alle Topstars: Chapuisat, Ricken, Sammer, Reuter, Zorc...
 
...und Ihr Gegenspieler Jürgen Kohler. Kannte der Sie überhaupt?
Vermutlich nicht. Aber das war dem sicherlich herzlich egal. Kohler war einer der besten Verteidiger der Welt, den konnte nichts aus der Fassung bringen – schon gar nicht ein ehemaliger Amateurkicker.

Sie waren damals 24 Jahre alt, hatten für den TSV Pansdorf und die zweite Mannschaft des HSV gespielt. Wieso sind Sie am Ende jener Saison in den Profi-Kader gerutscht?
Nach der Entlassung von Felix Magath wollte der Interimstrainer Ralf Schehr was verändern, außerdem war Karsten Bäron verletzt. Schon eine Woche zuvor hatte ich daher meinen ersten Einsatz. Wir verloren zwar 0:4 gegen den 1. FC Köln, doch ich machte ein gutes Spiel. Gegen Dortmund durfte ich also wieder ran. Rodolfo Cardoso zuckerte zwei Flanken auf meinen Schädel und ich nickte ein. So einfach war das.
 
Nach dem Spiel orderte Ralf Schehr beim Busfahrer einen Kasten Bier. Wie war die Party nach dem Spiel?
Wir haben ein bisschen gefeiert, aber auch nicht ausufernd, denn absurderweise hätten wir durch den Sieg am 34. Spieltag wieder die Chance gehabt, einen UI-Cup-Platz zu erreichen. Dafür mussten wir allerdings in Düsseldorf gewinnen müssen, doch wir spielten nur 1:1.
 
Sie bekamen in jenen Tagen von der Presse den Spitznamen »Horst-Uwe« verpasst. Wie breit war Ihre Brust?
Ach, ich fand das total übertrieben, und es war mir auch ein bisschen unangenehm. Ich hatte zu dem Zeitpunkt gerade mal zwei Bundesligaspiele gemacht und wusste auch, dass ich niemals so gut sein würde wie die HSV-Legenden Horst Hrubesch oder Uwe Seeler.

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