Koblenz' Pokalheld vor dem Spiel gegen Kaiserslautern

Michael Stahl: »Ich wurde Fleischwurst genannt«

Durch sein Weitschusstor im DFB-Pokal gegen Hertha BSC wurde der Koblenzer Michael Stahl über Nacht berühmt. Wir sprachen mit dem 23-Jährigen vor dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern über seinen großen Moment. Koblenz' Pokalheld vor dem Spiel gegen KaiserslauternImago

Michael Stahl, ein Metzger hat eine Wurst verkauft, die so lang war, wie die Distanz Ihres Tors. Durften Sie der Präsentation dieser Wurst beiwohnen?

Michael Stahl: Ich stand sogar an der Kasse und habe die Wurst mitverkauft. Nur selber schneiden durfte ich sie leider nicht. Die Leute haben das sehr gut angenommen. Von der Wurst ist am Ende nicht viel übrig geblieben. Es war übrigens eine Fleischwurst.

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Haben Sie noch etwas abbekommen?

Michael Stahl: Klar. Für die Fotografen und das Regionalfernsehen musste ich auch mal probieren.

Welche anderen Termine dieser Art mussten Sie wahrnehmen?

Michael Stahl: Ich habe die »Stahli, hau ihn rein« Shirts im Fanshop verkauft. Es gab auch noch viele Fernsehtermine.

Wie konnten Sie diese ganzen Termine überhaupt wahrnehmen? Der Spielbetrieb in der Liga ging schließlich weiter.

Michael Stahl: Das war Zufall. Für das nächste Ligaspiel war ich gesperrt. Deshalb hatte ich eine Woche Zeit, all die Termine wahrzunehmen. Ich war damals jeden Tag von 10 bis 19 Uhr unterwegs. Sat.1, RTL, Sport Bild und natürlich die regionalen Zeitungen wollten mit mir sprechen. Auch aus Holland, Brasilien und Japan hatten sich Fernsehteams angemeldet. Die Japaner und die »Bild am Sonntag« wollten sogar, das ich den Schuss noch mal nachstelle.

Und?

Michael Stahl: Von zehn Schüssen sind drei ins Tor gegangen. Aber das Tor war eine einmalige Sache. Ist auch gut so. Das könnte ja sonst jeder.

Haben Sie ein solches Interesse nach dem Abpfiff für möglich gehalten?

Michael Stahl: Überhaupt nicht. Als ich das Tor geschossen habe, war mir schon klar, dass es eine geile Bude ist. Aber so einen Hype hatte ich nicht erwartet. Ich kam am Morgen danach zum Training mit einer Tüte Brötchen, hatte nicht geduscht, die Haare nicht gemacht und auf einmal warten schon die Fernsehteams auf mich. Da war ich erst ziemlich schockiert.

Ärgern Ihre Mitspieler Sie seit dem Tor, wenn Sie zum Befreiungsschlag ausholen?

Michael Stahl: Den Ruf »Stahli, hau ihn weg!« musste ich mir schon ein, zwei Mal anhören.

Nach dem Tor hat die Boulevard-Presse Ihnen Spitznamen wie »Krach-Bumm-Stahli«, »Stahlinho« oder »Iron Mike« verpasst. Hat Ihnen einer von diesen Namen gefallen?

Michael Stahl: Alle. Aber besonders gut komme ich mit »Iron Mike« klar, obwohl der Name ja eigentlich dem Boxer Mike Tyson gehört. Meine Mannschaftskollegen hingegen haben mich, nachdem ich die Fleischwurst verkauft habe, auch »Fleischwurst« genannt. Das hat mir weniger gefallen (lacht).

Eines der Videos mit dem Tor wurde bei Youtube mittlerweile 1,4 Millionen Mal aufgerufen. Für wie viele Klicks sind Sie verantwortlich?

Michael Stahl: Für eine Hand voll. Aber ich habe die ARD- und ZDF-Rückblicke zu Hause. Wenn ich mal bei Youtube war, habe ich immer nur reingeschaut, wie viele Klicks mein Video gerade hatte. Und wenn ich dann schon da war, habe ich mir natürlich auch das Tor noch mal angesehen (lacht).

Ab wann hat sich der Rummel um Ihre Person beruhigt?

Michael Stahl: Erst zwischen Mitte und Ende November wurde es weniger. Mittlerweile kann ich nach dem Training auch wieder nach Hause fahren, ohne Pressetermine wahrzunehmen.

Waren Sie überrascht, als Ihr Tor zum »Tor des Monats« gewählt wurde?

Michael Stahl: Daran hatte ich wirklich nie gedacht, bis unser Pressesprecher mir gesagt hat, das ich in der Auswahl bin. Irgendwann bekamen wir dann einen Anruf von der ARD, dass es gut aussieht. Aber endgültig habe ich es auch erst in der Sportschau erfahren.

Die Wahl zum »Tor des Jahres« steht an. Rechnen Sie sich Chancen aus?

Michael Stahl: Ich weiß nicht. Ich habe mir alle Tore angesehen und da sind schon einige tolle dabei. Robbens Tor etwa gegen Manchester United, das war Weltklasse. Wenn ich unter die ersten Fünf käme, wäre das schon super.

Was machen Sie, wenn Sie eines Tages Ihre Karriere beenden und das Tor gegen Hertha das Einzige Ihrer Profi-Karriere bleibt?

Michael Stahl: Dann muss ich zum American Football wechseln und Field-Goal-Schütze werden. Zu mehr hat es dann wohl nicht gereicht. Aber ich hoffe schon, noch ein paar Mal zu treffen.

Glauben Sie, dass Sie dieses Tor noch mal übertreffen können?

Michael Stahl: Schön wär’s. Aber wenn es nicht klappt, kann sich dieses Tor auch sehen lassen.

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