Kölns Trainer Frank Schaefer über Lukas Podolski

»Jede Sekunde lohnt sich«

Liebe Freunde, aufjepasst: Ab heute ist die neue Ausgabe von 11FREUNDE im Handel. In Ausgabe #113 zeigt Tim Jürgens »Uns« Lukas Podolski, wie ihn noch keiner gesehen hat. Und sprach dafür auch mit Köln-Trainer Frank Schaefer. Kölns Trainer Frank Schaefer über Lukas Podolski
Heft#113 04/2011
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Frank Schaefer, worin unterscheidet sich Lukas Podolski von all Ihren anderen Spielern?

Frank Schaefer: Es hat diese Fähigkeit aus dem Jugend- in den Profibereich hinübergerettet, Spiele allein entscheiden können. Das schaffen nur sehr wenige. Und er ist in der Lage, diese Qualität auch auf internationaler Ebene zur Geltung zu bringen. Das ist wirklich außergewöhnlich.

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Haben Sie eine Erklärung, warum ihm das gelungen ist?

Frank Schaefer: Seine Qualität war eben so hoch,  dass er sie übertragen konnte. Andere verlieren diese Wirkung,  wenn sie im Profibereich auf ähnlich begabte Spieler treffen.

Für Lukas Podolski war die Beförderung zum Kapitän eine psychologisch wichtige Entscheidung. Was waren für Sie die Beweggründe, ihm die Binde zu übergeben?

Frank Schaefer: Wir haben im Dezember 2010 einige Dinge im Team verändert und da haben wir uns auch Gedanken gemacht, wer die Mannschaft führen soll. Für mich war ganz entscheidend, dass diese Prozesse von einem deutschsprachigen Spieler begleitet werden. Außerdem nimmt Lukas eine Sonderolle in Köln ein. Deshalb glaube ich, dass er viel Kraft aus dieser Rolle schöpft und somit auch etwas in der Mannschaft bewegen kann.

Wie hat er Ihre Entscheidung entgegengenommen? So unaufgeregt, wie ein Tor bei der Weltmeisterschaft?

Frank Schaefer: Als ich ihm im Trainingslager in Belek darüber informiert habe, hat ihn das meines Erachtens schon sehr berührt. Ich glaube, dass es ihm sehr wichtig war und viel bedeutet.

Podolski betont, dass er sehr viel für den Verein tut. Wo engagiert er sich aktiv außerhalb des Platzes für den 1.FC Köln?

Frank Schaefer: Lukas Podolski gilt als das Gesicht des 1. FC Köln und das lebt er auch nach außen hin. Das ist eine Rolle, die für einen 25-Jährigen sehr viel Kraft erfordert.

Sie haben als sein A-Jugend-Trainer erlebt, wie dieser »Poldi-Hype« losbrach. Hatten Sie manchmal Sorge, dass das zuviel wird für ihn?

Frank Schaefer: Die Sorge habe ich permanent. Die Fans kommen vor dem Mannschaftshotel sogar zu mir und sagen: »Mensch, reden Sie doch mal mit ihm, ob er mit mir ein Foto macht.«. Überall wo er auftaucht, herrscht ein Riesenhype um ihn. Ich kann nachvollziehen, dass er nicht so oft vor die Tür geht und sich mehr auf seine Familie konzentriert. Lukas ist eine Mediengestalt, der Junge hat drei Sommermärchen mitgeschrieben. Aber er ist kein Exzentriker.  

Ist dennoch ein wenig Neid in der Kabine spürbar?

Frank Schaefer: Die Mannschaft weiß, dass er einen Sonderstatus einnimmt. Aber ich glaube nicht, dass ihn die Mitspieler beneiden. Ich denke, viele sind froh, dass sie diese Sonderrolle, in der man ständig unter Beobachtung steht, nicht ausfüllen müssen. Wenn man ihn zeitlich ganz normal in alle Bereiche einordnet, brennt er nach zwei Monaten aus. Bei allem, was um ihn herum passiert, muss ich ihm seine Freiräume lassen.

Welche Privilegien hat er denn konkret?

Frank Schaefer: Ein Beispiel: Wenn Lukas Podolski  nach einem Auswärtsspiel einen Fernsehtermin bei Günther Jauch in der Sendung »Menschen 2010« hat, ist für mich klar, dass er nicht mit der Mannschaft zurück fahren muss, sondern mit seinem Chauffeur ins Fernsehstudio. Das sind so Punkte, wo ich ein feines Fingerspitzengefühl brauche und ihn auch ein Stück weit schützen muss.

Braucht ein 84-facher Nationalspieler trotz seiner Erfahrung immer noch Führung durch den Trainer?

Frank Schaefer: Jeder Mensch braucht eine Führung. Lukas ist sehr sensibel und jemand mit dem man sich stark beschäftigen muss. Das kostet viel Energie, aber jede Sekunde lohnt sich.

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